HANDBALL SG Rot-Weiß Babenhausen zieht drei Männerteams und ein Frauenteam zurück

Die ersten vier Corona-Aussteiger

Eine volle Halle wird es in Babenhausen so schnell nicht mehr geben. In der Schulsporthalle ist das Hygienekonzept weder für Zuschauer noch für Spieler umsetzbar, deshalb zieht die SG Rot-Weiß Babenhausen alle vier Mannschaften vom Spielbetrieb zurück.
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Eine volle Halle wird es in Babenhausen so schnell nicht mehr geben. In der Schulsporthalle ist das Hygienekonzept weder für Zuschauer noch für Spieler umsetzbar, deshalb zieht die SG Rot-Weiß Babenhausen alle vier Mannschaften vom Spielbetrieb zurück.

Babenhausen – „Die Entscheidung tut uns allen weh“, sagt Andreas Bludau, Vorsitzender der SG Rot-Weiß Babenhausen. Am Montagabend fasste der Vorstand der Handball-„Löwen“ coronabedingt den wohl schwierigsten und schmerzvollsten Beschluss seit vielen Jahren - einstimmig (bei einer Enthaltung) zwar, aber doch mit weitreichenden Konsequenzen: Alle vier Aktiventeams des Vereins, mit insgesamt 60 Spielerinnen und Spielern, werden vom kürzlich gestarteten (oder teils noch gar nicht begonnen) Ligabetrieb der Saison 2020/21 abgemeldet.

Betroffen sind die drei Männermannschaften in der Oberliga, Bezirksoberliga und Bezirksliga B sowie das Frauenteam in der Bezirksoberliga.

Diese vier Babenhausener Teams stehen damit als erste Absteiger ihrer Klassen fest und müssen die nächste Spielzeit eine Etage tiefer bestreiten - sofern die aktuelle, beziehungsweise in Kürze beginnende Runde halbwegs normal durchgezogen werden kann und dann auch wie geplant mit Auf- und Absteigern nach den Verbandsvorgaben gewertet wird.

Genau an dieser Normalität hegen die Rot-Weiß-Verantwortlichen massive Zweifel: „Das unbeschwerte Spiel hat derzeit Grenzen und muss sich unseres Erachtens dem Fürsorge- und Verantwortungsprinzip und weitergehenden vitalen gesellschaftlichen Notwendigkeiten unterordnen“, sagt Bludau.

Dabei gehe es nicht nur um den Schutz der eigenen Spieler, „sondern auch um alle, die nicht auf dem Spielfeld stehen“. Unter den Helfern an Heimspieltagen des Vereins seien einige ältere Personen. Zudem existiere für die Babenhausener Schulsporthalle mit der großen Zuschauertribüne, in der die „Löwen“ ihre Heimspiele austragen, zwar ein Hygienekonzept. „Das ist in der Realität aber kaum umsetzbar“, sagt Bludau und spielt damit unter anderem auf die beengte Situation in den Kabinen und den Duschräumen an, wenn mehrere Partien hintereinander stattfinden.

Zuletzt kamen schon von den ersten Handball-Spielen in der Region Hiobsbotschaften, etwa vom Drittligisten Groß-Bieberau/Modau, wo Gastteam Leichlingen aus Nordrhein-Westfalen kurz nach der Partie mehrere positive Corona-Fälle verzeichnete und in der Folge auch Akteure der Gastgeber infiziert waren - mit der Folge von Spielabsagen und Quarantäne. Auch im Odenwälder Handball beginnt die Lage mancherorts buchstäblich virulent zu werden.

„Im Sport sind Körper und Geist gefragt“, weiß Bludau. Jetzt sei „eher der Geist gefordert und uns scheint eine gemeinwohlorientierte Einschränkung von Kontaktintensität und Infektionspotenzialen unbedingt geboten“.

Über den harten Einschnitt hatte der Verein intern seit einigen Tagen intensiv und ausgiebig debattiert, vergangenen Freitag auch mit den Spielern der Aktiventeams. „Auch in diesen Mannschaften überwiegen die Bedenken“, sagt Bludau, der jedoch angenehm „überrascht“ gewesen sei, „wie viel Verständnis dort für unsere schwierige Entscheidung geherrscht hat“. Zudem seien die Trainer aller betroffenen Teams eingebunden gewesen.

Da die Entscheidung für den Rückzug erst am Montagabend getroffen wurde, ist derzeit noch offen, ob Spieler und/oder Trainer den Verein verlassen werden. Dabei muss wahrscheinlich auch der Hessische Handball-Verband mitentscheiden, ob wechselwillige Spieler nach dem Rückzug möglicherweise sofort für andere Vereine spielberechtigt sind.

Den Trainingsbetrieb wolle man in Babenhausen zunächst weiterführen, „der lässt sich eher beherrschen und man kann eine Durchmischung vermeiden“, so Bludau.

Wie der Verein mit seiner Handvoll Nachwuchsteams verfahren wird, werde man erst demnächst entscheiden und dazu die Entwicklung des Infektionsgeschehens in den nächsten Tagen genau beobachten. „Momentan ist unsere größere gesellschaftliche Aufgabe als Verein gegenüber dem Aktivenspielbetrieb aber, den Jugendspielbetrieb aufrecht zu erhalten“, betont der Vorsitzende den aktuell besonders hohen Stellenwert eines Trainings- und womöglich auch Wettkampfangebots für den Nachwuchs in Babenhausen.

Auch bei den Aktiven peile man freilich eine baldige Rückkehr aufs Parkett an, sobald es der Verein wieder für vertretbar halte, „notfalls stehen wir dann erst mal für Freundschaftsspiele zur Verfügung“, so Bludau.

Das einzige Punktspiel der Babenhausener Aktiven-Handballer bleibt in der Saison 2020/21 voraussichtlich aber die Partie der zweiten Mannschaft am vergangenen Sonntag, die in der Bezirksoberliga Odenwald-Spessart bei der HSG Haibach/Glattbach mit 26:30 verloren ging.

Von Jens Dörr

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