Ära Hauptmann endet am 6. Mai

Handball-Drittligist HSG Rodgau sucht neuen Trainer

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„Wenn du mit Spielern so lange zusammenarbeitest, muss du oft recht haben, sonst glaubt dir keiner mehr“: Zu den größten Qualitäten von Alexander Hauptmann (links) gehören die Begeisterungsfähigkeit, die unglaubliche Offenheit und bemerkenswert authentische Ansprachen. Christian Schmid (vorne) wird am Saisonende achteinhalb Jahre mit Hauptmann erlebt haben.

Nieder-Roden - Das Ende einer Ära wird schnell und allzu oft inflationär bemüht. In diesem Fall ist es aber tatsächlich eine Ära, die ihr Ende findet - spektakulär, aber dennoch ohne lautes Getöse. Alexander Hauptmann wird nach dem Saisonfinale am 6. Mai nach dann neun Jahren sein Traineramt beim Handball-Drittligisten HSG Rodgau Nieder-Roden niederlegen. Von Patrick Leonhardt und Jörg Moll 

In den vergangenen Jahren war es ein schöner Brauch geworden: Bis Anfang Februar verkündete die HSG Rodgau Nieder-Roden die Vertragsverlängerung mit ihrem Erfolgstrainer Alexander Hauptmann. Während mit Leistungsträgern wie Timo Kaiser (mit 128 Treffern fünftbester Schütze der Liga), der in dieser Woche seine Zusage gab, Kreisläufer Christian Schmid oder Rückraumspieler Jonas Müller Einigung über ein weiteres Engagement erzielt wurde, blieb es in der Personalie Hauptmann erstaunlich ruhig. Die Stille erweist sich nun tatsächlich als Vorbote der spektakulärsten Personalie im Klub. „Es stimmt, wir sind auf der Suche nach einem Nachfolger“, bestätigt HSG-Sprecher René Marzo: „Das trifft uns sehr. Wir können Alex gar nicht genug huldigen für das, was er für diesen Verein geleistet hat.“

Hauptmann bestätigte seinen Abschied im Gespräch mit unserer Zeitung. Dem Kirchzeller, der 2008 zu den Rodgauern kam und mit dem Klub zweimal in die 3. Liga aufstieg, fällt der Abschied, dem aller Voraussicht nach eine Auszeit vom Handball folgt, alles andere als leicht. „Die HSG ist mir ans Herz gewachsen“, sagt der Angestellte eines Sportartikelherstellers. Doch anders als in den vergangenen Jahren verspürte Hauptmann in diesem Winter Zweifel, ob er die zehn Jahre als Trainer in Nieder-Roden wirklich voll machen sollte.

Neben der beruflichen Belastung, die der zweifache Familienvater ohnehin kaum mit seinem Amt als Trainer des Drittligisten vereinbaren kann, beschäftigten ihn auch Abnutzungserscheinungen. „Eine Reihe von Spielern haben die ganzen Jahre immer nur mich als Trainer gehabt, vielleicht ist es an der Zeit, dass sie mal einen anderen kennenlernen“, sagt der 45-Jährige, zu dessen besonderen Qualitäten die unglaubliche Offenheit und bemerkenswert authentische Ansprachen zählen.

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Hauptmann führte die HSG nach zwei Jahren Oberliga 2010 erstmals in die 3. Liga. Der Abstieg als Tabellenelfter nach einem Jahr war besonders bitter - und der Reduzierung der 2. Liga von zwei auf eine Klasse und dem damit einhergehenden verstärkten Abstieg in der 3. Liga geschuldet. Nach einem Jahr Oberliga kehrten die Rodgauer 2012 in die Drittklassigkeit zurück - und beendeten die Saison auf einem sensationellen siebten Platz in der Süd-Staffel. Es folgte der Wechsel in die Ost-Gruppe - und drei sechste Plätze hintereinander. Für das kleine Rodgau ein Riesenerfolg. Zudem qualifizierte sich die HSG zweimal hintereinander für die erste Runde im DHB-Pokal.

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Der Odenwälder ließ allerdings ein Hintertürchen offen. Sollte die HSG keinen geeigneten Nachfolger finden, würde er noch ein Jahr dranhängen. Namen möglicher Nachfolger wollen die Rodgauer nicht kommentieren. „Die Suche ist schwierig genug“, gesteht Marzo. Der HSG-Verantwortliche räumt zudem ein, dass der Klub auch einen Sportlichen Leiter verpflichten will. Hauptmann hatte dieses Amt zuletzt mit übernommen. „Wir wollen in maximaler Ruhe die optimalen Kandidaten für uns gewinnen“, betont Marzo. Der neue Coach wird auf ein eingespieltes Team treffen. Lediglich die Personalie Tim Henkel ist noch offen. Marzo hofft derweil, Hauptmann im Amt des Sportlichen Leiters zu sehen. Doch der bevorzugt eine Auszeit, schließt aber nicht aus, in neuer Funktion zurückzukehren. „Erstmal freue ich mich, mit meiner Frau mal in Ruhe in einen Biergarten zu gehen“, sagt er.

Quelle: op-online.de

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