Fußball

100 Kilo Übergewicht nach der Pause

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Ein Gesicht der Hanauer Krise: Khaibar Amani, mit 14 Treffern bester Schütze der 93er, fand sich beim 0:3 in Ober-Roden zunächst auf der Ersatzbank wieder.

Lange sah es so aus, als würde der FC Hanau 93 schnurstracks zum Aufstieg in die Hessenliga marschieren.

Hanau – Lange sah es so aus, als würde der FC Hanau 93 schnurstracks zum Aufstieg in die Hessenliga marschieren. Mit neun Punkten Vorsprung ist der älteste Fußballverein Hessens als souveräner Spitzenreiter der Verbandsliga Süd in die Winterpause gegangen.

Nach drei klaren Auswärtsniederlagen und dem Abzug eines Punktes wegen Unterschreitung des Schiedsrichtersolls ist dieser Vorsprung schon nach wenigen Wochen futsch.

Während dem Team der beiden Trainer Slavisa Dacic und Christoph Prümm die Souveränität der ersten Saisonhälfte abhandengekommen ist, schwimmt Rot-Weiß Walldorf auf einer Erfolgswelle. Der Aufsteiger gewann alle Partien 2019 und hat als Tabellenführer und Gewinner des direkten Vergleichs die Meisterschaft in den eigenen Händen.

Rätselhaft ist vor allem die plötzliche Auswärtsschwäche der 93er. Sowohl bei TS und zuletzt Germania Ober-Roden als auch im Hit bei Rot-Weiß Walldorf schlichen die Hanauer als Verlierer vom Feld, kassierten zwölf Gegentore. „Es ist schwierig zu erklären, woran es liegt“, sagt der Sportliche Leiter Giovanni Fallacara. Es gebe nicht den einen Grund, sondern vielmehr seien es mehrere kleine Mosaiksteinchen, die sich derzeit zu einem unschönen Bild zusammengefügt hätten. Die Vorbereitung, so Fallacara, stand unter keinem guten Stern. Der Grund: Etliche Spieler hatten in der recht langen Pause wohl zu sehr die Beine hochgelegt und standen mit Übergewicht am ersten Trainingstag auf der Matte. „Zusammengerechnet hatte der Kader bestimmt 100 Kilo zu viel“, erzählt der Sportliche Leiter. Angesichts der ambitionierten Ziele des Verbandsligisten und des mit vielen erfahrenen Spielern gespickten Kaders sind solche Fitnessdefizite eigentlich ein „No-Go“.

„Was mich besonders irritiert ist die Tatsache, dass uns scheinbar der Wille abhandengekommen ist, Rückstände zu drehen. Das war in der Vergangenheit anders, da haben wir auch mal zwei und drei Tore in Spielen wettgemacht“, so Fallacara.

Die jüngste Niederlage bei Germania Ober-Roden habe zudem emotional unter keinem guten Stern gestanden. Am Freitag vor dem Spiel musste Fallacara dem Team die traurige Nachricht überbringen, dass der langjährige Mannschaftsbetreuer der ersten Mannschaft, Oliver Woitas, im Alter von nur 44 Jahren seinem Krebsleiden erlegen war. Insgesamt 16 Jahre fungierte Woitas als Betreuer und galt an der Kastanienallee als „Mädchen für Alles“. Auch wenn der Tod von Woitas aufgrund der schweren Erkrankung nicht plötzlich und unerwartet kam, so standen laut Fallacara einige Spieler gedanklich neben sich.

„Die Meisterschaft hat für uns seit Freitag noch einen tieferen Sinn bekommen. Wir wollen sie für Oli gewinnen. Es war sein großer Wunsch, den Hessenliga-Aufstieg seines geliebten Vereins mitzuerleben“, wählt Fallacara emotionale Worte. Am Wochenende wird Woitas in seiner Heimat in Bautzen beigesetzt - und auch in Hanau soll vor dem Heimspiel gegen die SG Bornheim/Grün-Weiß an den langjährigen Teambetreuer gedacht werden. „Wir werden unter anderem in schwarzen Trikots spielen, über jeder Rückennummer steht der Name Woitas“, verrät der Sportliche Leiter.

Fallacara ist sich sicher, dass sein Team am Sonntag gegen Bornheim eine Reaktion zeigen wird. „Der Aufstieg in die Hessenliga bleibt weiter unser Ziel. Wir lassen jetzt die Köpfe nicht hängen, das kann sich jeder abschminken“, gibt sich Fallacara kämpferisch.

(fs)

Quelle: op-online.de

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