„Christ“-liches Doppelpack bringt Derby-Sieg

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Nur selten brachte DJK-Akteur Max Hombach (hinten) den Ball an Hassias starkem Sven Hajok (Nr. 5) vorbei - wie in dieser Szene. Die Hassia gewann das Derby mit 2:0.

Dieburg ‐ Manche Geschichten, die der Fußball schreibt, klingen fast unglaublich, sind aber wahr. Wie diese: Seit Wochen fiebern Spieler und Anhänger dem Lokalderby DJK gegen Hassia Dieburg entgegen, warten auf den großen Tag. Von Jens Dörr

Just an dem feiert Hassia-Spieler Sebastian Christ, der aus persönlichen Gründen eigentlich bis zum Winter pausiert und in dieser Runde noch kein Spiel gemacht hat, seinen 30. Geburtstag. Das Geschenk, das ihm der Sportclub macht, klingt erst einmal wenig verlockend: Ein Einsatz als Stürmer gegen die favorisierte DJK, im eigenen Team, das in den letzten Wochen wenig zustande brachte. Doch Christ nimmt an – und beschenkt sich und sein Team am Ende mit zwei Toren und drei Punkten.

2:0 hieß es am Sonntag vor mehr als 200 Zuschauern – Rekord-Besuch aller Spiele in der Kreisliga B in dieser Saison – für den SC Hassia II bei der DJK. Ob verdient oder nicht, darüber lässt sich streiten. Einerseits hatte die DJK sogar die Mehrzahl an Torchancen. Andererseits agierte die Hassia insgesamt clever und hatte neben Christ auch einen starken Torwart Uli Becker zwischen den Pfosten, der nicht zu bezwingen war. Erst zum zweiten Mal in dieser Spielzeit schoss die DJK keinen eigenen Treffer – dies war bis dato nur im Spiel gegen den Tabellenführer SV Reinheim (0:1) der Fall gewesen.

Trainerstimmen zum Derby

Milovan Markovic (DJK): „Torwartfehler wie beim 1:0 können immer passieren, ich bin von anderen Mannschaftsteilen enttäuscht. Wir haben zu viele hohe Bälle gespielt, zudem musst Du in solch einem Spiel deine Chancen verwerten.“

Olaf Vogel (Hassia): „Es war zu erwarten gewesen, dass die DJK von Beginn an draufgeht. Wir wollten auf Konter spielen, dieses Rezept ist aufgegangen. Dass Sebastian Christ an seinem 30. Geburtstag zum Matchwinner wird, ist natürlich sensationell.“

Der Reihe nach: Wie erwartet begann die DJK auf heimischem Sportgelände offensiv und mit viel Schwung. Ali Uzuner hätte schon in den ersten fünf Minuten zwei Tore schießen können, eines schießen müssen. Aus drei Metern aber brachte Uzuner den Ball nicht im Hassia-Tor unter. Nachdem Blau-Weiß die ersten Attacken von Grün-Weiß überstanden hatte, beruhigte sich das Spielgeschehen. Der Sportclub fand in der Defensive nun zu mehr Stabilität, wozu besonders Sven Hajok und Mario Schmitgen in der Zentrale beitrugen. Auch Bernhard Berz markierte gegen die DJK-Angreifer Max Hombach und Thomas Schultes sein Revier, auf beiden Seiten kam es dabei auch zu ersten Fouls. Die ahndete der sehr kleinlich, aber nicht schlecht pfeifende Unparteiische früh mit Gelben Karten, so dass sich in der Folge ein überwiegend faires Derby entwickelte. Nach vorne gelang der Hassia zunächst nichts – bis DJK-Schlussmann Matthias Enders mithalf: Ein Abschlag aus der Hand verunglückte ihm völlig, landete bei Sebastian Christ. Der stand plötzlich frei vor Enders, umspielte ihn und schob ins verwaiste Tor ein – das 1:0 (13. Spielminute). Der Treffer gab dem Sportclub zusätzliche Sicherheit, Gefahr entstand nun eher vor dem DJK-Tor.

SC Hassia Dieburg II: Uli Becker – Jens Geiselhardt, Mario Schmitgen, Bernhard Berz, Ahmed Miskine – Dennis Lehmann, Sahin Sirin, Sven Hajok, Matthias Enders – Sebastian Christ, Daniel Petschkuhn (Asad Ahmad, Thilo Falk, Thomas Embaye).

Besonders bei Standards kamen die langen Christ und Hajok immer wieder per Kopf an den Ball. Einen dieser Freistöße verwertete Christ dann auch zum 2:0 (33.), die Flanke hatte Matthias Enders – auch die Hassia hat einen Spieler mit diesem Namen – gegeben. Vielleicht lässt sich der kleine Unterschied hinsichtlich der Cleverness der Spieler, die der Hassia an diesem Tag wohl den Sieg bescherte, am besten an der Szene verdeutlichen, die zum Freistoß und damit zum 2:0 führte: Routinier und Kapitän Sven Hajok ließ sich an der Außenlinie geschickt fallen, als ihm Gegenspieler Stanislav Schreider das Foul geradezu anbot. Nicht viel war passiert, Hajok holte den Freistoß dennoch mit dem notwendigen Maß an Theatralik heraus.

SV DJK Viktoria Dieburg: Matthias Enders – Tim Beilstein, Michael Franz, Martin Schwibs – Daniel Schreiber, Markus Mann, Ali Uzuner, Stanislav Schreider, Sebastian Memminger – Thomas Schultes, Max Hombach (Amin Chowdhury, Steffen Horscht, Frank Beilstein).

Nicht nur die Cleverness in manchen Zweikämpfen aber fehlte der Viktoria am Sonntag, auch schlichtweg die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor sowie das Glück: Nach dem Seitenwechsel legten die Grün-Weißen erneut stark los, Markus Mann vergab aber genau wie Amin Chowdhury beste Chancen. Mehrfach zeichnete sich der überragende Hassia-Keeper Uli Becker aus, der schon im ersten Durchgang sehenswert einen Schuss von Schreider über die Latte gelenkt hatte. Schreider scheiterte zudem am Pfosten (49.) – da wäre vielleicht auch Becker machtlos gewesen. Nach einer Stunde jedoch war auch die zweite Offensiv-Welle der DJK vorbei, am Ende war die Hassia dem dritten Tor gar näher als die Viktoria dem ersten. Die Hassia verschaffte sich im Abstiegskampf damit etwas Luft, die DJK muss sich nun wieder aufs Neue an die Aufstiegsplätze herankämpfen. Etwas mehr Kurzpassspiel und weniger lange, hohe Bälle als am Sonntag sollten es dafür aber schon sein.

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