JUNGE SPORTLER UND CORONA Bundesliga-Handballer Nils Schröder vermisst Wettkämpfe und Fans

„Die Bubble war ein super Erlebnis“

Fünf Bundesligaspiele konnten die A-Junioren der HSG Hanau vor dem aktuellen Lockdown bestreiten, hier setzt sich Nils Schröder gegen den TV Hüttenberg durch.
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Fünf Bundesligaspiele konnten die A-Junioren der HSG Hanau vor dem aktuellen Lockdown bestreiten, hier setzt sich Nils Schröder gegen den TV Hüttenberg durch.

Hanau – Die A-Jugend-Bundesliga-Handballer der HSG Hanau zählen im aktuellen Pandemie-Lockdown zu den Privilegierten da sie als Profis in der Ausbildung gelten und daher unter Einhaltung strenger Hygieneregeln weiterhin auch als Team trainieren dürfen. Aber auch sie leiden, weil der Spielbetrieb seit Monaten ausgesetzt ist. Der aus Eppertshausen stammende, 18 Jahre alte Kreisläufer Nils Schröder spricht im Interview über die Pandemie-Auswirkungen auf sein Sportjahr 2020, die Infektionsgefahr im Handball und den Einfluss des Lockdowns auf seine weitere Karriereplanung.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf Ihr Sportjahr 2020?

Als erstes wurde ja die Saison 2019/20 abgebrochen. Auch die Vorbereitung auf die neue Saison lief ganz anders, als wir sie uns vorgestellt hatten. Als wir wieder durften, mussten wir draußen trainieren mit Maske und Handschuhen und Abstand halten während den Übungen. Aber es war schön, die Mannschaft endlich wiederzusehen. Die ganze Zeit zuvor nur alleine laufen zu dürfen, hat einen irgendwann verrückt gemacht. Handball ist halt ein Mannschaftssport, das macht diesen Sport schon aus.

Dann musstest ihr wegen des Sportverbots im Main-Kinzig-Kreis um die Erlaubnis bangen und kämpfen, die Qualifikation für die neue Bundesligasaison spielen zu dürfen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Zuerst haben wir ziemlich gebangt, die Spielerlaubnis sorgte dann für riesige Erleichterung. Wir mussten als Bedingung eine Woche in eine Bubble, also eine Selbstisolation in einem Hotel. Das war im Nachhinein ein super Erlebnis, die Zeit mit den Jungs zu verbringen. Morgens und abends haben wir trainiert, hatten dazwischen Taktikbesprechungen und Teambuilding, zum Beispiel mit Spieleabenden. Das hat uns als Mannschaft richtig zusammengeschweißt. Und mit der erfolgreichen Qualifikation für die neue Bundesligasaison haben wir uns belohnt. Das war für mich das schönste Erlebnis 2020.

Dann habt ihr von Ende September bis Ende Oktober fünf Bundesligaspiele bestritten, seitdem ist mittlerweile schon wieder drei Monate Pause und mindestens ein vierter kommt noch hinzu ...

Schon bald kam die Frage auf, wie lange wir wohl noch spielen dürfen. Wir sind dann jedes Spiel angegangen, als wenn es das letzte wäre. Jetzt sind wir unheimlich froh, dass uns erlaubt wurde, weiterhin zu trainieren, weil unser Jugend-Bundesligateam gemeinsam mit der Drittliga-Herrenmannschaft zum Spitzensport zählt. Ein zweites Verbot von Mannschaftstraining wäre für uns echt bitter gewesen.

Wie sieht es aktuell aus?

Vor Weihnachten haben wir gute Leistungsdiagnostiken absolviert. Wir halten uns fit und warten auf den Startpfiff, die Fortsetzung der Punktrunde. Bei der HSG Hanau wird uns sogar auch Individualtraining angeboten, das ist echt klasse. Aber der Wettkampf fehlt natürlich. Wir wollen zeigen, was wir können.

Im Handball wird eine besonders hohe Infektionsgefahr gesehen durch das Spiel in geschlossenem Raum und den ausgeprägten Körperkontakt. Wie sehen Sie das?

Das stimmt schon und lässt sich auch nicht ändern. Ein Spiel ohne Zweikämpfe wäre nicht mehr der Handball, den wir kennen und lieben. Wir versuchen aber außerhalb des Spielfeldes, so vorsichtig wie möglich zu sein. Wir tragen überall Maske und isolieren uns auch selbst, wenn auch nur ein kleiner Verdacht für eine Infektion besteht. Wir wissen, dass es ein großes Privileg ist, dass wir weiter trainieren dürfen. Deshalb tun wir alles dafür, dass das so bleibt. Wir haben alle unsere sozialen Kontakte wesentlich reduziert. Gehen nur noch zur Schule, wobei für die meisten der Unterricht online stattfindet, und sehen sonst eigentlich nur uns. Da vertraue ich auch meinen Teamkollegen, dass sie das genauso handhaben.

Wer in der Jugend-Bundesliga spielt, träumt von der Männer-Bundesliga oder zumindest von der ersten Mannschaft der HSG Hanau, dem Drittligateam. Befürchten Sie, dass die Pandemie Ihre Karriereplanung beeinflussen könnte?

Durch weniger Spiele gibt es natürlich weniger Sichtungsmöglichkeiten. Ich erwarte schon, dass es weniger Angebote von anderen Vereinen geben wird. Aber vielleicht setzen deshalb jetzt auch alle mehr auf die eigene Jugend, weil das die Spieler sind, die sie kennen und die sie selbst ausgebildet haben. Wettkampfspiele gehören natürlich dazu, um sich weiterzuentwickeln, das Selbstbewusstsein zu stärken und sich an die härtere Gangart bei den Männern zu gewöhnen. Aber wir haben das Glück, dass bei uns wegen der starken Mentalität der Spieler jedes Training mit Wettkampfgeist bestritten wird. Da werden wir auch immer voll gefordert.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Viele neue Spiele und Erfahrungen. Und viele volle Hallen. Auch wir merken, dass ohne Zuschauer und Fans vieles fehlt im Handball.

Das Gespräch führte

Stefan Moritz

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