Comeback für Ober-Roden mit 81 Jahren

Handball-Opa wird zum Facebook-Held

„Die Gegner waren sehr nett“: Helmut Karb hielt für die TG Ober-Roden in der Bezirksliga B 60 Minuten durch. Der frühere Bundesliga-Referee pfeift seit 47 Jahren Handball-Spiele.
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„Die Gegner waren sehr nett“: Helmut Karb hielt für die TG Ober-Roden in der Bezirksliga B 60 Minuten durch. Der frühere Bundesliga-Referee pfeift seit 47 Jahren Handball-Spiele.

Ober-Roden - In den sozialen Netzwerken ist er in diesen Tagen das Gesprächsthema. Ein Foto auf Facebook, das Helmut Karb in Aktion zeigt, erfreut sich großer Beliebtheit. Von Sascha Eyßen

Hunderte „Likes“ belegen dies, auch der Deutsche Handball-Bund (DHB) hat das Bild mittlerweile „geteilt“. Was war passiert? Aufgrund großer Personalprobleme sprang der 81-Jährige, eigentlich Betreuer der Handballer der TG Ober-Roden, am Sonntag kurzerhand als Spieler ein. Bei der 11:35-Niederlage der TG in der Bezirksliga B bei der HSG Oberhessen hielt er die vollen 60 Minuten durch.

„Wir waren zu wenig Leute, da habe ich halt mitgespielt“, erklärt Karb, der sein letztes Spiel vor etwa sieben Jahren bestritten hat: „Natürlich waren mir die anderen Spieler athletisch deutlich überlegen. Es ging nur darum, dass wir antreten können und keine Strafe bekommen.“ Sein Engagement brachte Karb, der auch Dritter Vorsitzender des Gesamtvereins ist, viel Anerkennung ein. „Die Gegner waren auch sehr nett, die haben uns nach dem Spiel sogar noch ein Bier ausgegeben“, erinnert sich Karb.

Lob für den Vorstandskollegen

Karlheinz Weber, der Erste Vorsitzende der TG, spart ebenfalls nicht mit Lob für seinen Vorstandskollegen: „Das ist natürlich sehr außergewöhnlich und eine riesen Sache, wenn man da mit 81 Jahren noch einspringt. Helmut Karb ist bei den Handballern immer da, er ist Schiedsrichter und Betreuer bei der ersten Mannschaft und auch bei der Jugend.“ Aus den Worten Webers wird deutlich, dass Karbs Comeback auf den zweiten Blick gar nicht mal so eine große Überraschung war. Als Schiedsrichter ist der Senior ohnehin an Wochenenden in den Sporthallen der Region im Einsatz. Auch bei den Trainingseinheiten der TG-Handballer ist er immer dabei und absolviert einen Teil der Übungen. „Da trainier’ ich halt ein bisschen mit - als Statist“, gibt sich Karb, seit 1980 Mitglied bei der Turngemeinde, bescheiden.

Während Karb als Spieler eher in unteren Klassen aktiv war, brachte er es in seiner mittlerweile 47 Jahre dauernden Schiedsrichterlaufbahn bis in die Bundesliga. 1967 leitete er seine ersten Spiele, 1975 und 1976 pfiff Karb, damals noch für die TG Bessungen Darmstadt, in der Eliteklasse. Zu einer Zeit also, als noch lange keiner seiner Teamkollegen vom vergangenen Sonntag geboren worden war. „Das war damals schon ein ziemlicher Druck, weil in der Bundesliga natürlich auch schon zu dieser Zeit finanzielle Interessen dahinter steckten“, erinnert sich Karb eher mit gemischten Gefühlen an den Höhepunkt seiner Schiedsrichterlaufbahn. „So lange die Gesundheit mitspielt, mache ich weiter. 50 Jahre würde ich schon gerne noch voll machen.“ Wohl nie zuvor hatte die Bezeichnung „Routinier“ in einem Spielbericht eine größere Berechtigung als am vergangenen Sonntag. Der zweitälteste Akteur war gerade mal 27 Jahre alt.

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

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Die Geschichte des Handballs bei der TG Ober-Roden verlief in den vergangenen Jahren ziemlich wechselhaft. Der langjährige Bezirksoberligist, der in den 80er Jahren mehrfach in den DHB-Pokal einzog und 1985 im Pokal den mittlerweile verstorbenen Welthandballer Erhard Wunderlich (damals TSV Milbertshofen) empfing, meldete seine Herrenmannschaft mangels Personal vor zehn Jahren vom Spielbetrieb ab. Nach einer Pause fing man in der Bezirksliga D wieder an und arbeitete sich mit einer Mischung aus älteren und jüngeren Spielern wieder bis in die Bezirksliga B hoch. Mittlerweile scheint es mit der Spielerdecke wieder schlechter auszusehen. Mit dem BSC Urberach, dessen erste Mannschaft in der Bezirksoberliga spielt, bildet die TG eine Jugendspielgemeinschaft. Kommen Spieler aus der Jugend in den Aktivenbereich, werden die Urberacher von den Nachwuchskräften meist favorisiert.

Auch am kommenden Wochenende ist für Helmut Karb wieder Handball angesagt. Am Samstag pfeift er ein Spiel, Sonntag ist er als Betreuer der TG-Männer gegen die HSG Maintal III dabei - voraussichtlich als Betreuer. „Ich hoffe, wir sind nicht wieder unterbesetzt und mein Einsatz von letzter Woche bleibt eine einmalige Sache“, sagt Karb schmunzelnd.

Quelle: op-online.de

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