Viel Aufwand für ein Fußballspiel

Hessischer Fußball-Verband veröffentlicht Hygienekonzept: Daten der Zuschauer müssen erfasst werden

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„Hier bitte eintragen“. Tobias Heilmann (links), Trainer des Hessenliga-Aufsteigers 1. FC Erlensee, muss vor dem Training alle Spieler eintragen. Demnächst gilt das auch für die Zuschauer von Fußballspielen.

Um auch in Zeiten von Corona wieder Zuschauer bei Fußballspielen erlauben zu können, müssen sich Vereine in Hessen an ein aufwendiges Hygienekonzept halten.

Offenbach-Hanau – Die Auswirkungen der Corona-Pandemie halten Fußballfunktionäre – in erster Linie ehrenamtliche Helfer – gehörig auf Trab. Mit dem Hintergrund, dass ab dem 1. August in Hessen wieder Fußballspiele ausgetragen werden dürfen, hat der Hessische Fußball-Verband am Dienstag (28.07.2020) ein siebenseitiges Hygienekonzept veröffentlicht.

Das Hygienekonzept basiert auf der DFB-Vorlage „Zurück ins Spiel“ und steht für die Vereine auf der Verbandshomepage (hfv-online.de) zum Download und zur Anwendung zur Verfügung. Die Umsetzung der detailliert aufgeführten Präventivmaßnahmen des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) obliegt den Vereinen und ist Voraussetzung, dass der Ball überhaupt wieder rollen darf. Vereine, die dieses Konzept nicht nutzen wollen oder können, dürfen ihr individuelles, behördlich genehmigtes Hygienekonzept erstellen.

„Wir sind froh, dass wieder Fußball gespielt werden darf und sehen unser Konzept als Serviceangebot an die Vereine an“, erklärt Frank Illing, der als Vorsitzender des Ausschusses Qualifizierung und Vereinsentwicklung maßgeblich an dem Leitfaden mitgearbeitet hat.

Das HFV-Hygienekonzept ist unterteilt in die Themen allgemeine Hygieneregeln, Vorgehen bei Covid-19-Verdachtsfällen, Organisatorisches, Zonierung, Trainings- und Spielbetrieb. Version B enthält zusätzlich Hinweise für Vertragsspieler und bezahlte Trainer.

Parallel dazu bietet der HFV zurzeit täglich das Online-Seminar „Sichere Rückkehr in den Spielbetrieb“ an. Dabei werden auch Fragen zum Hygienekonzept behandelt und beantwortet.

„Die Erfassung aller Teilnehmer, einschließlich der Zuschauer bei Fußballspielen wird mit die höchste Hürde sein“, meint Illing. Die derzeit festgelegte Zahl von 250 bezieht sich nicht nur auf Zuschauer, sondern umfasst auch Spieler, Schiedsrichter und Betreuer beziehungsweise Vereinsoffizielle. Die Namen dieser Protagonisten liegen den Vereinen vor und werden durch den Online-Spielbericht erfasst.

Komplizierter ist die Sachlage bei den Zuschauern. Von allen Besuchern müssen Name, Anschrift und Telefonnummer erfragt werden, um Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Auf dem Spielfeld (Zone 1) gelten nur während des Spiels die allgemeinen Abstandsregeln nicht. Gemeinsames Einlaufen und Begrüßungsrituale sollten unterbleiben und auch in Zone 2, dem Bereich der Kabinen und Duschen, ist umsichtiges und coronakonformes Handeln der sich dort aufhaltenden Personen gefragt. Auch hier gelten Hygienevorschriften und Abstandsgebote. Sind diese nicht einzuhalten, soll ein Mund-Nasenschutz getragen werden.

„Wir empfehlen den Vereinen, sich in Ruhe mit dem Konzept auseinanderzusetzen und sich Stück für Stück heranzutasten. Vielleicht ist es ratsam, die ersten Schritte, heißt Testspiele, zunächst ohne Zuschauer durchzuführen“, schlägt Illing vor.

Die Empfehlung, jeden Spieler mit einer eigenen Ausrüstung für Spiel und Training auszustatten, dürfte für viele kleine Amateurvereine ein finanziell kaum zu stemmender Kostenfaktor sein. Gerade jetzt, wo durch Corona viele Einnahmen weggebrochen sind.

„Ich habe schon vor Wochen gesagt, dass das Umsetzen eines Hygienekonzepts der Schlüssel sein wird, dass wir wieder Fußball spielen können“, meint der Hanauer Kreisfußballwart Dirk Vereeken. Der Hammersbacher legt den Vereinen die Teilnahme an den vom Verband kostenlos angebotenen Webinaren ans Herz. Inwieweit sich alle Punkte des Konzepts praktikabel lösen lassen, käme auch auf die örtlichen Gegebenheiten an, sagt der Kreisfußballwart und präzisiert: „Habe ich eine Sportanlage mit Tribüne wie in Hanau, Langenselbold oder Großkrotzenburg, kann ich markieren, welche Plätze eingenommen werden können. Bei weitläufigen Sportanlagen mit großen Stehflächen ist es sicherlich nicht möglich, überall Punkte anzubringen, wo sich jemand hinstellen darf.“

Die momentan maximale Teilnehmerzahl von 250 Personen bei Fußballspielen in Hessen sieht Vereeken nicht als großes Problem an, da diese Zahl in den Amateurklassen in der Regel sowieso unterschritten wird. „Ich glaube sogar, dass wir viel weniger Zuschauer auf den Plätzen haben werden, da viele Ältere aus Angst vor Corona nicht mehr kommen werden.“ (Frank Schneider)

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