INTERVIEW

Chef der SG Rosenhöhe kritisiert Profis und Ausbildungshonorar

Partrick Ihlefeld
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Partrick Ihlefeld (links)

Offenbach – 4200 Euro kann ein Amateur-Fußballclub wie die SG Rosenhöhe Offenbach gut gebrauchen. Diese Summe bekam der Gruppenligist von der DFL überwiesen, da der einstige SGR-Jugendspieler Enrique Pena-Zauner (SV Sandhausen) 2019 sein Profi-Debüt gegeben hatte. SGR-Abteilungsleiter Patrick Ihlefeld freut sich über den kleinen Geldsegen, übt im Interview aber auch Kritik an der Ausbildungshonorierung und dem Verhalten der Profis gegenüber Amateuren.

Die SG Rosenhöhe ist einer von 103 Klubs unterhalb der 3. Liga, die von der DFL ein Ausbildungshonorar erhalten haben. Was bedeutet das für Ihren Verein?

Wir freuen uns. Ich will auch nicht undankbar sein. Aber das zeigt auch, dass das Verfahren teilweise sehr seltsam ist. Enrique Pena-Zauner war ein Jahr bei uns. Andere Spieler wurden länger von uns ausgebildet, ohne dass wir dafür etwas erhalten haben.

Warum?

Damals gab es so eine Förderung noch nicht. Später war es zunächst eine Holschuld. Da hat man den Amateurvereinen zugemutet, das immer im Auge zu behalten. Aber es wechseln ja eventuell auch mal Vorstände. Es ist daher nicht selbstverständlich, dass man stets mitbekommt, ob ein Ex-Spieler sein Profi-Debüt gegeben hat. Wir haben das zum Glück gut im Griff.

Finden Sie die aktuelle Regelung fair beziehungsweise die Höhe des Honorars angemessen?

Ich sage es mal so: Man muss sich im Verhältnis dazu nur mal die Ablösesummen anschauen, die gezahlt werden, wenn ein Spieler von einem Leistungszentrum zum anderen wechselt. Das ist Wahnsinn. Da sind mehr als 25 000 Euro nicht selten. Das höchste Ausbildungshonorar, das wir mal bekommen haben, betrug knapp 8000 Euro. Es ist ja schön, dass es das gibt. Und es ist auch besser als früher. Eine echte Wertschätzung gegenüber dem Amateurfußball ist das immer noch nicht. Dabei hat fast jeder Profi mal bei einem kleinen Verein angefangen. Für Berkay Dabanli haben wir zum Beispiel nie einen Cent erhalten, obwohl er nach seiner Rückkehr aus der Türkei für den 1. FC Nürnberg in der 1. Liga gespielt hat. Richtig begriffen habe ich das nicht. Da blickt keiner durch.

Dafür hat die SGR unter anderem für die Ausbildung von Mergim Mavraj und Marcel Titsch-Rivero Geld bekommen...

Ja, aber warum ist man nicht konsequent? Warum gibt es nur ein Ausbildungshonorar, wenn jemand in der 1. oder 2. Bundesliga gespielt hat? Die 3. Liga ist auch eine Profiliga, zählt aber nicht. Andernfalls hätten wir in den letzten Jahren noch mehr Geld bekommen. Und die Regionalliga gilt in Hessen nun auch als Profi-Liga. Warum zahlen die Regionalligisten dann nicht in einen Fonds ein, anstatt bei Transfers mit uns über die Entschädigung zu feilschen? Der Berufsfußball hat sich komplett von Basis entfernt.

Wie äußert sich das?

Ein NLZ (Nachwuchsleistungszentrum, Anm. d. Red.) hat uns im September einen 2014er weggeholt. Der Junge geht noch nicht mal in die Schule. Die NLZ begründen ihr Verhalten damit, dass andere NLZ das auch machen. Und wenn es sich um Spieler unterhalb der D-Jugend handelt, bekommen wir nichts, da die Regelung zu einer Zeit gemacht wurde, als die NLZ keine Kleinfeldteams hatten. Wenn wir dann zum Beispiel aus Heusenstamm Jugendspieler holen, heißt es: die böse SG Rosenhöhe.

Welchem ehemaligen Jugendspieler der SG Rosenhöhe trauen Sie als nächstes das Profi-Debüt zu?

David Tomic. Er spielt zwar in Duisburg 3. Liga, ist aber ein außergewöhnlich guter Fußballer. Bei ihm hat es bloß noch nicht richtig geschnackelt. Bei Kaiserslautern hatte er Pech, dass die im Abstiegskampf waren. In Stuttgart saß er bei den Profis zumindest auf der Bank. Gute Chancen haben auch die Makanda-Brüder. Jabez zählt bei Eintracht Frankfurt als Local Player zum Profi-Kader. Sein jüngerer Bruder Blessing ist vielleicht das noch größere Talent. Er ist in der Mainzer Jugend und sogar DFB-Juniorennationalspieler. Beide waren glaube ich vier Jahre bei uns.

Der Rosenhöhe winkt also eine größere Geldsumme?

Ja (lacht). Wenn es einer von denen schafft, rufe ich bei unserem Oberbürgermeister Felix Schwenke an und sage: Ich löse ein Problem für Dich. Wir kaufen Euch das Sportzentrum Rosenhöhe ab.

Das Gespräch führte

Christian Düncher

SGR-Abteilungsleiter

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