Zugang traf in sieben Spielen schon sechsmal

Sevket Yildirim bei TS Ober-Roden „eine der größten Überraschungen“

„Dieser Sieg gab uns viel Selbstvertrauen“, sagt TS Ober-Rodens Sevket Yildirim (links vorne) über den 4:2-Erfolg beim Rödermark-Turnier gegen den Lokalrivalen 1. FC Germania Ober-Roden (rechts: Hakan Firat).
+
„Dieser Sieg gab uns viel Selbstvertrauen“, sagt TS Ober-Rodens Sevket Yildirim (links vorne) über den 4:2-Erfolg beim Rödermark-Turnier gegen den Lokalrivalen 1. FC Germania Ober-Roden (rechts: Hakan Firat).

Zur TS Ober-Roden geholt wurde Sevket Yildirim als Backup für die Innenverteidigung, doch entwickelt hat sich der Zugang beim Fußball-Verbandsligisten zum Torjäger.

Ober-Roden – „Das gefällt mir, aber es überrascht mich selbst. Ich habe noch nie so viele Tore im Seniorenbereich geschossen“, schmunzelt Sevket Yildirim. Der 27-Jährige erzielte in bisher sieben Partien bereits sechs Treffer für den Fußball-Verbandsligisten TS Ober-Roden und trägt damit einen großen Anteil am guten Start der Rödermarker, die als einzige Mannschaft der Liga noch ungeschlagen sind und mit 17 Punkten den zweiten Platz einnehmen – punktgleich mit dem JSK Rodgau, der zwei Partien mehr ausgetragen hat. Dabei war Yildirim nicht gerade als Torjäger zur Turnerschaft gekommen – sondern als Innenverteidiger.

Yildirim kam erst 2007 nach Deutschland. „In der Türkei habe ich nur in der Fußball-Schulmannschaft gekickt“, erzählt er. Sein erster Verein war der TSV Hainstadt/Odenwald. Von der SG Sandbach ging es weiter zu Rot-Weiß Darmstadt (2013/2014), wo er aber aufgrund einer Verletzung nicht richtig zum Zuge kam. Nach den Stationen SG Sandbach und SV Erlenbach wechselte er 2017 zu Viktoria Urberach. „Das war schon ein Schock“, blickt Yildirim, der mittlerweile im Ober-Rodener Stadtteil Waldacker lebt, auf den Mai diesen Jahres zurück, als der damalige Verbandsligist den freiwilligen Rückzug in die Kreisoberliga verkündete. „Viele Spieler wollten in Urberach bleiben, weil wir uns gut gekannt und verstanden haben“, erklärt er.

Somit stand Sevket Yildirim auf einmal ohne Verein da. „Mein Ziel war die Hessenliga“, sagt er. Ein Wechsel zum FV Bad Vilbel – dort spielt auch sein Bruder Mehmet – zerschlug sich allerdings. Erst Mitte Juni wurde die TS Ober-Roden ein Thema. „Das erste Gespräch mit Trainer Bastian Neumann war sehr gut, es hat für beide Seiten gepasst“, sagt Yildirim – Spieler und Verein waren sich schnell einig. „Bei der Viktoria spielte Sevket rechter Verteidiger, wir haben ein Backup für die Innenverteidigung gesucht, in der Luke Dettki und Benedikt Strauß gesetzt sind. Wobei ich schon erwartet habe, dass er aufgrund seines Alters in unserer jungen Mannschaft eine Führungsrolle übernimmt“, meint Neumann. Als dann aber Patrick Bleibdrey, Zugang vom JSK Rodgau, in der Vorbereitung immer wieder verletzt ausfiel, rückte Sevket Yildirim ins zentrale Mittelfeld – und spielte sich dort mit guten Leistungen in der Vorbereitung fest. Allerdings noch ohne ein eigenes Tor – das erzielte der 27-Jährige am ersten Spieltag beim 3:0-Sieg beim VfB Ginsheim II – und ließ noch fünf weitere in den folgenden Begegnungen folgen.

„Ich spiele am liebsten auf der Sechs oder Acht“, fühlt sich Yildirim im Mittelfeld wohl. „Der Trainer lässt mir alle Freiheiten“, sagt er zufrieden – zu seiner Anfangszeit in Urberach habe er als Sechser nicht mal die Mittellinie übertreten dürfen. Dass es bei der Turnerschaft derart gut läuft, überrascht Yildirim allerdings. „Wir hatten unser erstes Testspiel in Alsbach mit 0:3 verloren. Da hatte ich schon ein wenig Zweifel und dachte, diese junge Mannschaft würde noch viel Zeit benötigen.“ Doch die Ober-Rodener fanden schnell zusammen und spielten sich ein, „mit dem 4:2-Sieg beim Rödermark-Turnier gegen den FC Germania haben wir viel Selbstvertrauen gesammelt“, blickt er zurück. Selbstvertrauen, das die TSO mit in die Punktrunde nahm.

„Sevket ist gemeinsam mit Jannik Zeise die bisher größte Überraschung“, sagt Trainer Bastian Neumann, „er gibt immer 100 Prozent, auch im Training und zieht die anderen Jungs mit. Wir haben in Dettki, Strauß, Henkel und den Profumo-Brüdern einige Spieler, die voran gehen. Aber Sevket ist sehr speziell, gerade von seiner Mentalität her. Er ist ein ganz wichtiger Spieler für uns geworden.“

Einer, der weiterhin in Richtung Hessenliga schaut. „Wenn wir mit der Turnerschaft Ober-Roden aufsteigen würden, wäre das super. Und wenn nicht, wäre das auch nicht schlimm. Ich bin hier wie in einer Familie aufgenommen worden und fühle mich sehr wohl“, meint Yildirim. Und sein Wohlbefinden drückt er in guten Leistungen aus – und unverhofft auch in Toren. (Von Patrick Leonhardt)

Lockdown-Serie

Dieser Artikel zählt zu einer losen Serie. In den kommenden Ausgaben werden wir immer wieder mal über Mannschaften und Spieler berichten, die sich in den bislang absolvierten Partien vor dem Lockdown besonders hervorgetan haben.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare