Handball

Abstiegskungelei im Handball-Bezirk

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Nur vermeintlich spannender Abstiegskampf: Die Klein-Auheimer Florian Schmidt (links), Stefan Schwab und Fabian Baier (rechts) gegen Yannick Ahouansou von der HSG Hanau.

Klein-Auheimer dürfen dank fragwürdiger Entscheidung in der Bezirksoberliga bleiben. Hanau III verzichtet aber auf einen möglichen Widerspruch und steigt gerne ab.

Offenbach – Sie ist schon ziemlich kurios, die Begründung des Bezirks Offenbach-Hanau, weshalb die Handballer des TSV Klein-Auheim nun doch in der Bezirksoberliga bleiben dürfen und die HSG Hanau III in die Bezirksliga A absteigen muss. Da beide Teams im Laufe der Saison je einmal nicht angetreten sind, komme der eigentlich bei punktgleichen Teams über die Platzierungsreihenfolge entscheidende direkte Vergleich - den die HSG Hanau III gewonnen hatte - nicht zur Anwendung, behauptete der Bezirksvorsitzende Manfred Leber (Dreieich) mit Verweis auf die Paragrafen 43 und 50 der Spielordnung des Hessischen Handball-Verbandes. Entscheidend sei nun der eine Verlustpunkt weniger, den der TSV Klein-Auheim aufweist, da er sportlich einen Punkt mehr erkämpft hatte, der ihm wegen zu wenig gestellter Schiedsrichter nur bei den Pluspunkten wieder abgezogen worden war.

Diese Aussagen Lebers stimmen allerdings nicht mit dem Text der Spielordnung in den entsprechenden Paragrafen überein. Dort findet sich nur der Satz: „Spielwertungen ... führen zum Ausschluss... aus der Entscheidungsrunde.“ Entscheidungsspiele stehen aber erst an, wenn der direkte Vergleich zweier punktgleicher Mannschaften ausgeglichen wäre. Da steht nicht, dass der direkte Vergleich nicht anzuwenden sei.

Das Problem: Wo kein Kläger, da kein Richter. Uwe Just, der Vorsitzende der HSG Hanau, stimmte zwar zu, es sei „sicher richtig“, dass die Chancen für einen Widerspruch gegen die Abschluss-tabelle nicht schlecht seien, betonte aber: „Wir werden keinen Widerspruch einlegen. Der Abstieg ist schon in Ordnung für uns.“

Der Hintergrund: Aus Personalmangel wird die HSG Hanau in der nächsten Saison statt vier nur noch drei Männermannschaften melden. Die vierte Mannschaft, Tabellenvorletzter der Bezirksliga B, wird abgemeldet. Und eine Mischung aus den verbliebenen Viert- und Drittmannschaftsspielern soll dann als HSG Hanau III in der Bezirksliga A antreten. Der Abstieg der dritten Mannschaft kommt der HSG Hanau also gerade recht.

Das hatte Mitte März noch ganz anders geklungen. „Der Klassenerhalt unserer dritten Mannschaft ist uns sehr wichtig“, hatte Reiner Kegelmann, Aktivenleiter der HSG Hanau, damals in der Hochphase des vermeintlich spannenden Kampfs um den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga gesagt. „Das stimmte damals auch. Anfang April hieß es dann aber, dass nicht genügend Spieler für vier Mannschaften vorhanden seien und die Dritte ruhig absteigen solle“, sagt der bisherige Drittmannschaftstrainer Norbert Thanscheidt, dem darauf auch die Trennung zum Saisonende angekündigt wurde.

Kurioserweise haben die Hanauer den Abstieg sportlich nicht hinbekommen. Am vorletzten Spieltag gewannen sie 29:28 gegen Klein-Auheim und zum Abschluss noch einmal 30:29 beim TV Wächtersbach, jeweils durch Tore Sekunden vor Schluss. „Klein-Auheim hat es leider nicht auf die Reihe gekriegt und in Wächtersbach haben wir den letzten Siebenmeter dann doch reingeworfen. Es gab aber auch keine Ansage, den zu verwerfen“, lautet Thanscheidts Kommentar dazu.

Der TSV Klein-Auheim nimmt den Klassenerhalt gerne an. „Seit September haben wir daran gearbeitet, für die nächste Saison ein bezirksoberligataugliches Team zusammenzubekommen“, berichtet Dirk Decker, seit März 2018 Leiter der Handball-Abteilung des TSV Klein-Auheim. Fünf neue Spieler wurden gewonnen und Peter Corell als Trainer, der pikanterweise bis vor seiner sportlichen Pause in der abgelaufenen Saison die HSG Hanau III trainiert hatte.

Auf den ersten Blick gibt es durch diese Abstiegskungelei im Handball-Bezirk nur Gewinner. Der TSV Klein-Auheim darf in der Bezirksoberliga bleiben, die HSG Hanau mit ihrer dritten Mannschaft in der A-Liga spielen. Und der TV Langenselbold, als Tabellenvierter der Bezirksliga A und erster Nichtaufsteiger erster potenzieller Nachrücker in die Bezirksoberliga, hätte ohnehin nicht aufsteigen dürfen, da die Spielordnung des Hessischen Handball-Verbandes den Aufstieg nur bis maximal Tabellenplatz drei erlaubt.

Trotzdem bleibt der fade Beigeschmack, dass der sportliche Wettkampf um den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga im Nachhinein entwertet wurde.

VON STEFAN MORITZ

Quelle: op-online.de

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