Amateur-Fußball

Johnny Connor zeigt klare Kante gegen Rassismus

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Johnny Conner, seit 2016 Trainer des FSV Groß-Zimmern, erlebte als Spieler rassistische Schmähungen.

Als Spieler hat Johnny Conner rassistische Schmähungen selbst erlebt. Der 49-Jährige machte die Erfahrung, dass derlei Entgleisungen eher auf dem Dorf vorkamen. Als Trainer des Dieburger A-Ligisten FSV Groß-Zimmern hat er klare Vorstellungen über den Umgang im Fall der Fälle.

Groß-Zimmern – Er ist ein Ur-Groß-Zimmerner, spricht das örtliche „Platt“, lebt Vereinstreue als Spieler und seit 2016 auch als Trainer vor. Johnny Conner ist ein Typ, der ankommt. Weil er authentisch wirkt - und das Herz auch mal auf der Zunge trägt. Aktuell in der Corona-Krise etwa, wenn er im Garten sitzt und sich über die vielen Leute auf der Straße oder die Schlangen an der Eisdiele wundert. „Wir sind eine Ich-Gesellschaft geworden“, schüttelt er den Kopf: „Vielleicht brauchen wir ja die Ausgangssperre mal.“

Klare Ansagen macht Conner, Sohn eines mittlerweile verstorbenen US-Soldaten und einer Deutschen, auch beim Thema Rassismus auf dem Sportplatz: „Wenn einer meiner Spieler derart ausfällig wird, wechsele ich ihn sofort aus und sperre ihn vereinsintern mindestens vier Wochen - damit er mal überlegen kann, was er da fabriziert hat.“ Doch das Thema Rassismus ist in seiner Mannschaft aktuell keines, auch auf den Sportplätzen der Region hat er diese Thematik aktuell nicht in Erinnerung. Ganz im Gegensatz zur Gewalt gegen Schiedsrichter. Über die Vorfälle bei der FSV Münster, als ein Schiedsrichter von einem Spieler k.o. geschlagen wurde, schüttelt er noch heute entsetzt den Kopf. „Das geht gar nicht, das war auch großes Thema in meiner Mannschaft.“

Groß-Zimmern: Conner findet klare Worte zu Salut-Jubel

Conner ist ein Freund klarer und offener Kommunikation. „Damit kann man viele Probleme im Vorfeld lösen“, ist er überzeugt. Als etwa türkische Fußballer den Salut-Jubel nach Toren zeigten, bat er seine Mannschaft zum Gespräch. „Wir haben selbst verschiedene Nationalitäten im Kader, auch Kurden. Beim Mannschaftsabend haben wir uns klargemacht, warum wir das nicht machen.“ Zum einen habe Politik nichts auf dem Platz zu suchen, zum anderen hatten seine Spieler selbst angeführt, dass sie nicht Konflikte zwischen Türken oder Kurden schüren wollten. Die Folge: „Die Mannschaft hat sich vorbildlich verhalten.“

Als Spieler („Ich war kein Kind von Traurigkeit“) hat er selbst mal die Erfahrung machen müssen, wie es ist, wegen der Hautfarbe rassistisch beleidigt zu werden. „Wir haben mit Groß-Zimmern bei einem Klub im Odenwald gespielt, als ich unter anderem als Neger beschimpft wurde“, sagt er. Passiert sei damals nichts. „Da wurde aber manches auch noch direkt geregelt. Da sind dann schon mal drei, vier Mitspieler auf den Täter zugegangen und haben das selbst geklärt.“ Derlei Beschimpfungen gäbe es häufiger im ländlichen Raum, hat er festgestellt: „In der Stadt sind Fußballer verschiedener Nationalität und Hautfarbe ja mittlerweile total normal.“

Groß-Zimmern: Überhaupt kein Verständnis für Rassismus

Die aktuellen rassistischen Entgleisungen im Profifußball hat er aufmerksam verfolgt. Wobei Conner keinen großen Unterschied zwischen Schmähungen gegen Jordan Torunarigha (Hertha BSC), Antonio Rüdiger (Chelsea) oder auch den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp macht. „Klar ist, dass du die Aggressionen, Ängste und Sorgen, die du im Laufe einer Woche angesammelt hast, im Stadion ablassen willst. Aber rassistische Schmähungen oder derbe Beleidigungen - dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.“

Conner plädiert daher auch für härtere Strafen. Den Drei-Stufen-Plan des DFB sieht er kritisch. „Eigentlich muss sofort gehandelt werden. Bei den Schmähungen gegen Torunarigha beispielsweise hätte ich erwartet: Stopp! Wir gehen in die Kabine. Warum da mit zweierlei Maß gemessen wurde, als es kurze Zeit später die Beleidigungen der Bayern-Fans gegen Dietmar Hopp gab, verstehe ich nicht.“

VON JÖRG MOLL

Quelle: op-online.de

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