3. Liga

Spiel wird zwischen den Ohren entschieden

Bereit fürs große Wiedersehen: Michael Malik (mit Ball gegen den TV Kirchzell) gastiert mit der HSG Hanau bei seinem Ex-Klub MSG Groß-Bieberau/Modau, für den er 21 Jahre lang spielte. Foto: scheiber
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Bereit fürs große Wiedersehen: Michael Malik (mit Ball gegen den TV Kirchzell) gastiert mit der HSG Hanau bei seinem Ex-Klub MSG Groß-Bieberau/Modau, für den er 21 Jahre lang spielte.

Spitzenspiel in der 3. Handball-Liga: Die HSG Hanau (3. ) trifft am Freitag auf den verlustpunktfreien Spitzenreiter MSG Bieberau/Modau. Dabei kommt es zum Wiedersehen langjähriger Weggefährten.

Offenbach – MSG Bieberau/Modau - HSG Hanau (Fr., 20 Uhr). Der Dritte gastiert beim Tabellenführer. Hanau ist seit vier Spielen ungeschlagen, Bieberau/Modau hat sich bislang komplett schadlos gehalten. Doch mit dem Begriff Spitzenspiel kann Oliver Schulz nur bedingt etwas anfangen. „Das mag vielleicht für die Tabelle gelten, aber wir sind erst am sechsten Spieltag“, betont der HSG-Trainer.

Und doch ist es eine Partie mit besonderer Brisanz. Das weiß auch Schulz, der sein Team mit einem „diesmal etwas längeren Videostudium“ auf den Gegner vorbereiten wird. Seine Eindrücke: „Das ist eine sehr starke Mannschaft, die eine Riesenrunde spielt und mit Maximilian Bettin personell noch mal nachgelegt hat.“ Selbst wenn der frühere Bundesligaspieler noch etwas Zeit brauche, sei dies ein deutlicher Qualitätsschub. Das Understatement des Tabellenführers kann Schulz daher kaum nachvollziehen. Für ihn steht fest: „Dort hängen die Trauben sehr hoch, wir müssen einen sehr guten Tag erwischen“.

Doch wie der „einmaligen Verteidigung“ und den starken Einzelkönnern wie etwa dem Kroaten Janko Kevic begegnen? „Wir müssen ihren Aktionsradius im Rückraum einschränken und die richtige Derbymentalität an den Tag legen. So ein Spiel wird oft zwischen den Ohren entschieden“, meint Schulz, der weiß, dass es für einen HSG-Spieler besonders prickelnd wird. Zugang Michael Malik ist ein Groß-Bieberauer Eigengewächs, spielte zuvor 21 Jahre bei den „Falken“, ehe er im Sommer nach Hanau wechselte. Der Rückraumakteur mit der Trikotnummer 66 überzeugte zuletzt mit einer perfekten Ausbeute bei Siebenmetern. „Klar haben wir über das eine oder andere gesprochen. So lassen sich vielleicht noch ein paar Prozent mehr rauskitzeln“, sagt Schulz. „Michi soll ja nach dem Spiel strahlen.“

Das wollen natürlich auch die früheren Hanauer im Trikot der „Falken“. Von denen läuft am Freitag gleich ein Quartett auf, was dem Spiel zusätzliche Würze verleiht. Robin Marquardt, Eric Schaeffter, Robin Büttner und Lucas Eisenhuth trugen einst das HSG-Trikot. Eisenhuth und Simon Brandt kennt Schulz noch gut aus seiner Zeit bei der SG Rot-Weiß Babenhausen. „Das sind zwei feine Jungs, die ich lange trainiert habe. Der eine ist der perfekte Schwiegersohn, der andere ist mehr eine Labertasche. Ich verrate aber nicht, wen ich jetzt genau meine“, lacht Schulz.

Die sportliche Entwicklung des Duos beim Konkurrenten freut den früheren Förderer. „Sie haben das Potenzial, in der 3. Liga mitzuhalten und fallen nicht hinten herunter. Das ist schon mal gut. Aber am Freitag kenne ich die beiden erst wieder nach der Schlusssirene.“

Ausfälle neben den Langzeitverletzten Jan-Eric Ritter, Daniel Wernig und Jannik Ruppert wird es am Freitag nicht geben. „Da schalten wir in den Derby-Modus und kämpfen uns schon durch die Wehwehchen“, blickt Schulz voraus.

TV Kirchzell - HSG Rodgau Nieder-Roden (Fr., 20.30 Uhr). Nieder-Roden kommt mit der Empfehlung von vier Partien ohne Niederlage nach Unterfranken. Dagegen sammelte Aufsteiger Kirchzell aus fünf Begegnungen erst ein mageres Pünktchen. „Das aber hat in dieser Liga nichts zu sagen“, weiß Jan Redmann.

Der Nieder-Rodener Trainer hat Respekt vor der jungen Kirchzeller Mannschaft, die mit ihrem kleinen Kader „sehr diszipliniert auftritt, dynamischen und schnellen Handball spielt“, sagt er. Und aus seinen doch begrenzten Möglichkeiten – ähnlich wie Nieder-Roden – eine Menge macht.

Abgesehen von der Klatsche gegen Leutershausen (24:34) waren die bisherigen Partien des Aufsteiger stets eine enge Kiste. In Hanau unterlagen die Unterfranken mit vier Toren Unterschied (18:22), in Gelnhausen mit einem Tor (22:23), gegen Großsachsen mit zwei Treffern (29:31). Ihren bisher einzigen Punkt holten die Kirchzeller am ersten Spieltag mit dem 27:27 vor eigenem Publikum gegen Northeim. „Der TV steht unter Druck. 1:9 Punkte, nun ein weiteres Heimspiel. Die werden gegen uns alles in die Waagschale werfen, um erfolgreich zu sein“, erwartet Redmann einen bis in die Haarspitzen motivierten Gegner.

Doch die Nieder-Rodener werden sich nicht verstecken. Obwohl in Michael Weidinger, Timo Kaiser, Alexander Weber und Niklas Geck vier Stammkräfte längerfristig ausfallen – und in Tim Henkel ein langjähriger Stammspieler seien Karriere beendet hat – sind die Rodgauer noch ungeschlagen. „Wir wollen genau so konzentriert spielen wie zuletzt“ sagt Redmann. Das ist aber aktuell nicht das einzige, was das erfolgreiche Spiel der Rodgauer ausmacht. „Wir wollen auch die Freude und den Spaß beibehalten“, sagt Redmann rückblickend auf den 29:26-Sieg gegen Eintracht Baunatal am vergangenen Spieltag, als die HSG die Nordhessen mit einer Energieleistung und viel Spielfreude niederkämpfte. Personell wird es bei den Nieder-Rodenern keine Veränderungen geben. Einzig Ketil Horn, der am vergangenen Wochenende bei den TVG-Junioren im Einsatz war, wird dank seines Doppelspielrechtes den Kader der Baggerseepiraten verstärken.  jp/leo

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