Marcel Titsch-Rivero trifft auf seinen Ex-Verein

Rekordsünder hat sein Glück gefunden

Marcel Titsch-Rivero
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Nur 43 Sekunden im Einsatz und dennoch Rekordspieler: Marcel Titsch-Rivero, damals noch in Diensten der Eintracht, kassierte für diese Notbremse gegen Dortmunds Marcel Schmelzer direkt nach seiner Einwechslung die Rote Karte – der schnellste Platzverweis der Bundesliga-Geschichte. Heute kann er darüber lachen: „So gerät man wenigstens nicht in Vergessenheit.“

Neu-Isenburg - Wenn die Frankfurter Eintracht  am Mittwoch (20.45 Uhr) im Achtelfinale des DFB-Pokals beim 1. FC Heidenheim antritt, ist es für Marcel Titsch-Rivero eine ganz besondere Partie. Der Neu-Isenburger tritt mit dem Zweitligisten gegen seinen Ex-Klub an. Von Daniel Schmitt

Nur wenige Minuten nach der Auslosung des Achtelfinales im DFB-Pokal rauschte Nachricht nach Nachricht auf das Smartphone von Marcel Titsch-Rivero. „Ich habe etliche Kartenwünsche von Freunden und Bekannten aus der Heimat bekommen“, sagt der 28-Jährige, der aus Neu-Isenburg kommt, bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag stand und seit 2012 beim Zweitligisten Heidenheim sein Glück gefunden hat. „Als klar war, dass es gegen die Eintracht geht, habe ich mich schon sehr gefreut. Eine coole Sache“, sagt Titsch-Rivero.

Der zentrale Mittelfeldspieler stammt aus der Jugend der Spvgg. 03 Neu-Isenburg, wechselte später über die SG Rosenhöhe zur Eintracht. Als der Linksfuß es dann in den Profikader geschafft hatte, geriet seine Karriere jedoch ins Stocken. Meist in der U23 in der Regionalliga eingesetzt, durfte Titsch-Rivero nur zweimal für das Bundesliga-Team ran. Sechs Minuten gegen 1899 Hoffenheim, 43 Sekunden gegen Borussia Dortmund – es war sein letzter Auftritt im Eintracht-Dress. Am finalen Spieltag der Saison 2010/11 wurde er in der 80. Minute eingewechselt, eilte auf den Platz und sprintete sofort Gegenspieler Marcel Schmelzer hinterher. Foul, Notbremse, Elfmeter, Rote Karte – der schnellste Platzverweis in der Bundesliga-Geschichte. Zu allem Überfluss stieg die Eintracht nach der 1:3-Pleite gegen den BVB auch noch ab. „Das ist natürlich eine Geschichte, auf die ich immer wieder angesprochen werde. Aber da lache ich heute drüber, es gehört zu meiner Karriere einfach dazu“, sagt Titsch-Rivero, für den es nach diesem Tiefpunkt schnell bergauf ging.

Im Alter von 21 Jahren, am Scheideweg seiner Karriere, kam das Angebot des damaligen Drittligisten aus Heidenheim. Titsch-Rivero, der zu diesem Zeitpunkt schon über andere berufliche Alternativen nachgedacht hatte, wagte den Schritt in das 50 000-Einwohner-Städtchen. Mit Erfolg. Seit 2012 absolvierte der Neu-Isenburger 157 Spiele (sieben Tore) in der zweiten und dritten Liga für den FCH, fast immer war er Stammspieler. „Heidenheim hat mir die Chance gegeben, mich im Profibereich zu etablieren. Daher war der Schritt perfekt für mich“, sagt Titsch-Rivero rückblickend.

Sogar so perfekt, dass nicht nur sein eigener, sondern auch der Lebensmittelpunkt seiner Jugendliebe Esther mittlerweile nicht mehr in Neu-Isenburg, sondern in Heidenheim liegt. Im vergangenen Sommer zog die Grundschullehrerin zu ihrem Bald-Ehemann - an diesem Freitag steht die standesamtliche Trauung bevor.

„Man kann hier in Heidenheim in einem ruhigen, aber gleichzeitig sehr professionellen Umfeld arbeiten“, nennt Titsch-Rivero die Vorzüge. Noch bis Saisonende hat der 28-Jährige einen Vertrag, eine Verlängerung ist wahrscheinlich, sollte nicht plötzlich ein Erstligist anklopfen.

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Der Kontakt in die Rhein-Main-Region ist nicht abgebrochen. Mindestens einmal im Monat besucht Titsch-Rivero, dessen Großvater in Spanien geboren wurde, Familie und Freunde in Neu-Isenburg. Sein jüngerer Bruder Marius spielt selbst bei der TSG. „Es tut immer gut, vom Fußball abschalten zu können“, sagt Titsch-Rivero.

Am Mittwoch im DFB-Pokal will der Linksfuß aber hellwach sein. Natürlich sei Heidenheim klarer Außenseiter. „Die Eintracht hat große Qualität, das beweist sie Woche für Woche in der Bundesliga“, sagt Titsch-Rivero, „aber wir wollen einen richtigen Pokalfight liefern und Nadelstiche setzen.“ Wenn das gelingt, ist sich Titsch-Rivero sicher, „dann haben wir auch eine gute Chance.“

Quelle: op-online.de

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