Auf den Spuren von Volker Finke

Hoffmanns 16. Saison als Neu-Isenburgs Trainer

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Lautstark, emotional und vereinstreu: Peter Hoffmann, hier springt er seinem langjährigen Co-Trainer Erdo Arnitali in die Arme, kann an der Seitenlinie mitunter ganz schön explodieren.

Neu-Isenburg -  Seit 2003 ist Peter Hoffmann nun schon Trainer der Spvgg. 03 Neu-Isenburg – ein Ende dieser außergewöhnlich langen Ära ist nicht in Sicht. Gerade erst hat der 51-Jährige um eine weitere Saison verlängert. Es wird seine 16. bei der Spielvereinigung sein. Von Daniel Schmitt 

In dieser Zeit führte Hoffmann die Nulldreier von der Kreisklasse bis auf den zwölften Platz der Fußball-Hessenliga. Im Interview spricht der Trainer über die aktuelle Saison, den Wandel der verschiedenen Spielergenerationen und Angebote anderer Vereine.

Herr Hoffmann, im Sommer gehen Sie in die 16. Saison in Neu-Isenburg. Sie wandeln damit auf den Spuren von Volker Finke, der auch 16 Jahre ohne Unterbrechung für den SC Freiburg zuständig war. Wird Ihnen nicht langsam langweilig?

Ach was, auf keinen Fall. Nach unserem Aufstieg in die Hessenliga in der vergangenen Saison könnte ich mir nichts Besseres vorstellen. Es ist nach all den Jahren wieder eine neue und vor allem sehr attraktive Aufgabe.

Es ist ja auch eine lange Zeit her, dass der Verein so hochklassig spielte. Um genau zu sein: 40 Jahre. Wie sehr genießen Sie diesen Erfolg?

Leider gar nicht so viel. Gerade im vergangenen Sommer ging es rasend schnell. Wir haben den Aufstieg ja erst über die Aufstiegsrunde geschafft und konnten nur zwei Wochen Pause machen. Und auch in der Winterpause lag der Fokus auf dem, was noch kommt. Da bleibt nicht viel Zeit zum Genießen. Im Sommer, wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben sollten, ist das eine andere Situation.

Inwiefern?

Der Aufstieg in die Hessenliga ist das eine, den Verein dort zu halten, fast noch die größere Leistung. Meiner Meinung nach wäre der Klassenerhalt nach der deutschen Amateurmeisterschaft 1956 der zweitgrößte Erfolg der Vereinsgeschichte. Das würden wir sicher gebührend feiern.

Bilder: 03er gewinnen gegen Sand

Sie stehen mit Ihrem Team über der Abstiegszone, sind Zwölfter. Wie schwer wird der Verbleib in der Hessenliga?

Wir sind in der guten Position, nicht aufholen, sondern nur den Platz verteidigen zu müssen. Das haben wir uns in der Hinrunde hart erarbeitet. Dennoch wird es schwer genug. Die Liga ist stark und finanziell gehen die Voraussetzungen weit auseinander. Da gibt es Klubs wie Hessen Dreieich oder Watzenborn-Steinberg, die klar die Regionalliga anpeilen. Und da gibt Klubs wie uns.

Sollte es am Ende doch zurück in die Verbandsliga gehen, bleiben Sie trotzdem?

Ja, mein Verbleib ist unabhängig von der Liga. Auch bei einem Abstieg würde ich weitermachen. Aber natürlich ist es unser Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen.

Um das Ziel zu erreichen, haben Sie im Winter Erfahrung verpflichtet: Nick Janovsky, 36 Jahre alt, und Damien Letellier, 31 Jahre. Warum?

Nick war hier jahrelang Kapitän und Gesicht des Vereins. Er wird zwar im März 37 Jahre alt, durch seine vorherige Tätigkeit als Spielertrainer in Seligenstadt ist er aber topfit. Ihn kann man immer reinwerfen. Aber natürlich ist er nicht als Stürmer Nummer eins für 90 Minuten vorgesehen. Damien ist ein hervorragender Fußballer, den wir flexibel auf mehreren Positionen einsetzen können. Und ganz ohne Erfahrung geht es nun mal nicht.

Diese Erfahrung bringen Sie auf jeden Fall mit. Wie mussten Sie sich in den vergangenen 15 Jahren denn verändern, damit es so lange gutgehen konnte?

Bei der heutigen Spielergeneration darf man nicht alles todernst sehen, sie auch mal machen lassen. Ich rede viel mehr mit den Jungs, als noch vor zehn oder 15 Jahren. Und natürlich muss man auch seine Taktik und die Trainingsinhalte anpassen. Spieler gehen, neue kommen. So verändert sich jede Saison das Arbeiten mit dem Team.

Worauf legen Sie bei der Arbeit mit einer Mannschaft besonders wert?

Wir haben es in der Vergangenheit eigentlich fast immer gut hinbekommen, auf dem Platz als Einheit aufzutreten. Das ist auch nötig, denn gerade diesen Teamgeist braucht ein Verein wie die Spielvereinigung, bei dem die finanziellen Mittel begrenzt sind.

Im Umfeld gab es vergangenes Jahr einen Umbruch. Der langjährige Präsident Günther Marx schied aus, andere kamen nach. Wie ist die Spielvereinigung 03 aufgestellt?

Günther Marx hat viel für den Verein geleistet, das kann man gar nicht oft genug sagen. Er hat die Nulldreier in der sportlichen Bedeutungslosigkeit übernommen und den Weg bis in die Hessenliga mitbegleitet. Nach dem Wechsel von ihm zu Thomas Stein als 1. Vorsitzenden sind die Strukturen noch professioneller geworden. Mit Thomas, Jürgen Holzmann und Uli Schmidt, der ja auch schon ewig dabei ist, passt das im Vorstand menschlich hervorragend.

Bilder: Kreispokalhalbfinale 03 Neu-Isenburg - SC Hessen Dreieich 

Also alles bestens in Neu-Isenburg?

Absolut.

Ein Vereinswechsel kommt und kam für Sie nie in Frage?

Angebote waren immer mal da, mein erster Ansprechpartner war aber immer die Spielvereinigung. Und dann hat sich meist schnell herauskristallisiert, dass nichts gegen eine weitere Verlängerung spricht. Gerade in diesen erfolgreichen Tagen macht es mehr Spaß denn je.

Quelle: op-online.de

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