Sorglos-Paket für C-Liga-Kicker

Türk. SV Seligenstadt mit neuem Ansatz noch ohne Punktverlust

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Muharrem Katilmis (links) ist der herausragende Spieler des Türkischen Sport-Vereins Seligenstadt. Der 31 Jahre alte Kapitän hat 32 der 57 Saisontreffer erzielt.

Seligenstadt -  Es tut sich was beim Türk. SV Seligenstadt. Im dritten Jahr nach dem Neubeginn führt das Team zur Halbzeit der Saison mit zwölf Siegen aus zwölf Partien souverän die Tabelle der Fußball-Kreisliga C Offenbach 2 an. Von Stefan Moritz 

„Wir hatten noch einmal einen Umbruch im Verein“, berichtet Ergün Kumcu. Der einstige Ausländerbeauftragte der Stadt Seligenstadt hat das Management übernommen, mit der Firma Tunc Trans aus Hainburg wurde ein potenter Hauptsponsor gewonnen. In Bayram Tunc ist der Juniorchef des Transport- und Logistikunternehmens als Trainer eingestiegen. „Er macht einen tollen Job, hat auch für die passenden Zugänge gesorgt“, lobt Kumcu den Trainer, der vor der Rückkehr nach Seligenstadt die Reserve von Türk Gücü Hanau trainiert hatte.

Mit Trainer Tunc kam im Januar auch Muharrem Katilmis zurück zum Türkischen Sportverein Seligenstadt. Der 31 Jahre alte selbstständige Gärtner aus Hainburg war 2007 schon mal beim Türk. SV. 2016 schoss er Germania Klein-Krotzenburg mit seinen Toren in die Gruppenliga, in der er anschließend für Türk Gücü Hanau spielte. Jetzt ist Katilmis der Kapitän des Teams und hat als Schütze von 32 der 57 Saisontreffer maßgeblichen Anteil am aktuellen Erfolg.

Trainer Bayram Tunc gibt die Richtung vor.

Nach Platz zwölf zum Abschluss der vergangenen Saison kamen zwölf neue Spieler zum Türk. SV, die zum Teil schon höherklassig gespielt hatten. Nicht in der Regional- oder Hessenliga, aber in der Kreisoberliga oder A-Klasse. Dass sie alle in die C-Liga zum Türk. SV kamen, ist eine Folge der erfolgreichen Sponsorensuche des Vereins. „Neben unserem Hauptsponsor haben wir weitere Sponsoren gewonnen. Wir zahlen den Spielern kein Geld und keine Prämien, aber wir schaffen eine Rundum-Wohlfühlatmosphäre“, sagt Manager Kumcu.
Die Spieler müssten zu Training oder Spielen nur ihre Kulturtasche mitbringen, alles andere stellt der Verein. Selbst die Trainingskleidung werde gewaschen. An Spieltagen findet vormittags schon ein gemeinsames Frühstück statt. Als Lohn für die Meisterschaft ist eine gemeinsame Reise aller Beteiligten ins türkische Antalya ausgelobt, berichtet Kumcu.

Die Folge all dieser Maßnahmen ist starker Zusammenhalt und große Motivation im Kader, zu dem insgesamt 36 Spieler zählen. Im Gegensatz zu den meisten anderen C-Ligisten ist die Ersatzbank beim Türk. SV immer voll besetzt. Dem Trainer stehen mehr Möglichkeiten zur Verfügung, das Team hat oft auch die größeren Kraftreserven.

So wurden die ersten zwölf der 24 Saisonspiele allesamt gewonnen – bei 57:11 Toren. Lediglich Portugues Offenbach mit sechs Punkten Rückstand und der TSV Dudenhofen III mit weiteren zwei Zählern weniger können einigermaßen Schritt halten mit dem Türk. SV.

Über den aktuellen sportlichen Erfolg in dieser Saison hinaus verfolgt der Verein aber noch weitere Ziele. „Wir können keine eigenen Jugendmannschaften aufstellen, wollen uns aber in den JFV Seligenstadt eingliedern, weil auch immer mehr Jugendliche bei uns Mitglied werden wollen“, berichtet Kumcu. Zudem soll zur nächsten Saison eine zweite Männermannschaft und ein Alte-Herren-Team gemeldet werden.

Und der Verein bemüht sich, wieder in das Teilnehmerfeld des traditionellen Mainpokal-Turniers aufgenommen zu werden. Nachdem der Türk. SV 2011 seine Teilnahme am Mainpokal aus Personalmangel abgesagt hatte, war er nicht mehr eingeladen worden. Es war einer von insgesamt drei schweren Rückschlägen in der mittlerweile 28 Jahre zählenden Vereinsgeschichte.

Archivbilder aus der ersten Saison in der B-Liga:

Fortuna Offenbach gegen Türk. SV Seligenstadt

In den ersten 13 Jahren nach der Gründung 1990 spielte der Türk. SV mal mehr, mal weniger erfolgreich meist in der untersten Spielklasse, damals die Kreisliga B. Nach der Meisterschaft 2003 und dem Aufstieg in die A-Liga kam es am 21. September 2003 zum schwarzen Sonntag der Vereinsgeschichte. Im Derby beim SV Zellhausen kam es zu Schlägereien, Spielabbruch und Polizeieinsatz, worauf die Vereinsführung die Mannschaft umgehend vom Spielbetrieb abmeldete. Nach einem Jahr Pause folgten fünf weitere Spielzeiten in der B- und C-Liga, ehe es in der Winterpause 2010/11 zum zweiten Rückzug kam.

2013 gelang als Vizemeister der Aufstieg in die B-Liga, in der es dann zum dritten Rückschlag kam: Dreimal trat das Team aus Personalmangel nicht an, wurde daher den Statuten entsprechend im November 2014 vom Spielbetrieb ausgeschlossen und stand damit als Absteiger fest. Auch zur darauf folgenden Saison meldete der Türk. SV kein Team, erst im Sommer 2016 begann der aktuell laufende dritte Versuch, sich wirklich dauerhaft im hiesigen Amateurfußball zu etablieren.

Quelle: op-online.de

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