FRAUENFUSSBALL 19-Jährige setzt Fokus auf Ausbildung

Lotte Simonis’ Pech ist Glück für Lady Kickers

Lotte Simonis (links, hier gegen Eintracht Frankfurts Valeria Perri)
+
Laufstark, zweikampfstark, vielseitig: Lotte Simonis (links, hier gegen Eintracht Frankfurts Valeria Perri) hat sich nach ihrem Wechsel aus Egelsbach zum OFC schnell eingelebt.

Das Abenteuer Regionalliga hat sich Lotte Simonis bewusst ausgesucht, als sie im Sommer von Verbandsligist SG Egelsbach zu Kickers Offenbach in die dritte Fußballiga der Frauen gewechselt ist.

Offenbach – Nach zwei erfolgreichen Jahren bei der SGE hat sie eine neue Herausforderung gesucht und „wollte es mal höherklassig probieren“, sagt die erst 19 Jahre alte Angreiferin. In der Verbandsliga hat sie in der Corona-Abbruch-Saison noch mit 26 Treffern in nur 14 Spielen auf sich aufmerksam gemacht – und damit fast genau die Hälfte der 53 Egelsbacher Saisontore erzielt.

Mit vier Startelfeinsätzen (ein Tor) und einer Einwechslung in fünf Spielen ist sie bei ihrem neuen Verein ebenso zufrieden wie mit den Auftritten ihres Teams. „Auch wenn es immer was zu verbessern gibt.“ Unter anderem die Punkteausbeute. Zwar ist der OFC mit sechs Punkten aus fünf Spielen im Soll und hat den Sprung in die obere Tabellenhälfte noch selbst in der Hand. Dennoch wäre der eine oder andere Punkt mehr drin gewesen für Simonis und die Lady Kickers, die sich unter anderem bei der knappen 0:1-Niederlage bei Spitzenreiter Jahn Calden nicht für ihre gute Leistung belohnt haben. Mit einem Sieg im Nachholspiel gegen die TSG Neu-Isenburg wäre aber der Sprung in die obere Tabellenhälfte und damit in die Aufstiegsrunde gegen die besten vier Teams der Qualifikationsgruppe 2 möglich – was gleichzeitig den Klassenerhalt bedeuten würde. „Das ist auch unser Ziel“, betont die beim FFC Frankfurt ausgebildete Simonis selbstbewusst.

Dass sie und der OFC durch die Corona-Regelungen pausieren müssen, findet sie „nicht so schön“. Zumal sie als Zugang noch nicht lange mit ihren Mitspielerinnen trainiert hat. „Wir sind aber immer in Kontakt“, sagt die 19-Jährige. „Wir schreiben oder gehen auch mal zu zweit laufen.“

Laufen ist auch eine der Vorgaben von Trainer Johannes Munkelt. Für die fußballfreie Zeit hat er für seine Spielerinnen Trainingspläne erstellt. Auch gemeinsame Online-Trainings mit Stabilisationsübungen stehen auf dem Programm. So bleibt der Kontakt gewahrt. Was auch deshalb wichtig ist, weil sich die Spielerinnen als eingespielter Haufen zu einer Einheit entwickelt haben. „Der Zusammenhalt ist unsere große Stärke“, betont Simonis. Bestätigen kann die Angreiferin das dadurch, dass sie gleich gut aufgenommen wurde. „Das ist super und hat mich positiv überrascht“, lobt sie.

Auch selbst hat sie sich gut im Team eingebracht. Mit ihrer Laufstärke und einem guten Durchsetzungsvermögen überzeugt Simonis auf dem Platz ebenso wie mit einem guten Blick für Bälle durch die Schnittstelle der Abwehr. Auch ihre Vielseitigkeit zeichnet die 1,63 Meter große Angreiferin aus. Nachdem sie als Stürmerin begonnen hat, fühlt sie sich nun hinter der Spitze als „Zehnerin“ am wohlsten. Aber auch als Außenverteidigerin hat sie schon ausgeholfen. „Ich bin einfach froh, wenn ich der Mannschaft helfen kann“, sagt Simonis. Aber auch ihre Schwäche gesteht sie ein: „An meiner Schusstechnik könnte ich noch etwas arbeiten.“ Und das trotz der guten Quote bei der SG Egelsbach.

Dass Simonis nun bei den Lady Kickers gelandet ist, ist Glück und Pech gleichermaßen. Der OFC hat nun eine junge, talentierte Offensivspielerin in seinen Reihen, Simonis hingegen hätte durchaus höherklassig spielen können. Für den FFC Frankfurt II, für den sie lange in der Jugend spielte, debütierte Simonis unter anderem 2018 in der zweiten Bundesliga. Doch dann verletzte sie sich schwer am Knie. „Das hat mich hart getroffen“, blickt die 19-Jährige zurück, „vor allem, weil ich die Hoffnung hatte, einmal in der Bundesliga zu spielen.“

Nach der Verletzung hat sie aber erst mal ihre Ausbildung vorneangestellt, nach dem Abitur ein Duales Studium begonnen. Sie konzentriert sich nun darauf. Auch wenn sie die Profikarriere noch nicht ganz abgehakt hat. „Vielleicht ergibt sich ja noch mal die Möglichkeit“, hofft Simonis. Aber bis dahin geht sie erst mal weiter für die Lady Kickers in der Regionalliga auf Torejagd. (Von Lars Herd)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare