Ober-Roden sucht noch Stammformation

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Horst Russ (links) war bester Torschütze der Germania, Milad Salem (Mitte) verzeichnetet die meisten Einsätze im Ober-Rodener Trikot.

Ober-Roden ‐ Dass Germania Ober-Roden in der Hessenliga-Saison 2009/2010 vor einer Herkulesaufgabe steht, war allen Beteiligten bereits vor dem ersten Training klar. Nur sechs Spieler aus der vergangenen Saison hielten den Schwarz-Blauen die Treue, alle anderen verließen den Verein.  Von Patrick Leonhard

Dementsprechend kamen auch rund 20 neue Spieler an die Frankfurter Straße. Das neue Trainerduo Klaus Höptner/Ricardo Bastias arbeitete vom ersten Tag an hart, um eine neue Mannschaft zu formen. Nach 23 absolvierten Punktspielen nehmen die Ober-Rodener im sechsten Hessenligajahr seit 2003 (2006/2007 spielte die Germania in der Verbandsliga Süd) mit 21 Punkten den 14. Platz ein und müssten damit derzeit die Abstiegsrelegation bestreiten. Von den sieben Mannschaften am Tabellenende steigen fünf direkt ab, eine geht in die Relegation, eine hält die Liga.

Serien

Ober-Roden startete mit drei Niederlagen in Serie in die Saison. Am vierten Spieltag gelang mit einem 3:0-Sieg gegen den KSV Baunatal der erste Saisonsieg, zwei weitere Siege in Marburg (2:1) und gegen Schwalmstadt (2:0) folgten. Das 1:4 im Rödermark-Derby bei Viktoria Urberach war der Auftakt einer Negativserie von vier sieglosen Begegnungen (ein Zähler), ehe mit dem 5:0 bei Schlusslicht SVA Bad Hersfeld erneut ein Befreiungsschlag gelang. Mit großer Zuversicht gingen die Germanen in die beiden Kellerduelle gegen Fernwald (0:2) und Vellmar (0:1), standen aber binnen vier Tagen zweimal mit leeren Händen da. Mit dem letzten Aufgebot erkämpfte die Germania in Stadtallendorf ein 1:1, war aber eine Woche später beim 0:5 gegen die U23 des FSV Frankfurt chancenlos. Trainer Klaus Höptner legte wenige Tage später sein Amt nieder, er sah für die Zusammenarbeit mit Kapitän Horst Russ keine Basis mehr.

Sportlich folgte auf die Trennung ein Minihoch mit dem 4:4 (nach 3:1-Führung) in Klein-Karben sowie dem 1:0-Heimerfolg gegen Viktoria Aschaffenburg. Nach einer Negativserie von vier Niederlagen in Serie zogen die Ober-Rodener die für die Winterpause geplante Umstrukturierung im sportlichen Bereich vor. Unter der Regie des neuen Teamchefs Sasan Tabib gewannen die Germanen das Kellerduell bei der TSG Wörsdorf mit 4:2.

Heimbilanz

Platz 16 mit drei Siegen und acht Niederlagen - die Hessenliga-Mannschaften kommen gerne an die Frankfurter Straße. Bei allen drei Heimsiegen (3:0 gegen Baunatal, 2:0 gegen Schwalmstadt, 1:0 gegen Aschaffenburg) blieben die Ober-Rodener ohne Gegentreffer. Besonders bitter war das 4:5 gegen den VfB Marburg nach einer 4:2-Pausenführung.

Auswärtsbilanz

Auf fremden Plätzen sammelten die Germanen immerhin zwölf Punkte (Platz 13). Bei den direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt Bad Hersfeld (5:0) und zuletzt Wörsdorf (4:2) sicherte sich Ober-Roden wichtige Dreier.

System

Die Germania favorisiert ein 4-4-2-System mit zwei echten „Sechsern“ vor der Abwehr. Sowohl die Variante mit einer Raute (ebenfalls 4-4-2) als auch ein 4-5-1-System mit nur einer Spitze brachten nicht den gewünschten Erfolg. Beim 4:2-Sieg in Wörsdorf überzeugten die Rödermarker im 4-4-1-1-System: Milad Salem spielte unmittelbar hinter der einzigen Spitze Horst Russ.

Tore

Mit nur 31 Treffern stellt die Germania den fünftschlechtesten Angriff der Liga. Horst Russ steuerte mit zwölf Toren den Löwenanteil der 31 Treffer bei. Milad Salem war als zweitbester Schütze fünfmal erfolgreich, davon alleine dreimal beim 5:0 in Bad Hersfeld. 47 Mal schlug der Ball im Ober-Rodener Tornetz ein – nur vier Vereine kassierten noch mehr Gegentreffer.

Dauerbrenner

Als einziger Germania-Spieler kam Milad Salem in allen 23 Punktspielen zum Einsatz. Horst Russ brachte es auf 22 Einsätze, Patrice Noumsi, Marko Corlija und Patrizio Colucci waren jeweils 20 Mal mit von der Partie. Insgesamt kamen bereits 30 Spieler zum Einsatz.

Personal

Die 30 eingesetzten Spieler zeigen das große Dilemma der Ober-Rodener: Von Spiel zu Spiel wurde die Startformation umgebaut. Aus den vielen Neuzugängen eine Mannschaft zu formen, erwies sich als schwieriges Unterfangen. Zudem waren die Trainer Ricardo Bastias und Klaus Höptner durch eine Reihe von Verletzungen und sechs Roten Karten immer wieder gezwungen, die Mannschaft umzustellen. Der nach wenigen Wochen aus Trier verpflichtete Pero Miletic löste Turgay Dikmen im Tor ab und war einer der wichtigsten Leistungsträger im Germania-Trikot. Er spielt in der Rückrunde allerdings für die Sportfreunde Siegen.

Eingesetzte Spieler (Spiele/Tore): Salem (23/5), Russ (22/12), Corlija (20/2), Colucci (20/2), Noumsi (20), Raimondi (19/3), Taylor (18), A. Ghebru (17/1), Tobollik (17), Miletic (15), Öztas (14/2), Bayrak (13), El Aadmi (10), Z. Daudi, Akinwale, Aghoulad (alle 9), Kniller, Dikmen, Berger (alle 8), Haberkorn (6/1), Campialla (6/1), Hasanovic, Tarakci, F. Ghebru (alle 4), Koltschak (3), Rabet Hotti, Herth, Saroukh (alle 2), Soysal, Aydin (beide 1)

In der Viererkette hatte lediglich der ehemalige Klein-Karbener Patrice Noumsi seinen Stammplatz sicher, meist mit Marven Taylor als Nebenmann. Auf den Außenpositionen kamen ein halbes Dutzend Akteure zum Einsatz, darunter auch die Offensivspieler Patrizio Colucci und Dorian Tobollik. Ein ähnliches Gedränge herrschte vor allem auf den beiden Sechser-Positionen, um die sich ebenfalls ein halbes Dutzend Spieler stritten. Einen sehr guten Eindruck hinterließ hier im Jahresendspurt nach überstandenem Kreuzbandriss Alexander Haberkorn. Auch auf den Außenbahnen herrschte ein Kommen und Gehen. Gökhan Öztas kam bedingt durch zwei Rote Karten nur auf 14 Einsätze, links spielte meist Amdon Ghebru oder ersatzweise Milad Salem. Letzterer stellte zu Rundenbeginn noch den zweiten Stürmer neben Kapitän Horst Russ. Der neue Teamchef Sasan Tabib sieht Salem eher als „Zehner“.

Zuschauer

80 bis 150 Zuschauer - mehr Fans verlieren sich nicht zu den Heimspielen der Germania. Auf einen kräftigen Besuch hoffen die Ober-Rodener am 5. April, wenn Viktoria Urberach zum Derby an die Frankfurter Straße kommt.

Perspektive

Ziel der Ober-Rodener bleibt der Klassenerhalt. „Das wird ein Zittern bis zum Schluss“, sagt Trainer Ricardo Bastias. Mit Pero Miletic fällt ein wichtiger Rückhalt weg, ein Ersatz wird noch gesucht. Nach der einen oder anderen Verstärkung halten die Germanen noch Ausschau. Verbessern muss sich die Mannschaft in Sachen Disziplin. Insgesamt 13 Platzverweise sind eindeutig zu viel.

Quelle: op-online.de

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