Ex-Kickers-Profi Marcel Wilke:

„Habe gefühlt jede Praxis von innen gesehen“

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Marcel Wilke (rechts) im Trikot von Bayern Alzenau im Duell mit Khaibar Amani (SC Hessen Dreieich)

Offenbach - Der Traum vom Profifußball ist geplatzt. Marcel Wilke, ehemaliger Innenverteidiger der Offenbacher Kickers, spielt seit Jahresbeginn beim Hessenligisten FC Bayern Alzenau, mit dem er bald vor einem Entscheidungsspiel steht. Von Anna Bruder 

Im Abstiegsduell am Montag (15 Uhr) ist der Tabellenletzte Spvgg. 05 Oberrad zu Gast. Alzenau würde mit drei Punkten einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Auch außerhalb des Rasens hat der Ex-Profi neue Wege eingeschlagen. Er studiert Sportwissenschaften mit BWL im Nebenfach an der Goethe-Universität in Frankfurt. „Ich interessiere mich für Sportmanagement, das Studium passt gut dazu“, begründet Marcel Wilke seine Entscheidung.

Doch Fußball ist und bleibt eine Leidenschaft des 1,91 Meter großen Sachsen. Mittlerweile habe er keine körperlichen Beschwerden mehr und die Trainings- und Spieltermine seien gut mit dem Studium zu vereinbaren: „So wie andere Studenten beispielsweise in einer Bar kellnern, spiele ich Fußball - das ist mein Nebenjob“, freut er sich.

Was seine sportliche Laufbahn betrifft, kann der 26-Jährige auf einige Stationen zurückblicken. Als Innenverteidiger und Abwehrchef unterschrieb er 2013 einen Zweijahresvertrag bei den Offenbacher Kickers, die ihn vom Chemnitzer FC verpflichtet hatten. „Der Zeitpunkt war für einen Wechsel optimal“, erzählt Wilke. „Ich war froh, mal aus der Heimat rauszukommen und neue Erfahrungen zu sammeln.“

So verschlug es ihn ins Rhein-Main-Gebiet, wo er mit seiner Frau und Hund Oskar in Seligenstadt wohnt. Alternativen zum Profisport hatte Wilke stets im Kopf. „Der Verdienst eines Zweit- oder Drittligisten unterscheidet sich deutlich von einem Spieler der ersten Bundesliga, da kann man sich nicht mit Mitte 30 zur Ruhe setzen“, erklärt der Sachse, „dazu kommt das recht hohe Verletzungsrisiko, was einfach immer gegeben ist“.

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Das hat Wilke schon mehrfach am eigenen Leib erfahren. Immer wieder hatte der Rechtsfuß mit Schmerzen in der Leistenregion und Problemen der Adduktoren zu kämpfen. „Das waren funktionelle Störungen, die mich immer wieder beeinträchtigt und letzten Endes auch längerfristig ausgeschaltet haben“, fasst er zusammen.

Im Sommer vergangenen Jahres trennten sich die Wege von Wilke und den Kickers.. Der Verteidiger war arbeitslos. „Vor allem psychisch war die Situation sehr belastend. Ich musste mit der Ungewissheit klarkommen, wie es weitergeht und an meiner Genesung arbeiten.“ Der Alltag bestand nun nicht mehr aus Trainingseinheiten, sondern Arztbesuchen. Wilke hat in dieser Zeit, wie er selbst sagt, „gefühlt jede Praxis von innen gesehen“. Das habe ihm viel Geduld abverlangt, die sich jedoch ausgezahlt hat. Er kann wieder spielen, wenn auch auf niedrigerem Niveau.

Und wie sieht die Zukunft aus? „In erster Linie will ich gesund bleiben und mein Studium abschließen“, plant Wilke. Der Sport werde jedoch immer ein fester Bestandteil bleiben.

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Quelle: op-online.de

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