SV Pars

„Lieben den Fußball, wie er ist“

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Trainer Sasan Tabib bekommt eine Bierdusche von seinen Spielern nach dem Kreispokalsieg 2019.

Der SV Pars Neu-Isenburg ist ein in besonderem Maße multikulturell geprägter Fußballverein. Seine Spieler sind Angehörige verschiedenster Nationen, die die Freundschaft untereinander und die Liebe zum Fußball eint.

Neu-Isenburg – 2014 hat sich der Klub aus einer Betriebssportmannschaft der Firma Chip One aus Neu-Isenburg heraus gegründet und ist mit vier Meistertiteln in vier Jahren aus der Kreisliga C bis in die Gruppenliga Frankfurt Ost aufgestiegen, in der das Team von Trainer, Mäzen und Präsident Sasan Tabib aktuell die Tabelle anführt.

„Wir erleben rassistische Beleidigungen fast jede Woche“, sagt der 42-Jährige: „Was ich mir bei fast jedem Spiel an Kommentaren von hinter meiner Trainerbank anhören muss, da würden andere ausflippen.“ Aber Tabib will das Thema gar nicht so hoch hängen. „Es gibt einfach Menschen, die gehen auf den Fußballplatz, um ihren Frust rauszulassen. Man sollte dem einzelnen negativen Erlebnis aber keine zu große Bedeutung beimessen. Wir erleben Woche für Woche ein Vielfaches an tollen neuen Menschen, die wir durch den Fußball kennenlernen“, sagt Tabib, der mit seinem Team durch die vier Aufstiege in Folge Jahr für Jahr auf außergewöhnlich viele neue gegnerische Mannschaften und Vereine getroffen ist. 

Neu-Isenburg: Rassistischer Kommentar in emotionaler Ausnahmesituation

Und dann führt er ein Beispiel an: „Spitzenspiel auf einem Dorffußballplatz, ein knapper Spielstand kurz vor Schluss, drei Elfmetersituationen für den Gegner, die der Schiedsrichter allesamt nicht gegeben hat, und dann rasselt unser Torwart in unserem Strafraum mit einem gegnerischen Stürmer zusammen, der danach an der Lippe blutend am Boden liegt. Der Betreuer des Gegners rennt auf den Platz, meine Jungs flippen aus, weil es Elfmeter geben soll, und der Betreuer sagt: ,Lernt ihr erst einmal richtig Deutsch‘. Das ist rassistisch. Aber ich sage dann meinen Jungs, sie sollen sich auch überlegen, wie sie reagiert hätten, wenn einer unserer Spieler blutend am Boden gelegen hätte. Auf dem Fußballplatz sind doch alle in einer emotionalen Ausnahmesituation. Der Betreuer hat sich nach dem Spiel auch gleich bei uns entschuldigt. Damit ist die Sache für mich erledigt.“

Tabib führt zwar auch an: „Andere sagen: Wehret den Anfängen, wenn es um Rassismus geht.“ Dann aber müsste fast jedes Spiel abgebrochen werden. „Dann müsstest du jede Woche beleidigt nach Hause gehen. Ich möchte lieber das Positive mitnehmen“, sagt Tabib und bilanziert: „Wir lieben den Amateurfußball so, wie er ist.“

VON STEFAN MORITZ

Quelle: op-online.de

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