INTERVIEW Jörg Wagner über die Perspektiven auf Amateurebene

Erst die Familie, dann der Fußball

Jörg Wagner Kreisfußballwart
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Jörg Wagner Kreisfußballwart

Die Punktspielsaison im Amateurfußball ist nach dem Beschluss des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) am Wochenende abgehakt. Auf- und Absteiger wird es wie berichtet keine geben. Was hat der Amateurfußball für Perspektiven angesichts der weiter steigenden Inzidenzzahlen?

Offenbach - Offenbachs Kreisfußballwart Jörg Wagner rechnet für 2021/22 erneut mit einer „erschwerten Saison“.

Jörg Wagner, war der Saisonabbruch jetzt auch für Sie alternativlos in dieser Pandemiezeit?

Leider ja, angesichts der immer weiter steigenden Inzidenzzahlen. Das ist echt bitter. Als Fußballer wollten wir es gern sportlich lösen, aber das lässt sich jetzt mit Blick auf Inzidenzwerte von 130 in Hessen oder mehr als 200 in der Stadt Offenbach einfach nicht umsetzen.

Wie geht es nun weiter im hessischen Amateurfußball?

Wir warten jetzt zunächst ab, was die Politik nach ihrem nächsten Corona-Gipfel vorgibt. Dann machen wir eine große Gesprächsrunde mit den Vereinsvertretern. Ich hoffe, wir reden dann nicht weiter über den völligen Stillstand im Sport. Es wäre schön, wenn wir uns dann noch Gedanken machen dürfen, was bis zum offiziellen Saisonende am 30. Juni alles umsetzbar ist. Aber Stand jetzt ist das nur schwer abzuschätzen.

Welche Gedanken sind das?

Es wäre schön, wenn wir wenigstens noch den Hessenpokal oder nach mindestens vier Wochen Training hier bei uns in Offenbach den Kreispokal beenden könnten. Auch ein schnell organisierter Ligapokal für unserer höherklassigen Vereine oder das eine oder andere Freundschaftsspiel im Juni wären sicherlich wünschenswert. Aber da will ich nichts vorgeben – da holen wir die Vereinsvertreter mit ins Boot. Ich will sie auch in die Spielplangestaltung für die nächste Saison mit einbinden, die sicher wieder erschwert sein wird.

Welche Perspektive hat der hessische Amateurfußball denn überhaupt mit Blick auf die neue Saison 2021/22?

Das ist eine gute Frage, die ich jetzt hier noch nicht beantworten kann.

Was wäre Ihrer Meinung nach denkbar?

Es gibt einigen Stimmen, die dafür plädieren, die nächste Saison auf Amateurebene so schnell wie möglich zu beginnen, wenn die Politik das zulässt. Das ist bei der Abstimmung der Kreisfußballwarte und des Verbandsvorstands am Wochenende klar geworden. Ich persönlich bin dafür, zunächst einmal Ruhe zu bewahren.

Das heißt?

Falls im Sommer nach den Impffortschritten wirklich so etwas wie mehr Reisefreiheit kommen sollte, dann sollten wir nicht gleich mit dem Spielbetrieb starten. Da stehen erst einmal Familienurlaube und Verwandtenbesuche auf dem Programm. Erst danach kommt der Fußball. Ich denke, wir sollten die Sommerferien abwarten und erst nach ordentlicher Vorbereitung in eine neue Runde starten.

Wie könnte sie aussehen?

Wir dürfen nicht blauäugig sein. Eine normale Saison, wie wir das aus Vor-Coronazeiten kennen, wird es auch 2021/22 noch nicht geben. Ich bin für eine Einfachrunde, also dass jeder einmal gegen jeden Ligakontrahenten gespielt hat und wir die Saison werten können. Dass die Klubs nicht weiter leiden müssen, endlich wieder Aufstiege möglich sind. Ligen zu teilen, finde ich hingegen nicht so gut. Jeder einmal gegen jeden, erscheint mir die fairere Variante.

Was sagen Sie Vereinen wie den Sportfreunden Seligenstadt oder der SSG Gravenbruch, die nun wieder die Leidtragenden sind.

Ich kann mich nur entschuldigen, kann aber auch nichts dafür angesichts dieser Pandemie, dass sie frustriert und verärgert sind. Ich kann aktuell keine Lösungen bieten, sondern nur hoffen, dass sie die nächste Chance in der neuen Saison ergreifen.

Direkt nach dem Ende dieser Saison, am 1. Juli, kandidieren Sie als Sportkreisvorsitzender. Was bedeutet das für den Fußballkreis, falls Sie gewählt werden?

Es gibt keine Überlegung, dass ich das Amt des Kreisfußballwarts abgebe. Ich bin zumindest bis 2024 gewählt. Bis dahin rollt der Ball hoffentlich wieder wie in Zeiten vor der Pandemie.

Das Gespräch führte Holger Appel

Weiterhin nur A-Ligist. Erik Liebert (SSG Gravenbruch) im Spitzenspiel im September gegen Steffen Reichert und Jonas Fritsch von Susgo Offenthal.

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