Restrundensitzung im Fußballkreis

„Schiedsrichter in keiner Sportart so schlecht behandelt“

Langen – Nach dem Ende der Restrundenbesprechung am Dienstagabend blieben Kreisfußballwart Jörg Wagner und sein Stellvertreter Thomas Geiss noch eine Weile im Clubheim des FC Langen sitzen. Von Holger Appel

Sie schauten sich auf der großen Leinwand live die restlichen Minuten der Partie Deutschland gegen Frankreich (25:25) an. Bei der Weltmeisterschaft im Handball. Eine Sportart, die Wagner zuvor in der Fußballsitzung mehr als einmal erwähnt hatte – beim Thema Respekt. Von Aktiven und Vereinsvertretern untereinander, aber vor allem gegenüber Unparteiischen.

„Im Handball“, berichtete der Seligenstädter, „diskutieren die Spieler so gut wie nie mit dem Schiedsrichter, sie akzeptieren dessen Entscheidungen. Denn wer diskutiert, fliegt vom Feld. Im Fußball ist das leider anders. Und das führt dazu, dass die Schiedsrichter in keiner anderen Sportart so schlecht behandelt werden wie bei uns. Da haben wir im Fußball ein Alleinstellungsmerkmal, auf das wir nicht stolz sein können. Was ich bei uns zuletzt an Respektlosigkeiten gegenüber Schiedsrichtern mitbekommen habe, war eine absolute Frechheit. Und das nervt mich mittlerweile total.“ Der 50 Jahre alte Wagner ist regelmäßig auf den Fußballplätzen der Region unterwegs, vergangenen Sonntag hatte er sich mit seiner Frau die entscheidenden Spiele der Offenbacher Stadtmeisterschaften in der Bürgeler Sportfabrik angeschaut.

Schiedsrichterobmann Volker Geupel bedankte sich noch während der Sitzung in Langen für die klaren Worte, fühlte sich und sein Team „vom Kreisfußballausschuss gestärkt“. Jürgen Weil, Vorsitzender des Kreissportgerichts, schloss sich Wagners kritischen Worten an. Er berichtete zwar von weniger Einzelrichterurteilen (273 im Vergleich zu 322 zum selben Zeitpunkt im vergangenen Jahr), verwies aber auf bereits 39 Verhandlungen bis zur Winterpause (zu diesem Zeitpunkt im Vorjahr waren das 19). Neun davon seien wegen Tätlichkeit oder unsportlichem Verhalten gegenüber Unparteiischen zustande gekommen, ergänzte er. Jugendmannschaften seien an 13 Verfahren beteiligt gewesen. Das sind alarmierende Zahlen.

Doch wie lässt sich diese Entwicklung erklären? Kreisfußballwart Wagner übte nach der Sitzung Kritik am „großen Fußball. Der Werteverfall beginnt ganz oben in der Champions League. Was sich die Spieler da vor Millionenpublikum zum Teil erlauben, ist unfassbar. Da wird gemeckert, provoziert, gedroht, Zeit geschunden. Genau da müssen die Regeln noch viel schneller und härter angewandt werden mit Gelben und Roten Karten. Doch auf diesem Niveau greift kein Schiedsrichter richtig durch. Und das Verhalten der Profis findet dann bis ganz unten zu den Amateuren und Kindern in den Kreisen ihre Fortsetzung“, ergänzte er.

Sein Stellvertreter Geiss von der SG Egelsbach bezeichnete „Champions League und Bundesliga sogar als die größten Feinde des Jugendfußballs. Was die Kinder da von ihren vermeintlichen Vorbilder gezeigt bekommen, ist schon ziemlich krass.“ Krass im Sinne von negativen Beispielen am laufenden Band.

Wagner und Geiss wollen nach den deutlichen Worten Taten folgen lassen, denn das „einfach so akzeptieren und gar nichts tun, wäre das Falscheste, was wir machen können“, wie Geiss versicherte. Im März oder spätestens April will der Kreisfußballausschuss den ersten Trainerworkshop organisieren.

„Die Trainer“, erklärte Geiss, „sind die Multiplikatoren in den Vereinen. Sie haben den Kontakt zu Vorstand, Spielausschuss und Spielern – wir brauchen sie jetzt, sie müssen uns helfen. Sie sind diejenigen, die deeskalieren können“, sagte er. Wohl wissend, dass auch nicht jeder Trainer auf Kreisebene als leuchtendes Vorbild dienen kann. Aber einen Versuch ist das sicher wert. Nach den Trainern wollen Wagner, Geiss und Co. die Spielführer der Kreisoberligisten in einem Workshop zusammenbringen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare