Türk. SC braucht neues Konzept

2013 beinahe in der Gruppenliga, jetzt zurück in der B-Liga

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Da lief es mal: Abdullah Tamc zieht ab und trifft zum 1:0 für den Türk. SC bei der SSG Gravenbruch.

Eine Saison des Grauens liegt hinter dem Türkischen Sport-Club Offenbach, die mit dem Abstieg in die Fußball-Kreisliga B endete.

Offenbach – Damit sind die Rumpenheimer wieder dorthin zurückgekehrt, wo sie vor elf Jahren herkamen, als mit der Meisterschaft in der B-Liga West in der Saison 2007/08 ein beachtlicher Höhenflug begann, der den 1987 gegründeten Türkischen Sport-Club beinahe bis in die Gruppenliga gebracht hätte. 2013 wurde die Meisterschaft in der Kreisoberliga nur um zwei Punkte verpasst und der Aufstieg über die Relegation nur durch eine Niederlage. Danach allerdings kam es zum ersten Bruch.

„Nach dem verpassten Aufstieg in die Gruppenliga damals hatten Sponsoren ihr Engagement gekürzt“, erklärt Kerim Acikel, seit 14 Jahren im Verein, der die Mannschaft in der Rückrunde als Trainer führte. Ein Jahr nach dem verpassten Aufstieg folgte der Abstieg in die A-Liga Ost, wo der Türk. SC drei Jahre lang im unteren Drittel vor sich hin dümpelte. 2017 folgte der Wechsel in die A-Liga 1, die ehemalige Westgruppe, wo der Klub vor einem Jahr noch Rang acht belegte, bevor es nun zum Absturz kam.

„Im Sommer war der Rückzug unserer Mannschaft eigentlich schon beschlossen. Es war fast kein Geld mehr verfügbar und die Sitten im Amateurfußball sind immer schlimmer geworden“, klagt Acikel: „Selbst 18-Jährige, die gerade einmal in der C-Klasse gekickt haben, wollen zuerst über Geld reden.“ Sieben Leistungsträger, darunter die Toptorjäger Erkan Bülbül und Ali Riza Efe, hatten den Verein verlassen. Erst im letzten Moment gelang es doch noch, eine Mannschaft zusammenzubekommen. Die startete dann sogar einigermaßen gut mit sieben Punkten aus den ersten sieben Spielen und nur knappen Niederlagen. Dann aber folgten bis zur Winterpause elf Spiele ohne Sieg. Die Trainingsbeteiligung wurde immer geringer, die Stimmung immer schlechter. „Wer nicht spielen durfte, war beleidigt und ist erstmal nicht mehr zum Training gekommen. Nach jedem Fehlpass haben sich die Spieler untereinander angemacht“, sagt Acikel, „diese Mentalität, dieser Stolz bei uns Türken hat uns das Genick gebrochen.“

So verlor dann auch Trainer Mustafa Karsli die Lust, erklärte zu Beginn der Winterpause seinen Rücktritt. Acikel, obwohl erst 29 Jahre alt, sprang als Trainer ein, „damit der Laden nicht ganz zugemacht werden musste.“ Trainingsbeteiligung und Stimmung wurden aber nicht besser, ab März folgten sieben weitere Spiele ohne Sieg. Insgesamt blieb der Türk. SC fast acht Monate und 18 Spiele in Folge sieglos – von Mitte September bis zum 5. Mai.

Da war schon klar, dass das Team Tabellenletzter bleiben würde. Es hatte nur das Glück, dass durch den Rückzug des HFC Bürgel vor Rundenbeginn der Letzte noch in die Relegation gehen durfte. Doch auch da gelang keine Wende mehr. Geschwächt durch den Ramadan, den muslimischen Fastenmonat, gab es im ersten Spiel bei hohen Temperaturen eine 1:2-Niederlage gegen die TuS Klein-Welzheim. Als im zweiten Spiel dann die SSG Gravenbruch in der Nachspielzeit nach drei Platzverweisen gegen den Türk. SC das 3:2 erzielte, brannten bei einigen Spielern Sicherungen durch. Sie attackierten einen Linienrichter, das Spiel wurde abgebrochen. „So etwas geht natürlich gar nicht“, sagt Acikel, „deshalb haben wir uns auch von diesen Spielern getrennt.“ Ein 2:8 zum Abschluss der Relegation bei Alemannia Klein-Auheim besiegelte schließlich den Abstieg.

Jetzt steht eine grundsätzliche Neuausrichtung bevor. „Weiter geht es auf jeden Fall. Wir müssen den Abstieg jetzt aber erst mal sacken lassen. Und dann müssen wir uns neu aufstellen“, sagt Yalcin Durcan, der zwar weiter mithelfen will, nach elf Jahren aber nicht mehr als Vorsitzender. Selbst er ist zuletzt gar nicht mehr zu den Spielen gegangen. „Wir haben jetzt eine ganz andere Spielergeneration“, sagt er: „2007 haben wir Spieler selbst die Vereinsführung übernommen und haben unsere Freunde dazugeholt. Damals gab es überhaupt keine Diskussionen, ob wir zum Training gehen oder nicht. Wir waren immer da.“

Auch Acikel, dem der Verein ebenfalls sehr am Herzen liegt, hält ein neues Konzept für notwendig. „Wir müssen wieder Teamgeist und Zusammenhalt in die Mannschaft bekommen“, betont er: „Vielleicht müssen wir anbieten, dass die Spieler das, was sie in ihrer Freizeit zu Hause machen, auch bei uns im Vereinsheim machen können: Play-Station spielen und mal zusammen etwas trinken.“

VON STEFAN MORITZ

Quelle: op-online.de

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