Hanauer und Bruchköbeler bilden eine Handball-WG

Verlierer muss die Wohnung putzen

+
Der Hanauer Kreisläufer Yannik Woiwod (Mitte, gegen die Gelnhausener Ante Simic und Björn Pape) erzielte bislang 14 Tore für die HSG und freut sich auf das Duell „gegen die Freunde“ aus Bruchköbel. -   Foto:

Hanau - Im Alltag wohnen sie unter einem Dach, auf dem Feld sind sie Gegner. Wenn morgen (20. 15 Uhr) das Drittliga-Derby zwischen der SG Bruchköbel und der HSG Hanau angepfiffen wird, steht für die Handballer Yannik Woiwod und Sebastian Dietrich einiges auf dem Spiel. Von Jörn Polzin 

SG Bruchköbel gegen HSG Hanau, 3. Handball-Liga. Auf dieses Duell, da sind sich die Mitbewohner einig, „freut sich die ganze Region“. Yannik Woiwod siedelt es vom Derby-Charakter sogar höher an als Vergleiche mit Nieder-Roden und Gelnhausen. „Das ist seit Wochen ein großes Thema“, betont der Kreisläufer der HSG Hanau. Da kann Mitbewohner Sebastian Dietrich, Rückraumspieler der SG Bruchköbel, nur zustimmen. Er spricht sogar von der „Mutter aller Derbys.“

Willkommen in der Bruchköbler WG Dietrich/Woiwod, in der Handball freilich ein Dauerthema ist. Gerade, wenn es Nachrichten aus einem der beiden Klubs gibt. Nur in diesen Tagen, kurz vor dem Derby, halte man sich bedeckt, erzählt Dietrich schmunzelnd. Dabei könnten beide aus dem Nähkästchen plaudern, haben schließlich eine Vergangenheit beim jeweiligen Gegner.

Sebastian Dietrich von der SG Bruchköbel.

Woiwod, der beim heutigen Oberligisten HSG Kleenheim mit dem Handball begann und zwischenzeitlich in der Jugend beim TV Hüttenberg spielte, lief im vergangenen Jahr noch für die SG Bruchköbel auf. Im Sommer, nach einem personellen Umbruch, wechselte „Kleu“, wie er genannt wird, zum Ligarivalen Hanau und fügt sich seitdem gut ein. „Er ist ist ein sehr abwehrstarker Kreisläufer mit einem unglaublichen Entwicklungspotenzial“, lobt HSG-Trainer Patrick Beer. Auch Woiwod fühlt sich in Hanau „superwohl“. Er sei von Anfang an herzlich aufgenommen worden. „Wie die Mannschaft miteinander umgeht, ist toll“, betont der 22-Jährige. Menschlich gesehen habe er sich die Eingewöhnung schwerer vorgestellt.

Doch wie tickt er so als Mensch, der Yannik Woiwod? Mitbewohner Dietrich muss nicht lange überlegen. „Er ist ein umgänglicher Typ. Wenn ich Zeit habe zu relaxen, kocht er meistens. Das kann auch mal länger dauern, manchmal auch nachts.“ Der Kühlschrank ist strikt aufgeteilt. Aus gutem Grund: Woiwod ist Vegetarier. „Da können wir uns auch nichts gegenseitig wegessen“, meint Dietrich, der seit 2015 für die SG Bruchköbel aufläuft. Er stammt aus der Hanauer Jugend, genau genommen aus der der TS Steinheim, die sich 2009 mit dem TV Kesselstadt zur Spielgemeinschaft HSG Hanau zusammenschloss.

„Das waren schöne Zeiten“, erzählt der 30-Jährige. Aber auch das Jahr, in dem er mit der HSG-Reserve in die Landesliga aufstieg, ist ihm in bester Erinnerung geblieben. Mit einstigen Weggefährten und Freitag-Gegnern wie Yaron Pillmann, Andreas Neumann oder Marc Strohl habe er zwar selten Kontakt. „Aber man kennt sich“, erzählt er.

Während es bei den Grimmstädtern gut läuft – die HSG belegt Platz fünf – ist die SG Bruchköbel mit nur zwei Punkten Schlusslicht. Unter der Woche trennte sich der Klub von Trainer Tomasz Jezewski. „Es ist viel zusammengekommen. Das Auftaktprogramm war schwer, dazu Verletzungen und die unnötige Niederlage gegen Coburg. Dennoch kam der Trainerwechsel etwas überraschend, wir hatten ein super Verhältnis zu ihm“, meint Dietrich: „Mit fünf, sechs Punkten mehr auf dem Konto könnten wir sehr zufrieden sein.“

Zwei sollen morgen hinzukommen. Auch wenn das Derby aus Sicht des Bruchköbelers nicht unbedingt zur rechten Zeit kommt, sieht er sein Team nicht chancenlos. „Wir haben Hanau im vergangenen Jahr auch zu Hause geschlagen, mit unseren Fans im Rücken ist eine Überraschung drin. Das wäre ein kleiner Befreiungsschlag.“

Über die Favoritenrolle ist man sich in der WG einig. Die liegt bei den Hanauern, auch wenn ihnen in Bruchköbel gleich fünf Stammkräfte fehlen werden. „Klar haben wir Personalsorgen, aber wir haben uns auch gegen Gelnhausen sehr gut verkauft und müssen das Beste aus der Situation machen“, meint Woiwod, der sich sehr „auf das Spiel gegen Freunde“ freut.

Einen besonderen Anreiz gibt es für beide. Woiwod und Dietrich haben gewettet: Gewinnt Bruchköbel, muss Woiwod zwei Wochen lang die Wohnung putzen. Setzt sich die HSG durch, ist Dietrich eine Woche dran. „Das ist nur fair“, meint der Bruchköbler. Seinem Ex-Klub traut er am Ende eine Platzierung unter den Top 5 zu. Damit könnte auch Woiwod gut leben. Unabhängig vom Ausgang des Derbys soll es bald eine Hausparty geben: „Es wäre mal wieder Zeit.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare