Tradition reicht nicht in der Bundesliga

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Der 36-jährige frühere Bundesligaspieler Uli Wolf ist seit Januar 2010 Manager beim TV Großwallstadt.

Offenbach - Halbzeit in der Handball-Bundesliga: Der TV Großwallstadt liegt mit 15:21 Punkten auf Platz zehn. Im Interview zieht TVG-Manager Uli Wolf Bilanz. Von Christian Düncher

Uli Wolf, Ihr Zwischenfazit nach 18 Ligaspielen?

Ich bin zufrieden. Uns war klar, dass wir unsere Punkte im Dezember machen müssen - das hat die Mannschaft sensationell umgesetzt.

Entspricht Platz zehn dem Potenzial der Mannschaft?

Wir haben die Hinrunde trotz Verletzungen gut überstanden. Wenn die Mannschaft in der Rückrunde ähnlich gut spielt, kann sie auch am Saisonende auf diesem Platz stehen.

Wie beruhigend ist das Polster auf die Abstiegsplätze?

Wir hatten ein verdammt schweres Programm, haben kaum Spiele verloren, die wir hätten gewinnen müssen. Dennoch standen wir bis zum Dezember im Tabellenkeller. Wichtig war, dass wir die Nerven behalten haben - das Umfeld, der Verein und letztlich die Mannschaft.

Nachdem der TVG bereits vergangene Saison einige Stammkräfte ziehen lassen musste, haben in Kneer und Tiedtke zwei weitere wichtige Spieler ihren Abgang angekündigt. Steht der TVG vor dem Ausverkauf?

Was heißt Ausverkauf? Die Handball-Bundesliga ist ein Profigeschäft, in dem es immer seltener wird, dass Spieler lange in einem Verein tätig sind. Jetzt wechseln zwei Spieler den Verein und schon spricht man von Ausverkauf. Wenn ein Spieler wechseln will, können die Gründe vielfältig sein - von neuen sportlichen Herausforderungen bis zu wirtschaftlichen Erwägungen. Natürlich verlieren wir mit Kneer und Tiedtke zwei Spieler, die seit Jahren beim TVG spielen. Aber wir stehen schon in Gesprächen mit möglichen Zugängen.

Der TVG muss kleinere Brötchen backen, Gummersbach droht der Abstieg: Geht die Zeit der einst erfolgreichen Dorfvereine in der Bundesliga zu Ende?

Gummersbach und Großwalstadt sind die Traditionsvereine in der stärksten Liga der Welt. Aber diese Tradition alleine reicht nicht. Es müssen wirtschaftliche Voraussetzungen geschaffen werden, um zu bestehen. Man sieht aber auch, was alles möglich ist: Vergangenes Jahr waren wir und auch der VfL in den Europacupfinals.

Viele Klubs müssen sparen, ist das eine Chance für den Nachwuchs?

Der TVG setzt mit seiner Junioren-Akademie auf den eigenen Nachwuchs. Spieler wie Maas, Liebald, Wolff, Eisenträger und Kaufmann sind bereits im Kader. Sicher ist der Abstand zwischen Jugend und Bundesliga sehr groß. Die Jungs brauchen noch Zeit. Aber diese Möglichkeiten haben sie beim TVG. Wer es schafft, sich in der Bundesliga zu etablieren, steht in den Sternen. Ich glaube, alle können es schaffen.

Quelle: op-online.de

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