HSG Hanau mit Ex-Oberliga-Spielerinnen Favorit gegen OFC

Bezirkspokal der Frauen: „Theken-Elfen“ vor erstem Titel

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Mira Fritz trifft für die HSG Hanau beim 27:16 im Viertelfinale gegen die TGS Niederrodenbach. Die Rückraumspielerin war einst für die SG Bruchköbel in der Oberliga und zuletzt für den TSV Klein-Auheim in der Landesliga am Ball.

Offenbach - Dass ein B-Ligist und ein A-Ligist das Handball-Bezirkspokalfinale der Frauen bestreiten, ist ungewöhnlich. Die Rollenverteilung vor dem Endspiel am Samstag (15 Uhr, Bulauhalle Niederrodenbach) übertrifft aber alles: B-Ligist HSG Hanau ist nämlich klarer Favorit gegen den OFC Kickers.

Nina Jöckel geht mit einem mulmigen Gefühl in das Finale. „Hoffentlich bekommen wir keine Packung“, sagt die linke Außenspielerin der Kickers. Die Furcht ist nicht ganz unbegründet. Denn die Frauen der HSG Hanau sind alles, nur kein normaler B-Ligist. Bereits die Gründungsgeschichte ist außergewöhnlich. Der Kern der Mannschaft spielte einst gemeinsam in der Landes- und Oberliga für die SG Bruchköbel unter Trainer Dirk Bade und Co-Trainer Heinrich Wenzel, die auch jetzt wieder das Team betreuen. Bades Assistent prägte einst bei einer Abschlussfeier auch den Spitznamen der geselligen Handballerinnen. „Er nannte uns die Theken-Elfen“, erzählt Mira Fritz. Weil sich die Gruppe so gut verstand, schwor sie sich, ehe sie sich in alle Winde zu anderen Klubs verstreute, „irgendwann nochmal gemeinsam aufzulaufen“.

Im Frühjahr reifte der Entschluss zur Wiedervereinigung. In einem Brief erörterten Fritz, Lisa Wenzel (beide zuletzt TSV Klein-Auheim) und die übrigen „Elfen“ ihr Anliegen den Verantwortlichen der HSG Hanau. „Wir haben bewusst einen Klub ohne Frauenmannschaft gesucht“, erklärt Fritz. Bei der HSG kam die Idee bestens an. „Das ist ein tolles Team mit super Typen, die zudem topfit sind“, lobt Vizepräsident Stephan Pillmann.

Warum diese Spielerinnen plötzlich noch mal ganz unten anfangen, liegt für den Trainer auf der Hand. „Es sind viele Mütter dabei“, sagt Bade. Auch er selbst hatte wegen seiner Kinder drei Jahre kein Traineramt ausgeübt. Bei der HSG „ist die Intensität nicht mehr so hoch und der Spaß steht im Vordergrund“, erklärt er: „Früher haben wir drei Mal pro Woche trainiert, heute nur einmal. Das reicht für diese Liga auch.“

Wenn Sport schmerzt: So fies kann Training sein

Der sportliche Erfolg stellte sich mit acht Siegen in acht Spielen schnell ein. „Das war aber auch zu erwarten“, relativiert Bade: „Denn eingespielt können wir auch in der Bezirksoberliga gut mithalten.“ Die Dominanz ist nicht immer angenehm. „Ohne arrogant zu wirken: Nicht alle Spiele machen Spaß“, sagt Bade. Das 53:9 gegen den Lokalrivalen TG Hanau „war nicht nur für den Gegner unangenehm“.

Die Motivation vor dem Pokalfinale ist umso größer. „Wir wollen den ersten Titel“, sagt Bade. Sein Offenbacher Kollege sieht die Rollen klar verteilt. „Wir sind Außenseiter“, betont OFC-Trainer Jens Pröse. Kampflos ergeben will sich der Tabellensechste der Bezirksliga A jedoch nicht. „Mit dem Bezirksoberligisten HSG Kinzigtal haben wir bereits einen Favoriten rausgekegelt“, erinnert Pröse an das 21:20 im Viertelfinale. In der Runde der letzten vier bezwang der OFC den Ligarivalen TV Altenhaßlau mit 23:19. Die HSG Hanau hatte sich mit lockeren Siegen gegen die A-Ligisten TGS Niederrodenach (27:16) und HSG Preagberg (30:13) für das in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Pokalfinale qualifiziert.

mro/jm

Quelle: op-online.de

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