Interview

Waldhof-Urteil: Für HFV besteht kein Handlungsbedarf

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Torsten Becker HFV-Vizepräsident aus Hanau

Hanau – Das Urteil des Frankfurter Landgerichts im Fall Waldhof Mannheim hat Torsten Becker, Vizepräsident des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) und Mitglied des DFB-Sportgerichts, erstaunt zur Kenntnis genommen.

Im Interview nimmt der 54-jährige Hanauer Jurist, der hauptberuflich im Hessischen Ministerium für Arbeit und Soziales arbeitet, zu möglichen Folgen des kassierten Punktabzugs für den Fußball-Regionalligisten Stellung.

Herr Becker, ein ordentliches Gericht kassiert einen von einem Verbandsorgan ausgesprochenen Punktabzug. Was bedeutet das für den Amateurbereich, in dem Punktabzüge auch ausgesprochen werden?

Streitgegenstand war nur die Causa Waldhof. Das heißt, das Urteil bezieht sich nur auf diesen Einzelfall und lässt sich nicht verallgemeinern. Der DFB hat in seiner Stellungnahme ausgeführt, dass sich das Urteil nicht mit seiner Rechtsauffassung deckt. Diese Ansicht teile ich, zumal ich aus meiner Tätigkeit im DFB-Sportgericht weiß, dass ein Punktabzug nur bei erheblichen Rechtsverstößen und wirklich nur ganz selten ausgeurteilt wird. Deshalb will der DFB auch Berufung zum Oberlandesgericht Frankfurt einlegen.

Weshalb?

Zum einen gibt es klare Rechtsgrundlagen in der DFB-Satzung und der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung. Diese sehen bei Ausschreitungen als letztes Mittel auch Punktabzug vor. Nicht vergessen darf man, dass die Vorfälle in Mannheim gravierend waren und sich zwei unabhängige DFB-Sportgerichtsinstanzen sehr intensiv damit beschäftigt haben. Genaueres kann man erst sagen, wenn die Urteilsgründe vorliegen. Dann kann man seitens des DFB eine Argumentationslinie aufbauen. Das Verfahren wird sich sicherlich hinziehen.

Kaum auszumalen, was los wäre, wenn der SV Waldhof nicht so klar führen würde, sondern drei Punkte über die Meisterschaft entscheiden würden...

Ja, das wäre sicherlich problematisch, zumal in der verbleibenden kurzen Restsaison eine rechtskräftige Entscheidung nicht erwartet werden kann. Zum Glück stellt sich aber dieses Problem nicht. Waldhof liegt klar vorne.

Was macht Sie sicher, dass das Urteil auf Amateurebene keine Folgen hat?

Das Urteil betrifft nur den Einzelfall Waldhof Mannheim und lässt keine weiteren Rückschlüsse zu. Somit besteht für den HFV gegenwärtig kein Handlungsbedarf. Auch wir haben in unserer Satzung und den Ordnungen klare Rechtsgrundlagen. Ein Punktabzug kommt nur bei erheblichen Rechtsverstößen oder in Wiederholungsfällen zum Tragen und ist damit „ultima ratio“ in der Kette der Strafarten.

Das Gespräch führte Jörg Moll

Quelle: op-online.de

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