Hintergründe zum Karriereende des Dieburger Radprofis.

Hannes Blank steigt aus dem Sattel

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Hannes Blank bei einem Zeitfahren in Griesheim bei Darmstadt.

Dieburg ‐ Die Stadt hat eines ihrer sportlichen Aushängeschilder verloren: Radprofi Hannes Blank hat zum Ende der Saison 2009 seine Karriere beendet. Vier Jahre lang verdiente der Dieburger sein Geld als Berufsfahrer, startete zuletzt für das luxemburgische Profi-Team CCI Differdange (auch Continental Team Differange), das Blank gerne behalten hätte. Der 26-Jährige zog indes seinen Schlussstrich wegen mangelnder Perspektiven im Profi-Radsport, die aktuell besonders für deutsche Fahrer ein Problem darstellen. Blank studiert nun Regionalstudien Ost- und Mitteleuropa an der Universität Köln. Von Jens Dörr

„Mit 25 Jahren wollte ich eine Bilanz ziehen und entscheiden, ob ich weiterfahre“, sagt ein aufgeräumt wirkender Hannes Blank im Gespräch mit dem DA. „Die Frage, die ich mir stellte, lautete: Kann ich in näherer Zeit richtig Geld verdienen mit dem Radsport, oder nicht?“, so Blank. „Im letzteren Fall wollte ich ein Studium beginnen, das wusste ich bereits.“ Blank machte 2002 sein Abitur an der Alfred-Delp-Schule, bringt also die nötigen schulischen Voraussetzungen für ein Studium mit. Nur der Studiengang sei zunächst unklar gewesen. In seinem Studium wird sich Blank auf Russland mit Sprache und Kultur als Schwerpunkt spezialisieren, im Nebenfach zudem Jura studieren. Möglich ist später etwa eine Tätigkeit im Diplomatischen Dienst der Bundesrepublik.

Keine Perspektive

bei einem Profiteam

Dass Blank bereits seit Oktober in Köln lebt und paukt, statt Kilometer um Kilometer im Sattel abzuspulen, hat einen Hauptgrund: Der Dieburger hätte zwar weiter im Profigeschäft bleiben können, wohl bei seinem luxemburgischen Team CCI Differdange; der große Wurf als Fahrer eines der bekanntesten Teams wäre aber unrealistisch gewesen. „Mit Gerolsteiner gibt es in Deutschland nur noch ein großes Team“, erklärt Blank. Er belüge sich da auch nicht selbst: „Es gibt genügend andere Fahrer, die besser und talentierter sind als ich.“ Womit Blank, der in allen Mannschaften, für die er fuhr, rasch ein Führungsfahrer wurde, sein Licht zwar etwas unter den Scheffel stellt; der große Wurf schien ihm aber in allzu weite Ferne gerückt zu sein.

„Hinzu kommt, dass auch in Frankreich einige Teams zugemacht haben oder von der Pro-Tour eine Klasse zurück gegangen sind“, weiß der Dieburger. So ist es etwa vorbei mit dem Team Crédit Agricole – und genau auf ein Engagement in einer solchen Mannschaft hatte Blank ehemals gehofft. Die französischen Teams gelten in der Radsportszene als Sammelpool der Besten. Leider habe man in Frankreich aber nach wie vor Vorbehalte gegenüber deutschen Fahrern. „Die greifen lieber auf ihre eigenen Talente zurück – da dachte ich letztlich, dass ich als Deutscher wohl keine Chance mehr habe.“

Ursachen für das Tal, in dem sich der Radsport allgemein und der deutsche im Besonderen befindet, sieht Blank mehrere: Einerseits seien natürlich die Dopingvorfälle sehr negativ gewesen, wobei Blank („Ich gehe davon aus, dass Leute die Tour de France auch mit legalen Mitteln fahren können“) stets zu den Relativierern gehörte. Mit dem Hinweis auf andere betroffene, aber nicht derart stigmatisierte Sportarten, wolle sich Blank mit einem Generalverdacht für alle Radfahrer nicht abfinden. Andererseits fehle in Deutschland aktuell eine Lichtgestalt wie Jan Ullrich. „Ich glaube aber nicht, dass das alles Einfluss auf den Amateur-Radsport, oder den Breitensport hat“, sagt Blank.

Am 7. Oktober 2009 fuhr er zum letzten Mal über die Ziellinie, damals bei einem Rennen von Paris nach Bourges. Das sei aber gar nicht besonders emotional für ihn gewesen, sagt Blank, der auch betont, dass in ihm keine Reue sei nach vier Jahren Radprofi: „Mir ist nie bewusst geworden, ob ich gerade arbeite oder nicht. Die Tage, an denen ich nicht gerne in den Sattel gestiegen bin, kann ich an zwei Händen abzählen.“

Abgesehen von einem Schlüsselbein-Bruch hatte der 26-Jährige zudem das Glück, von schlimmen Verletzungen verschont worden zu sein. Als schönste Erlebnisse zählt Blank die weiten Reisen auf, etwa nach Südkorea, Malaysia und Gabun. Besonders das afrikanische Land hat bei dem Dieburger Eindruck hinterlassen: „Das ist so weit weg von unserer Welt, unbeschreiblich, wie die Leute dort gelebt haben.“ Außerdem hat Estland es Blank angetan – mit einem Sieg bei einem dortigen Eintagesrennen feierte er seinen vielleicht größten Erfolg im Profigeschäft, kam dort zudem auf den Geschmack der osteuropäischen Kultur, die ihm nun auch im Studium begegnen wird. Weitere Erfolge Blanks waren der Sieg bei der Bayern-Rundfahrt sowie ein Etappensieg beim „Circuito Montanes“. Bei der Hessenrundfahrt der Radelite sprang für Blank auf der Schlussetappe ein dritter Platz heraus.

Studium wirkt sich auf das Training aus

Blank verbuchte in seiner Karriere, in der er seit seinem 16. Lebensjahr für den RSC Reinheim, Mapei/Heizomat Bayern, Lamonta und CCI Differdange fuhr, zahlreiche weitere Top-Platzierungen in Einzelrennen und Rundfahrten. Schon 2004 fuhr der Dieburger beim früheren Klassiker „Rund um den Henninger-Turm“ in der U23-Klasse mit.

Das mit dem täglichen Trainieren hat sich für Hannes Blank inzwischen drastisch geändert: „Seit meinem letzten Rennen bin ich nur noch zweimal aufs Rennrad gestiegen“, sagt der Dieburger.

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