U19-BUNDESLIGA Neuer Modus beschert OFC mehr Auswärts- als Heimspiele / Kommt Mbanga?

„Einfache“ Runde, aber schwierige Saison

Jean-Calvin Mbanga
+
Jean-Calvin Mbanga

Offenbach – Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger stets das schwerste, heißt es. Glaubt man dieser Fußball-Weisheit, kommt auf die U19 der Offenbacher Kickers in der Bundesliga Süd/Südwest eine besonders harte Saison zu. Es gibt nämlich mehr Absteiger als sonst und gegen die meisten vermeintlichen direkten Rivalen im Kampf um den Klassenerhalt muss der OFC auswärts antreten. Um dafür gewappnet zu sein, haben die Kickers ein paar interessante Spieler verpflichtet.

Starten soll die Saison am 19./20. September – mit 18 statt 14 Teams. Grund: Da die vergangene Spielzeit corona-bedingt abgebrochen worden war, hatte es zwar keine Absteiger aus, aber vier Aufsteiger in die Bundesliga gegeben. Um mittelfristig wieder auf die ursprüngliche Staffel-Größe zu kommen, wird es 2020/21 sowie 2021/22 fünf statt drei Absteiger geben. Neu ist zudem, dass die kommende Spielzeit als „einfache“ Runde mit 17 Partien ausgetragen wird, die Rückspiele also entfallen. Danach ermitteln die besten vier Teams in Halbfinale und Endspiel den Staffel-Meister.

Der OFC, vergangene Saison Zwölfter und damit Drittletzter, gehört zu den Teams, die neun Auswärts-, aber nur acht Heimspiele haben. Und er muss unter anderem in Karlsruhe (11.), Ulm (13.) und Fürth (14.) sowie bei den Aufsteigern Saarbrücken und Walldorf antreten. Immerhin: Die Hessen-Derbys gegen Eintracht Frankfurt und Neuling Darmstadt 98 finden zu Hause statt. Ob mit oder ohne Zuschauer, wird von der jeweiligen Verfügungslage abhängen.

„Grundsätzlich ist es ein Nachteil, bei der Konkurrenz spielen zu müssen“, sagt Kickers-Trainer Robin Trabert. „Wir sehen das jedoch als Chance, zu Hause den Großen Punkte abzunehmen.“ Den neuen Modus kommentiert er recht gelassen: „Es hatte sich ja angedeutet. Natürlich hätten wir lieber 34 Spiele gehabt, um unsere Jungs besser entwickeln zu können.“ Trabert zeigt aber Verständnis für die Entscheidung des Jugendausschusses des DFB: Auch wenn (corona-bedingt) Begegnungen verschoben werden müssten, sei die Chance, die Saison beenden zu können, bei einer „einfachen“ Runde größer. „So geht man auf Nummer sicher“, meint der OFC-Coach.

Das gilt auch für die Kickers: Um die Chance auf den erneuten Klassenerhalt zu erhöhen, wurden größtenteils Spieler geholt, die bereits in der U17- oder U19-Bundesliga gespielt haben. Alleine vom Mainrivalen Eintracht Frankfurt kamen in Außenverteidiger Ioannis Vassiliou, dem 16 Jahre alten Mittelfeld-Talent Dong-woo Kim und Stürmer Massil Aimene drei Akteure zum OFC. Elias Derwein (SC Hessen Dreieich) und Leonard Stritter (Wehen Wiesbaden) bilden mit Robin Reinhard das Torwarttrio. Im Abwehrzentrum sollen die Zugänge Furkan Yumurtaoglu (Karlsruher SC), Amiro Amadou (VfR Aalen) sowie Enes Zengin (SC Freiburg) für Stabilität sorgen. Dort steht nun auch Tea-ho Kim zur Verfügung. Der Südkoreaner (einst Eintracht Frankfurt und FSV Frankfurt) war bereits im Januar vom FC Augsburg gekommen, in der Rückrunde der Saison 2019/20 aber noch nicht spielberechtigt.

Vom 1. FC Nürnberg kehrt Zajsar Arapi nach Offenbach zurück, der in der Hinrunde der vergangenen Saison noch für die SG Rosenhöhe in der U17- Hessenliga auf Torejagd gegangen war. „Er ist ein sehr schneller Flügelspieler. So einen Typen hatten wir noch nicht im Kader. Er braucht jedoch noch Zeit, um sich zu entwickeln“, betont Trabert, der auch noch auf Jean-Calvin Mbanga (17 Jahre, 1,92 Meter) hofft. Der gebürtige Kameruner ist bislang lediglich Gastspieler. Ende des Monats soll sich entscheiden, ob er zum OFC wechselt. Trabert würde sich freuen: „Er ist groß, technisch stark und agiert eher mit dem Rücken zum Tor.“

Einem Bericht zufolge erzielte Mbanga vergangene Saison für die U17 von Cavigal Nice (Frankreich) in 14 Spielen 13 Tore und bereitete neun vor. Ähnlich erfolgreich soll er zuvor für Monaco gewesen sein. Er sei ein Spieler wie Samuel Eto’o und Kylian Mbappe, heißt es in einem Online-Artikel. Trabert sagt: „Es ist etwas zu früh, um ihn so zu bewerten.“

Die Vorbereitung verlief durchwachsen. Mehrere Testspiele fielen Corona-bedingt aus. Niederlagen gegen Bundesligisten aus anderen Staffeln (0:2 gegen Leverkusen, 2:5 gegen Dortmund, 1:2 gegen Duisburg) standen gute Leistungen gegen klassentiefere Teams gegenüber: 15:5 gegen Eddersheim (Verbandsliga), 3:1 gegen Elversberg (Regionalliga Südwest) und 4:1 gegen Bingen (Oberliga). Im Halbfinale des Hessenpokals gegen Ligarivale Eintracht Frankfurt (2:4 nach Verlängerung) fehlten lediglich Sekunden zu einer Überraschung.

Die Generalprobe für den Punktspielstart (19. September beim SC Freiburg) findet am Samstag (12 Uhr) bei Fortuna Düsseldorf statt. Dort gibt es ein Wiedersehen mit Emir Kuhinja. Der beste OFC-Torschütze der vergangenen Saison ist zu den Rheinländern gewechselt.

Von Christian Düncher

Gastspieler der OFC-U19

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare