Kreisjugendwart appelliert an Vereine

„Müssen Schiedsrichter schützen“

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Jugendleiter aus dem Fußballkreis Offenbach bei ihrer Halbjahressitzung im Vereinsheim von Gemaa Tempelsee.

Offenbach – Gewalt, Bedrohungen, Beschimpfungen und Beleidigungen auf den Fußballplätzen waren ein großes Thema bei der halbjährlichen Jugendleitersitzung am Dienstagabend im Vereinsheim von Gemaa Tempelsee. Von Stefan Moritz

„Es wurde in der ersten Halbserie mehrfach gegen die Werte unseres Fußballs verstoßen, gegen Fair-Play, Respekt und Toleranz und vor allem gegen den Schutz der Schiedsrichter“, sagte Kreisjugendwart Jürgen Uhlein und zählte auf: „A-Junioren: Kollektive Tätlichkeiten einer gesamten Mannschaft gegen einen Schiedsrichter. B-Junioren: kollektive massive Bedrohungen eines Schiedsrichters. C-Junioren: Bedrohung eines Schiedsrichters durch Trainer. D-Junioren: Ein Zuschauer rennt auf den Platz und würgt einen jungen Schiedsrichter.“ Zwar könne man argumentieren, im Kreis Offenbach finden an jedem Wochenende 150 Jugendfußballspiele statt, das seien Einzelfälle. Aber: „Jeder Fall ist zuviel. Das ist inakzeptabel. Das sind Tabubrüche, die müssen wir beenden.“

Und dafür nahm Uhlein die anwesenden 50 Jugendleiter der Vereine aus dem Kreis in die Mitverantwortung. „Trainer, Jugendleiter, Vereinsvorstände sind gefordert, das sind Schlüsselrollen, um vorbeugend einzuwirken. Das muss das Top-Thema sein. Auch bei Elternabenden. Es soll frühzeitig und konsequent eingegriffen werden. Denn solche Vorfälle machen den Fußball kaputt und schädigen das Image der Vereine“, sagte Uhlein: „Schiedsrichter sind von allen Beteiligten, Trainern, Spielern, Vereinsverantwortlichen, uneingeschränkt zu respektieren. Ihre Unversehrtheit steht für alle an oberster Stelle. Die Schiedsrichter haben unsere volle Solidarität. Zusammen schaffen wir das.“

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Ein weiteres Thema, das die Jugendleiter der Vereine beschäftigt, ist die Einführung digitaler Spielerpässe. Der Kreis Offenbach hat sich freiwillig für ein Pilotprojekt gemeldet, das schon zur nächsten Saison beginnt. „Die digitalen Pässe kommen zu 99 Prozent verpflichtend zur übernächsten Saison. Wir haben uns jetzt freiwillig gemeldet, um den Umstieg in Ruhe bewältigen zu können und Rückmeldungen geben zu können, wo es vielleicht noch hakt“, erklärte Kreisfußballwart Jörg Wagner.

Alle Vereine müssen einmalig je ein Porträtfoto aller ihrer Spieler auf der Internetseite des Verbandes hochladen. Bei im Extremfall um die 20 Mannschaften ein nicht unerheblicher Aufwand, der zu Nachfragen und Diskussionen seitens der Jugendleiter führte. „Es ist doch so bei uns: Alles, was neu ist, ist erstmal schlecht“, sagte Wagner: „Das war beim elektronischen Spielbericht doch genauso. Heute sind wir alle froh, dass wir ihn haben. Das wird bei den digitalen Pässen genauso sein. Wir brauchen dann keine Papierpässe mehr zu den Spielen mitbringen oder von Mannschaft zu Mannschaft reichen, wenn ein Spieler in einer höheren Altersklasse eingesetzt werden soll. Es wird einfacher.“

Das dritte große Thema auf der Jugendleitersitzung war dann die Fair-Play-Liga der Jüngsten. „Grundsätzlich funktioniert das gut. Spiele ohne Schiedsrichter, in denen beide Trainer gemeinsam bei Bedarf für die Einhaltung der Regeln sorgen, 15 Meter Mindestabstand für die Zuschauer, so dass die Kinder möglichst ohne Einflüsse von außen spielen können“, bilanzierte Uhlein, um dann aber ein Problem anzuführen: „Manchmal kommt es zu sehr deutlichen Ergebnissen. Ein 24:0 hat nichts mit Fair-Play zu tun. Die einen jubeln, die anderen weinen. Das wollen wir nicht. So deutliche Ergebnisse braucht niemand, zumal ja auch keine Tabellen geführt werden.“

Der Kreisjugendausschuss ist daher aktiv geworden und an den Hessischen Fußballverband herangetreten mit der Bitte, dass der Trainer der unterlegenen Mannschaft bei einem Rückstand von zehn oder mehr Toren ein Spiel ungestraft vorzeitig abbrechen darf. Im Zweifel auch ohne Zustimmung des Trainers der überlegenen Mannschaft. „Dafür haben wir grünes Licht bekommen“, verkündete Uhlein.

Das Problem ist eine Lücke in der Satzung des Verbandes. Da nämlich steht ausdrücklich, dass nur ein Schiedsrichter ein Spiel abbrechen darf. Schiedsrichter aber gibt es in der Fair-Play-Liga ja nicht. Bei einseitigen Spielabbrüchen musste daher bislang immer das Sportgericht aktiv werden. Uhlein will daher einen Antrag auf Satzungsänderung beim Hessischen Fußball-Verband stellen, was einstimmig angenommen wurde.

Quelle: op-online.de

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