Lage wird sich noch verschärfen / Schwund auch bei Mannschaften

Schon vor der Pandemie zu wenig Handball-Schiedsrichter

Matthias Paul
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Matthias Paul

Als Sportart, in der die Lage der Schiedsrichter schon vor der Coronavirus-Pandemie alles andere als rosig war, ist der Handball besonders hart getroffen. Seit mittlerweile einem kompletten Jahr konnten Handball-Schiedsrichter auf Bezirksebene kein Pflichtspiel mehr leiten, weil in diesem Zeitraum keinerlei Spiele stattfanden. Die Saison 2019/20 wurde im März abgebrochen und gerade, als die neue Saison im Oktober beginnen sollte, ging es in den zweiten Lockdown, der bis heute andauert.

Offenbach - „Die Schiedsrichter sitzen zu Hause und warten, dass die Pandemie zu Ende geht. Ich kann noch keine konkreten Zahlen nennen, aber es wird sicherlich den einen oder anderen Schiedsrichter geben, der nach einem Jahr Pause oder noch länger - wann wieder Handball gespielt wird, ist ja noch nicht absehbar - nicht mehr weiterpfeifen will“, sagt der Heusenstammer Matthias Paul, stellvertretender Bezirksschiedsrichterwart.

Schon vor der Pandemie konnte nicht mehr jedes Handballspiel mit einem neutralen Schiedsrichter besetzt werden, weil es nicht genügend ehrenamtliche Regelhüter gab. „Bei uns wurden die E-Jugendspiele nicht mehr besetzt, im Bezirk Odenwald/Spessart auch schon die D-Jugendspiele. Es ist zu befürchten, dass sich diese Lage verschärft“, sagt Paul.

Allerdings werde der Schwund an Schiedsrichtern durch einen Schwund an Mannschaften zumindest abgemildert. „In der weiblichen A-Jugend haben wir im Bezirk nur mit großer Mühe eine Staffel mit sieben Teams zusammenbekommen. Und auch die durften ja die ganze Zeit nicht spielen und nur phasenweise eingeschränkt trainieren. Da sind ja auch schwerwiegende Folgen des Lockdowns zu erwarten“, sagt Paul.

Immerhin aber ist es dem Handball-Bezirk Offenbach-Hanau noch gelungen, seinen Schiedsrichter-Neulingslehrgang 2020 durchzuziehen, wenn auch mit starken Einschränkungen. „Es gab Videoschulungen und teilweise auch Präsenztreffen mit Einhaltung von Hygienekonzepten“, berichtet Paul: „Die Praxisübungen haben aber nicht stattgefunden und auch die eigentlich vorgeschriebenen Pflichtspieleinsätze vor den Prüfungen waren nicht möglich. Da musste der Verband Kulanzregeln verkünden. Aber so haben wir zumindest einen Teil der Schiedsrichter-Neulinge gerettet.“

Und nur bei negativen Entwicklungen wollte es Paul dann auch nicht belassen. „Vereinzelt gibt es auch Schiedsrichter, die mit den Hufen scharren und es gar nicht abwarten können, dass sie endlich wieder Spiele leiten können“, sagt er: „Es wird auch nach dieser Pandemie immer noch Schiedsrichter geben.“  mos

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