Als erstes reitet die Jugend im Parcours

Groß-Zimmern - Konzentriert schreitet die junge Reiterin durch den Parcours. Leise zählt sie die Schritte zwischen den Hindernissen, misst im Geiste die Galoppsprünge ihres Pferdes. Elf Schritte zwischen den Sprüngen, kann das stimmen? Noch ist sie nicht ganz zufrieden, fuchtelt mit der Gerte in der Luft herum.

Schnell eilt ihre Trainerin zu ihr, gibt letzte Tipps. „Sie ist ziemlich nervös heute“, verrät die Betreuerin im Vorübergehen und ergänzt: „Ich auch, es ist nämlich meine Tochter und ihr erster Start mit unserem neuen Pferd“.

Während die einen noch ein letztes Mal den Parcours begehen, herrscht in der Halle nebenan bereits reges Gedränge. Zwölf Pferde werden dort gleichzeitig warm geritten, Übersicht und Disziplin sind angesagt. Schnell werden ein paar übereifrige von der Stallmeisterin zur Ordnung gerufen. „Anreiten ans Hindernis nur von einer Seite, sonst besteht Verletzungsgefahr!“, ruft sie laut, um das Getümmel zu übertönen. Die Aufregung der jungen Reiter überträgt sich auch auf ihre Pferde. Einige scheuen nervös und eine ganz temperamentvolle Stute kann gerade noch am durchgehen gehindert werden. „Normalerweise ist sie ganz ruhig, aber heute ist wohl nicht ihr Tag“, stöhnt der junge Reiter. Das zeigt sich später auch im Parcours, zwei Abwürfe und eine Verweigerung sind das Ergebnis.

Bereits zum 18. Mal haben sich die Reitsportler zum traditionellen Hallenturnier des Reit und Fahrvereins (RFV) versammelt, um an sechs Turniertagen ihre Springreiterprüfungen abzulegen. Das Turnier ist weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt und viele Reiter aus Hessen und den anliegenden Bundesländern werden an den Start gehen. „Wir freuen uns auch diesmal wieder über die enorme Teilnahme“, strahlt Petra Krauß, Vorsitzende des RFV. „Es stehen über 1 400 Starts in 21 Prüfungen auf dem Programm, am Samstag Abend haben wir das erste Highlight, das Six Barrs oder Barrierespringen. Sonntag erfolgt dann der nächste Höhepunkt, das Springen in der Klasse S**“. Hierzu haben sich auch prominente Reiter wie Lars Nieberg und Hugo Simon gemeldet. Das Niveau ist entsprechend hoch und die Konkurrenz stark.

Zu Beginn der Woche standen die Prüfungen der Klassen A und L an. „Diese Bezeichnungen stehen für den Schwierigkeitsgrad“, erklärt Krauß. A steht für Anfänger, L, M und S für leichte, mittlere und schwere Klasse. „Hier zeigt sich auch das Alter der Teilnehmer. In den niedrigeren Klassen starten zumeist Schüler und Jugendliche“.

Die Meldeliste der A-Springen ist groß, Nachwuchssorgen gibt es keine. Der Verein zählt rund 350 Mitglieder. „Wir haben zur Zeit gut 100 Pferde“, berichtet Krauß. Viele Mitglieder haben ein eigenes Pferd, einige nutzen auch die Möglichkeiten der Reitbeteiligung. „Die meisten Turnierpferde werden nur von der Familie betreut“, so Krauß. „Es ist ähnlich wie bei einem Auto, das verleiht man ja auch ungern“. Bei den Hobbyreitern kommt eine Beteiligung öfter vor. „Hier muss die Chemie zwischen Reiter und Pferd stimmen, oft entwickeln sich Freundschaften fürs Leben. Ich selber reite seit meiner Kindheit“, blickt Krauß zurück. „Meine Eltern waren beide Reiter und haben mich von Anfang an unterstützt“. Es folgten Ponyhof und Reiterferien, danach die ersten Turniere. „Das kann man nur durchziehen, wenn man in der Familie Rückhalt hat“, beschreibt sie den hohen Aufwand für Pflege, Unterbringung, Material oder Anreise zu Turnieren.

Die hierfür notwendige Pferdebegeisterung spürt man im ganzen Verein. Alle Mitglieder tragen zum guten Gelingen des Turniers bei. Viele stehen die ganze Woche zur Verfügung, sei es im Stall, am Parcours, bei der Meldestelle oder auch bei der Bewirtung. „Wir arbeiten eigentlich ganzjährig an den Vorbereitungen für die Turniere“, sagt Krauß.

„Nach diesem Event geht es sozusagen nahtlos mit Arbeiten für das Dressur- und Springturnier im August weiter“.

Diese intensiven Vorbereitungen tragen Früchte, das Turnier ist ein Publikumsmagnet. Man trifft sich zum austauschen und fachsimpeln, Pferde und Reiter sind hautnah am Publikum und für gute Verpflegung ist ebenfalls gesorgt. Teilnehmer und Besucher sind sich hier einig: „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“.

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