Sportfreunde-Trainer erlebt in Seligenstadt zum zweiten Mal einen freiwilligen Rückzug

Lars Schmidt: „Hätte uns die Hessenliga zugetraut“

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Sportfreunde-Trainer Lars Schmidt hätte seiner Mannschaft trotz geringeren Budgets den Verbleib in der Hessenliga zugetraut.

Seligenstadt - Nach vier Jahren steht für die Sportfreunde Seligenstadt am Samstag das vorerst letzte Spiel in der Fußball-Hessenliga an. Der Klub zieht sich nach Saisonende freiwillig in die Gruppenliga zurück. Von Daniel Schmitt 

Für Trainer Lars Schmidt ist diese Situation nicht neu, schon 2014 erwischte es ihn bei der TGM SV Jügesheim. Im Interview spricht der 51-Jährige über sein doppeltes Dilemma, das Für und Wider des Rückzugs sowie darüber, dass er sich die Liga auch mit geringerem Budget zugetraut hätte.

Herr Schmidt, nun herrscht Klarheit. Die Sportfreunde ziehen zurück. Wie stehen Sie zu dieser Entscheidung?

Man muss die Entscheidung des Vereins akzeptieren, trotzdem ist man als Sportler darüber natürlich nicht erfreut. Vor allem ärgert es mich, dass wir einen Teil der Jungs schon so weit hatten, auch für weniger Geld in Seligenstadt die Hessenliga in Angriff zu nehmen. Teilweise haben diese Spieler auch anderen Vereinen abgesagt, das ist natürlich keine besonders tolle Situation.

Das klingt danach, dass der Ärger über die Entscheidung überwiegt?

Noch einmal, man muss die Sicht des Vereins verstehen. Finanziell ist es in der Hessenliga nicht einfach. Es geht aber auch um sportliche Ziele. Die Sportfreunde haben in den vergangenen Jahren viel dafür getan, in die Hessenliga zu gelangen und dort eine gute Rolle spielen zu können. Wir als sportliche Führung hatten nun einen Weg aufgezeigt, wie die Hessenliga auch mit einem geringeren Budget zu schaffen gewesen wäre.

Wie hätte dieser Weg Ihrer Meinung nach aussehen können?

Der Verein hatte uns vor geraumer Zeit einen bestimmten Etat vorgegeben, den wir auch einhalten hätten können. Seligenstadt wäre vor allem für junge Spieler eine Option gewesen, die sportlich Ziele haben und auf einem möglichst hohen Niveau spielen wollen .

Sie hätten sich den Klassenerhalt also auch mit einem verjüngten Team zugetraut?

Ob es geklappt hätte, ist natürlich hypothetisch. Es wäre sicher eine enge Geschichte geworden, aber wir hätten es uns auf jeden Fall zugetraut, in der Liga nicht sang- und klanglos unterzugehen.

Wenn Sie die Vorgaben des Vereins also erfüllt haben - wie erklären Sie sich dann den Rückzieher?

Diese Frage kann ich als Trainer nicht abschließend beantworten. Nur so viel, es gab sicher auch Fürsprecher im Verein. Ich hatte einen Großteil vom Verbleib in der Hessenliga überzeugt, aber leider ist mir das nicht bei allen Personen gelungen.

Für Sie ist es bereits das zweite Mal, dass eine Ihrer Mannschaften freiwillig zurückzieht. 2014 waren Sie mit der TGM SV Jügesheim sogar Meister.

Ja, das stimmt, aber die Situationen sind überhaupt nicht miteinander vergleichbar. Damals ging es in den Diskussionen um den Aufstieg in die Regionalliga. Die Leute in Jügesheim haben dann erwogen, es lieber sein zu lassen und damit Großsponsor Hans Sahm ein wenig verärgert, der sich dann ganz aus dem Verein herausgezogen hat. Ursprünglich ging es in Jügesheim aber nicht darum, die Hessenliga finanziell nicht stemmen zu können. Das war diesmal anders.

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Trotzdem sind die Sportfreunde ja nicht der erste Verein, der freiwillig aus Hessens höchster Amateurklasse absteigt. Sehen Sie strukturelle Probleme der Liga?

Die gibt es, die Hessenliga ist bestimmt keine einfache Klasse.

Wo sehen Sie denn das Hauptproblem?

In der zu geringen Wertigkeit der Hessenliga. Im Norden ist diese gegeben, da gibt es auch genug Sponsoren. Bei uns in der Region ist das nicht ganz so, sodass die Klubs mit weniger Geld auskommen müssen.

Wie geht es nun für Sie persönlich weiter?

Das weiß ich noch nicht genau, zuletzt war ich nur auf die Sportfreunde fokussiert. Die vergangenen Wochen waren ziemlich anstrengend. Meine Frau freut sich jedenfalls, dass ich jetzt mehr zu Hause bin. Wie lange die Freude anhält, muss man abwarten.

Quelle: op-online.de

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