Neuer Trainer der HSG Rodgau Nieder-Roden im Interview

Jan Redmann: „Wir sind alle verrückte Handballer“

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Florian Stenger (rechts, im DHB-Pokalspiel gegen die DJK Rimpar) empfängt mit der HSG Rodgau Nieder-Roden zum Auftakt der Saison in der 3. Handball-Liga Ost den SC Madgeburg II. „Dieser Gegner ist eine Wundertüte“, meint Trainer Jan Redmann.

Rodgau - Neun Jahre lange hatte beim ersten Punkspiel der Saison Alexander Hauptmann auf der Bank der HSG Rodgau Nieder-Roden gesessen. Im Heimspiel am Samstag (19:30 Uhr) gegen den SC Magdeburg II wird dort nun zum Start der neuen Spielzeit der 3. Handball-Liga Ost erstmals Jan Redmann Platz nehmen. Im Interview mit Sportredakteur Christian Düncher spricht der 37-jährige gebürtige Rostocker über seine Anfangszeit bei den „Baggerseepiraten“, die Ziele und Möglichkeiten sowie die Entwicklung im deutschen Handball.

Herr Redmann, im April wurde Ihre Verpflichtung verkündet. Nun steht Ihr erstes Punktspiel als HSG-Trainer an. Wie fällt Ihr Zwischenfazit vor dem Saisonstart aus?

Man hat alles unternommen, um es mir so leicht wie möglich zu machen. Ich bin zudem auf eine motivierte, engagierte Mannschaft getroffen, die sehr fleißig trainiert. Man muss ja bedenken, dass wir keine Profis sind, sondern alle verrückte Handballer, die das nebenbei machen.

Wie lief die Vorbereitung?

Es ging natürlich auch erstmal darum, sich kennenzulernen. Das Team kannte sich, aber mich nicht. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Aber es geht in die richtige Richtung.

Ihr Vorgänger Alex Hauptmann hat neun Jahre lang erfolgreich bei der HSG gearbeitet. Wie geht man da als Nachfolger vor? Viel übernehmen oder sofort für eine eigene Handschrift sorgen?

Ein gesunder Mix ist am besten. Man muss eine eigene Identität haben. Aber warum sollte man nicht bewahren, was funktioniert hat? Ich will keine Kopie von Alex Hauptmann sein, aber unsere Vorstellungen liegen glücklicherweise nicht weit auseinander.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Alex Hauptmann? Es hieß, er kehre irgendwann als Sportlicher Leiter zurück.

Alex hält sich erstmal komplett raus, hat mir aber dankenswerterweise seine Unterstützung angeboten. Wir haben auch schon ein paarmal telefoniert und er hat uns im Trainingslager besucht. Das war sehr schön. Wir haben uns alle gefreut und er wird auch stets willkommen sein.

Jan Redmann, neuer Trainer der HSG Rodgau Nieder-Roden.

Was ist mit dem Rodgauer Umfeld und der Infrastruktur Ihrer Meinung nach möglich?

Man ist in diesen Bereichen Stück für Stück am Wachsen, so wie man es von der HSG kennt: ruhig und durchdacht. Der Verein hat in die Erweiterung der Hallenkapazität und die Vergrößerung des Foyers eine gewaltige Summe investiert. Es liegt nun an uns als Mannschaft, für die nötige Attraktivität zu sorgen.

Dennoch: Die 3. Liga scheint das höchste der Gefühle zu sein. Wie motiviert man die Spieler da dauerhaft?

Ich denke, jeder Spieler und Trainer will sich jedes Jahr steigern. Vergangene Saison hatten wie punktemäßig die beste Ausbeute seit dem Aufstieg in die 3. Liga. Das zeigt, dass die Motivation da ist. Eventuell können wir ja diese Saison auch einen Platz besser abschneiden als zuletzt. Wir werden bis Weihnachten versuchen, möglichst viele Punkte zu sammeln. Dann sehen wir weiter.

Wie bewerten Sie den Kader? Hätten Sie gerne noch den einen oder anderen Zugang?

Ich bin sehr, sehr glücklich mit dem 15-Mann-Kader und wünsche mir daher keinen weiteren Spieler. Vor allem die Jungen haben sich in der Vorbereitung sehr stark reingehängt. Und es können ohnehin immer nur 14 spielen. Ich denke daher nicht über externe Verstärkungen nach.

Auf welchem Level sehen Sie Ihr Team vor dem ersten Spieltag?

Ich glaube, wir sind gut vorbereitet. Und wir spielen zu Hause. Da wollen wir ohnehin jeden schlagen. Wir bekommen es allerdings mit einen recht unbekannten Gegner zu tun. Beim SC Magdeburg II gab es einige Abgänge und einen neuen Trainer. Die haben zudem noch einen spanischen U21-Weltmeister geholt. Das ist eine Wundertüte. Da müssen wir alles in die Waagschale werfen.

Niederlage für Rodgau Nieder-Roden gegen Großwallstadt: Bilder

Wie stufen Sie allgemein die Stärke der Liga ein?

Das ist eine sehr, sehr ausgeglichene Liga. Außer Großwallstadt gibt es keine Favoriten – und keine Abstiegskandidaten. Zwischen Platz zwei und neun ist alles möglich.

Sie haben schon einige Stationen hinter sich. Ist es für Sie vorstellbar, wie Alex Hauptmann neun Jahre bei einem Klub zu arbeiten?

Durchaus. Ich bin eigentlich niemand, der oft den Verein wechselt. Bei meinem ersten Klub war ich 15 Jahre als Spieler und Trainer. Auch in Kahl habe ich sechs Jahre gearbeitet. Und das Aus in Großwallstadt war der dortigen Insolvenz geschuldet. Rimpar war nun der erste Verein, den ich frühzeitig verlassen habe. Ich finde es herausragend, was Alex hier geleistet hat. Mein Ziel ist es, hier ebenfalls kontinuierlich zu arbeiten.

Letzte Frage: Wie bewerten Sie als jemand, der viel im Nachwuchsbereich gearbeitet hat, die Entwicklung im deutschen Handball? Gibt es weiterhin genug Talente?

Die entscheidende Frage ist, wie viele Bundesligisten letztlich einen 19-jährigen Deutschen einsetzen. Wir haben viele Talente, aber die müssten einfach mehr gefördert werden. Die jungen Spieler kommen häufig erst zum Einsatz, wenn sich ein Konkurrent verletzt. Daher würde ich mir wünschen, dass man in der stärksten Liga der Welt, die die Bundesliga zumindest in der Breite ist, öfter mal auf fertig ausgebildete Spieler verzichtet und dem Nachwuchs stattdessen eine Chance gibt.

Quelle: op-online.de

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