0:3-Wertung und drei Punkte Abzug im Abstiegskampf

Kreisliga A2: Spielabbruch wird Rot-Weiß Offenbach angelastet

Das Sportgericht des Fußballkreises Offenbach hat am Montagabend in einer dreieinhalbstündigen Marathonsitzung versucht, die Vorkommnisse rund um den Spielabbruch in der Partie der Kreisliga A Offenbach 2 zwischen Rot-Weiß Offenbach und der TuS Klein-Welzheim aufzuklären.

Offenbach – Nach einer Vielzahl von Zeugenvernehmungen ist das Sportgericht zu dem Schluss gekommen, dass der Spielabbruch berechtigt war und Rot-Weiß dafür verantwortlich zu machen sei. Das Spiel soll daher 3:0 für Klein-Welzheim gewertet und Rot-Weiß als Verursacher zusätzlich mit dem Abzug von drei Punkten und 250 Euro Geldstrafe belegt werden. Rot-Weiß hat aber angekündigt, Widerspruch einzulegen, das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig. .

Durch dieses Urteil würde sich Klein-Welzheim mit dann elf Punkten vom letzten auf den drittletzten Tabellenplatz verbessern, der am Saisonende den Klassenerhalt bedeuten würde. Rot-Weiß Offenbach wäre mit nur noch sechs Punkten neues Schlusslicht der Liga, der FC Maroc (10 Punkte) würde auf den Relegationsplatz abrutschen.

Das Spiel vom 10. März hatte eine besondere Brisanz nicht nur aus der Tabellenkonstellation bezogen, sondern zusätzlich aus dem Umstand, dass Trainer Andreas Hock Rot-Weiß verlassen und in der Winterpause in Klein-Welzheim angeheuert hatte und Oliver Komo als Co-Trainer mitgenommen hat, der Rot-Weiß nach 14 Jahren im Unfrieden verlassen hatte. Beide kehrten nun gleich im ersten Spiel nach der Winterpause mit ihrem neuen Verein zurück zu diesem Schlüsselspiel um den Klassenerhalt.

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Rot-Weiß Offenbach feiert die Meisterschaft: Bilder

Dabei herrschte dann, wie von beiden Seiten berichtet wurde, eine allgemeine Atmosphäre von Provokationen und Beleidigungen. In der 86. Minute ging Klein-Welzheim 3:2 in Führung. Kurz darauf flog ein Gästespieler auf dem Hartplatz an der Mühlheimer Straße nach einem Zweikampf ins Seitenaus und landete schmerzhaft auf Betonboden und am Begrenzungszaun. Mehrere Rot-Weiß-Spieler rannten hinzu und versuchten, ihn auf die Beine zu ziehen, um eine längere Unterbrechung des Spiels zu verhindern.

Dies sah der Klein-Welzheimer Ersatztorwart, der bereits auf dem Weg in die Umkleidekabine war, rannte hinzu und schlug einen Rot-Weiß-Spieler, der ihm im Weg stand. Dieser rastete darauf nach eigenen Worten aus, schlug zurück und in der Folge auch noch einen weiteren Klein-Welzheimer Spieler und wurde daraufhin vom Schiedsrichter mit der Roten Karte des Feldes verwiesen.

Tumultartige Szenen auf dem ganzen Platz

Jetzt kam es aber noch auf dem gesamten Platz zu tumultartigen Szenen. Keine Massenschlägerei, aber Scharmützel, Schubsereien, Beleidigungen und Bedrohungen. Die Übeltäter konnten im Nachhinein in der Sportgerichtsverhandlung nicht mehr identifiziert werden. Die tumultartigen Szenen dauerten aber nach übereinstimmenden Angaben länger als fünf Minuten an, nach denen der Schiedsrichter sich nicht mehr in der Lage sah, das Spiel fortzusetzen. Schließlich kam auch noch die zu Hilfe gerufene Polizei mit mehreren Fahrzeugen, da aber hatten sich alle Gemüter wieder beruhigt.

„Entscheidend war für uns, dass nach den ersten Tätlichkeiten und der Roten Karte nichts weiter hätte passieren müssen, wenn alle besonnen reagiert hätten. Das ist vor allem den Rot-Weißen nicht gelungen“, erklärte Jürgen Weil, der Vorsitzende des Sportgerichts, warum nicht die Aktion des Klein-Welzheimer Ersatztorwarts, sondern erst die danach Rot-Weiß Offenbach zuzuschreibenden tumultartigen Szenen als Ursache für den Spielabbruch beurteilt wurden. Hinzu kam, dass Rot-Weiß den für Heimvereine vorgeschriebenen Ordnungsdienst nicht eingehalten hat. Es war nach übereinstimmenden Zeugenaussagen niemand mit einer Armbinde als Platzordner gekennzeichnet und es hat offenbar auch niemand beruhigend eingegriffen.

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Der Klein-Welzheimer Ersatztorwart, von dem sich die TuS nach diesen Vorkommnissen getrennt hat, wurde wegen einer Tätlichkeit für sechs Spiele gesperrt, der Rot-Weiß-Spieler, der zurückgeschlagen und anschließend auch noch einen anderen Klein-Welzheimer geschlagen hat, wegen mehrfacher Tätlichkeiten für zwölf Spiele.

„Was da passiert ist, habe ich in 40 Jahren noch nicht erlebt“, sagte Frank von der Wege, Fußball-Abteilungsleiter der TuS Klein-Welzheim: „Wir haben uns überhaupt nicht mehr sicher gefühlt. Wir überlegen, ob wir jemals wieder zu einem Spiel bei Rot-Weiß antreten würden.“

Rot-Weiß Offenbach will das Urteil nicht akzeptieren. „Wir werden Widerspruch einlegen“, kündigte der Rot-Weiß-Vorsitzende Farzad Alidousti an: „Auslöser des Spielabbruchs war der Klein-Welzheimer Ersatztorwart und nicht wir. Und die Klein-Welzheimer haben gelogen und sich abgesprochen. So geht das nicht.“

Von Stefan Moritz

Quelle: op-online.de

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