Als es in Stadt und Kreis Offenbach noch drei griechische Fußballklubs gab

Spielvorbereitung mit Souvlaki-Spießen

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„Das war wie eine große Familie“, erinnert sich Terry Tzanis (im weißen Shirt mit nach vorne ausgestreckten Armen) an seine Zeit beim BSC Hellas Offenbach. 1995/96 stieg er als Spieler mit dem Team in die Bezirksliga auf.

Es ist ein Satz aus dem November 1994, der Terry Tzanis heute schmunzeln und zugleich zustimmend nicken lässt.

Offenbach – „Die Griechen spielen einen herzerfrischenden Angriffsfußball, haben aber des Öfteren Probleme mit ihrer Abwehr“ – das hatte unsere Zeitung damals über den BSC Hellas Offenbach geschrieben. Tzanis war seinerzeit Teil der Mannschaft und sagt über diese Einschätzung: „Wir hatten Leute, die richtig gut kicken konnten, haben damals aber nur in der Kreisliga A beziehungsweise später in der Bezirksliga gespielt. Uns hat ein bisschen was gefehlt, ein Quäntchen Glück und eventuell auch etwas Disziplin. Wir waren keine Trainingsweltmeister, haben uns sonntags zum gemeinsamen Kicken getroffen. “.

An den Übungseinheiten unter der Woche nahmen oft „nur fünf bis acht Leute“ teil, so Tzanis. „Darüber muss ich heute den Kopf schütteln. Ich habe großen Respekt vor den Trainern, die das mitgemacht haben.“ Missen will der 46-Jährige das alles dennoch auf keinen Fall. „Wir haben in einer anderen Zeit Fußball gespielt“, meint er, und lässt dabei durchblicken, dass ihm früher einiges besser gefallen hat. Der Spaß und die Geselligkeit standen im Vordergrund – und beim BSC Hellas Offenbach vor allem das Angriffsspiel. Die Griechen hatten zahlreiche gute Offensivkräfte in ihren Reihen, Tzanis war eine davon. Die Defensive wurde jedoch gerne mal vernachlässigt.

Neben dem BSC Hellas Offenbach gab es damals im SV Aris Offenbach (Bezirksliga, wie der BSC Hellas 1983 gegründet) sowie Hellas Dietzenbach (B-Liga West) zwei weitere griechische Vereine in Stadt und Kreis Offenbach. Schließlich gilt die Region als eine Art hellenische Hauptstadt. Nirgendwo in Deutschland ist die Griechen-Dichte höher als in Offenbach. Umso verwunderlicher ist es daher, dass die drei Vereine komplett von der Bildfläche verschwunden sind, auch wenn sie damit keine Ausnahme bilden. Der Blick auf die Tabellen im November 1994 zeigt alleine in den Spielklassen des Fußballkreises Offenbach fast 20 Klubs, die es inzwischen nicht mehr gibt. Nicht berücksichtigt sind die Teams, die fusioniert haben und nun unter anderem Namen spielen.

Tzanis macht für diese Entwicklung vor allem den gesellschaftlichen Wandel verantwortlich. „Wir haben uns 90 Minuten auf dem Platz gefetzt und danach gemeinsam ein Bierchen getrunken“, erzählt er. Doch das Miteinander habe immer mehr nachgelassen – auch innerhalb der Vereine. Der finanzielle Aufwand sei natürlich ein bedeutender Aspekt. „Aber viele engagieren sich auch nicht mehr, weil sich die Interessen geändert haben. Zudem gibt es immer weniger Dankbarkeit.“

Der einstige Offensivmann, der in der Jugend für Kickers Offenbach und später für die TSG Neu-Isenburg spielte, erklärt das Problem am Beispiel der griechischen Klubs. Beim SV Aris Offenbach, für den seit Vater aktiv war, trainierte er als Jugendlicher mit. Mit dem BSC Hellas Offenbach gelang ihm als Spieler in der Saison 1995/96 der Aufstieg in die Bezirksliga. „Der BSC Hellas Offenbach hatte mehr als 300 Zuschauer. Das war wie eine große Familie“, berichtet Tzanis. „Nach Spielen haben wir in griechischen Cafes zusammengesessen und alles analysiert. Handys gab es kaum, Facebook und Twitter gar nicht. Vor Spielen haben wir mit dem Vorstand Souvlaki-Spieße zubereitet. So etwas findet man heute nicht mehr.“

Obwohl der BSC Hellas Offenbach keineswegs nur griechische Mitglieder hatte (Tzanis: „Zum Schluss waren dort alle Kulturen vertreten“), gingen dem Klub mit der Zeit die Spieler und Funktionäre aus. Dem SV Aris Offenbach und Hellas Dietzenbach erging es ähnlich. „Irgendwann wurde jeder mal erwachsen und ist seinen Weg gegangen. Für einige hatten Familie oder Beruf Vorrang, andere haben den Verein gewechselt.“ Ein Zusammenschluss war offenbar kein ernsthaftes Thema.

Über die Gründe dafür, dass es in Stadt und Kreis Offenbach lange keinen griechischen Klub gab, kann Tzanis nur spekulieren: „Es hat sich eventuell keiner getraut, einen neuen Verein zu gründen.“ Das änderte sich erst 2016. Sechs Jahre nach dem Aus für den BSC Hellas und fast 20 Jahre nach dem Ende des SV Aris bekam die Stadt Offenbach wieder einen griechischen Sportverein: den FC Asteras. Fußball wird dort jedoch bislang nur in der Hallenvariante Futsal gespielt. Es gibt zwei Aktiventeams, eine Jugendmannschaft und eine Basketball-Abteilung. Tzanis: „Die Jugendlichen nehmen das an. Chapeau für die Arbeit, die dort geleistet wird.“

VON CHRISTIAN DÜNCHER

Quelle: op-online.de

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