Kreissportgericht verschärft Strafe erheblich

24 statt acht Spiele Sperre für Kopftritt

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Mühlheim – Die Schwierigkeiten bei der Wahrheitsfindung und Suche nach einem gerechten Urteil wurden wieder einmal offenkundig bei der Verhandlung des Kreissportgerichts am Montagabend in Mühlheim über einen Tritt gegen den Kopf eines am Boden liegenden Gegenspielers. Von Stefan Moritz

Das Sportgericht hat die Sperre von acht Spielen, die zunächst ein Einzelrichter verhängt hatte, auf 24 Partien erhöht. Durch die Teilnahme an einem Konfliktlösungsseminar kann der Täter die Sperre auf 18 Spiele reduzieren. Neun Spiele Sperre hat er seit dem Vorfall Anfang Oktober bereits verbüßt. Einig waren sich die Beteiligten und Augenzeugen der Partie der Fußball-Kreisliga B Offenbach, Gruppe 2 - der Täter und ein Mitspieler von Italsud Offenbach, das Opfer, ein Mannschaftsbetreuer und ein Platzordner des TSV Dudenhofen II sowie der Schiedsrichter - dass es nach einem Zweikampf im Mittelfeld, nach dem beide Spieler zu Boden gefallen waren, zu einem Tritt gegen den Kopf des Dudenhofeners gekommen ist. Während der Täter allerdings nur beim Versuch, loszukommen, weil er festgehalten worden sei, aus Versehen getreten haben wollte, sprachen die Augenzeugen aus den Reihen des TSV Dudenhofen von einem bewussten Tritt mit Anlauf.

Unterschiedlichste Angaben machten die Augenzeugen drei Monate nach dem Vorfall in Dudenhofen darüber, ob der Tritt gegen den Kopf unmittelbar nach dem Sturz zu Boden, ein, zwei oder sogar drei, vier Sekunden später erfolgte, ob der Täter einen Schritt oder mehrere Meter Anlauf nahm und sogar, ob das Opfer am Hinterkopf oder im Gesicht getroffen wurde. Der Schiedsrichter, der auch noch die Übersicht verloren und zunächst einem falschen Spieler die Rote Karte gezeigt hatte, sagte schließlich: der Täter habe dem Opfer so gegen den Kopf getreten, wie man gegen einen Ball tritt. Im Krankenhaus wurde eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Tagelang schmerzte dem 20-jährigen Dudenhofener der Nacken, Schwindel und Übelkeit quälten ihn. Eine Woche war er arbeitsunfähig, drei Wochen lang konnte er kein Fußball spielen.

„Die Tätlichkeit an sich und dass wir den richtigen Täter haben, war ja unstrittig“, erklärte Jürgen Weil, der Vorsitzende des Kreissportgerichts, „jetzt ging es darum, die Schwere der Tat einzuordnen. Für uns war es glaubhaft, dass ausgeholt wurde. Andererseits gab es keine offen blutende Wunde, die wohl entstanden wäre, wenn mit voller Wucht zugetreten worden wäre. Daher haben wir uns bei maximal möglichen 36 Spielen Sperre für 24 entschieden.“

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Die Sportgerichtsbarkeit des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) insgesamt gab in dieser Angelegenheit allerdings kein gutes Bild ab. Das Einzelrichterurteil von acht Spielen Sperre war zunächst von HFV-Justitiar Benjamin Koch für rechtmäßig erklärt worden. Dann aber hatte das HFV-Präsidium dieses Urteil doch aufgehoben und die nun geschehene Überprüfung durch das Kreissportgericht angeordnet, ob alle Umstände ausreichend berücksichtigt worden seien. Gegen dieses Urteil kann nun noch eine Woche lang Berufung eingelegt werden.

Parallel läuft weiter eine Strafanzeige des Opfers gegen den Täter wegen gefährlicher Körperverletzung. Auf diesem Weg droht dem Täter noch eine weitere gravierende Strafe. Erst im September hat das Landgericht Darmstadt ein Urteil des Amtsgerichts Langen bestätigt, wonach zwei Spieler des FC Maroc Offenbach für gravierende Tätlichkeiten auf dem Fußballplatz in einem Spiel beim SV Dreieichenhain aus dem September 2016 wegen gefährlicher Körperverletzung mit Geldstrafe von 1050 Euro, beziehungsweise einem Jahr Gefängnis auf Bewährung bestraft wurden.

Quelle: op-online.de

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