Sperrstunde für die Thekenelfen

Handball: Nach vier Meisterschaften löst sich Mannschaft der HSG Hanau auf

Sie freuen sich auf ihr Abschiedsspiel, wann immer es sein wird, die Thekenelfen der HSG Hanau.
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Sie freuen sich auf ihr Abschiedsspiel, wann immer es sein wird, die Thekenelfen der HSG Hanau.

Mit den Thekenelfen der HSG Hanau verabschiedet sich eine der erfolgreichsten heimischen Frauenmannschaften von der Handball-Landkarte.

Hanau – Leise, still und heimlich von der Bildfläche verschwinden, ist aber nicht der Plan der Bezirksoberliga-Handballerinnen, und so soll es noch ein Abschiedsspiel geben. Nach Corona. Irgendwann.

„Es wird auch definitiv eine Abschiedsparty geben. Wann und wie das möglich sein wird, muss man schauen. Außerdem wollen wir noch einmal gemeinsam auf dem Feld stehen, da müssen wir aber mit der HSG Hanau reden. Das ist im Moment alles nicht so einfach“, sagt Kim Plitzko, Sprecherin der Thekenelfen. Damit, dass das letzte gemeinsame Spiel jenes vom 8. März gegen die HSG Obertshausen/Heusenstamm (23:23) gewesen sein soll, können sich die Spielerinnen nicht anfreunden. „Da hatte ja niemand damit gerechnet, dass das unser letztes gemeinsames Spiel sein wird“, sagt die 33-jährige Bruchköblerin.

Bereits Anfang des Jahres 2020 hatten ein paar Spielerinnen der Mannschaft mitgeteilt, dass sie nach der laufenden Runde in der Bezirksoberliga die Handballschuhe endgültig an den Nagel hängen wollen. Die verbliebenen neun Spielerinnen haben daraufhin versucht, für die kommende Spielzeit eine Mannschaft aufzubauen und andere Spielerinnen angesprochen. Unterstützung haben die Thekenelfen dabei von Reiner Kegelmann, dem Sportlichen Leiter der HSG Hanau, erhalten. Die Bemühungen waren aber vergeblich, sodass sich die verbliebenen Elfen nach und nach mit dem Gedanken auseinandersetzen mussten, in der neuen Saison keine Mannschaft mehr zu melden.

Dass dieses Schicksal das Team irgendwann erwartet, war von Anfang an allen Beteiligten bewusst. „Als wir uns vor fünf Jahren in einem Brief an die HSG Hanau gewandt haben, war klar, dass die Zeit irgendwann auslaufen wird, immerhin hat die HSG keinen Unterbau im Mädchenhandball“, sagt Kim Plitzko. Vor der Saison 2015 hatten die Thekenelfen eine neue sportliche Heimat gesucht und fanden diese unter dem Dach der HSG Hanau. Dass auf diesen Brief aber dann eine derart „geile Zeit“ folgte, machte die finale Entscheidung umso schwerer. „Wir mussten einsehen, dass die Bemühungen um neue Spielerinnen nichts bringen“, sagt Kim Plitzko. Zwei Videochats mit den neun Spielerinnen, die weitergespielt hätten, zig WhatsApp-Nachrichten und Telefonate mit Reiner Kegelmann waren dem vorausgegangen. Letztlich zögerten die Thekenelfen die Entscheidung nicht länger hinaus und trafen sie „schweren Herzens“. Eine Auswirkung auf die neue Saison in der Bezirksoberliga wird der Rückzug nicht haben, wie Spielleiter Lutz Holzmann sagt: „Wir spielen dann im normalen 12-Raster weiter. Es wird nicht mehr Aufsteiger aus der A-Liga geben.“

Wie es nun für die Spielerinnen der HSG Hanau weitergeht, wissen die meisten noch nicht. Manche beenden ihre Karrieren, hätten nur noch für die Thekenelfen eine Saison drangehängt. Andere, wie Vanessa Pape, haben bereits eine andere sportliche Heimat gefunden. Die flinke Spielerin wechselt zum ehemaligen Ligarivalen TV Altenhaßlau und wird dort in die Rolle der Spielertrainerin schlüpfen, gemeinsam mit Ex-Juniorennationalspielerin Nadja Raksch.

Für die neun verbliebenen Thekenelfen habe sich laut Plitzko während des Entscheidungsprozesses die Frage nach einem neuen Verein gar nicht gestellt: „Wo anders spielen, stand nicht zur Diskussion.“ Nun ist es ein Thema, und ein ziemlich kompliziertes noch dazu. Die Suche nach einem neuen Verein gestaltet sich nämlich während der Corona-Pandemie schwierig. Kim Plitzko möchte die neue Mannschaft vorher kennenlernen. Da das im Moment nicht möglich ist, ist die Außenspielerin noch ratlos, wie es weitergehen soll.

Der Kontakt zu den anderen Thekenelfen soll auf keinen Fall abreißen: „Wir haben beschlossen, dass wir uns, wenn es wieder möglich ist, einmal pro Woche treffen wollen. In welcher Form ist noch offen.“ Keine der Thekenelfen will loslassen, dafür seien die vergangenen fünf Jahre einfach „zu geil gewesen.“ Die Mannschaft feierte Meisterschaften in der Bezirksliga B, A und zweimal in der Bezirksoberliga, verzichtete aber auf den Aufstieg in die Landesliga. „Egal ob es die Fahrt nach Malle war, gemeinsam weggehen oder die Meisterschaften. Es waren fünf tolle Jahre, in denen was zusammengewachsen ist“, schwelgt Kim Plitzko in Erinnerungen. Dass auch die HSG Hanau ihren Anteil an dem Erfolgsmodell hat, vergisst die Bruchköbelerin nicht: „Das ist der strukturierteste Verein, den ich je kennengelernt habe. Wir haben uns super ergänzt und voneinander profitiert.“ Ein Erfolgskonzept, das nun endet.

VON JULIA MEISS

Quelle: op-online.de

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