Spielabbruch nach Tumulten von Neun- und Zehnjährigen

Tritte und Faustschlag bei E-Jugend

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Offenbach - Ein Spielabbruch in einem Fußballmatch zwischen E-Jugendlichen ist ungewöhnlich genug. Dass eine Partie zwischen Neun- bis Zehnjährigen wegen Tritten und gezielter Faustschläge auf dem Spielfeld abgebrochen wird, dürfte ein Novum sein und beschäftigt nun den Rechtsausschuss des Fußballkreises Offenbach. Von Jörg Moll 

Den 3. Dezember 2016 wird Nourdin Alhamdi so schnell nicht vergessen. Der Trainer der E-Jugend des JFV Dreieichenhain-Götzenhain II ist noch immer schockiert über die Vorfälle, die sich beim Spiel seiner E-Jugend in der Kreisklasse Gruppe 4 beim VfB Offenbach zugetragen haben. Bei einer 3:1-Führung erhielt sein Team einen Strafstoß zugesprochen, nachdem die Lage völlig eskaliert sein soll, wie aus einer schriftlichen Beschwerde des Jugendfußballvereins (JFV) an den Klassenleiter Thomas Achenbach und den Schiedsrichterausschuss hervorgeht. Nach dem Foul an einem Dreieicher soll ein Offenbacher den am Boden liegenden Kontrahenten getreten haben. Den um Schlichtung bemühten JFV-Kapitän habe der VfB-Spieler dann mit einem gezielten Faustschlag niedergestreckt. Alhamdi bestätigte das. „Das hat im Fußball nichts zu suchen, dieser Junge soll zum Karate gehen“, sagte er.

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„Es gibt Eltern, die zu viel wollen“

Noch mehr schockierte ihn das Verhalten der Eltern und Betreuer, die mit Schimpfworten und höhnischem Gelächter reagierten. „Zu keiner Zeit gab es Versuche, die Situation zu beruhigen“, berichtete er, räumte aber auch selbst Fehler ein: „Ich mache mir den Vorwurf, das Spiel nicht umgehend abgebrochen zu haben.“ Stattdessen pfiff die junge Schiedsrichterin die Partie erneut an. Das Geschehen blieb hitzig, selbst nachdem der VfB die Partie zum 4:3 gedreht hatte. „Meine Spieler hatten Angst, deshalb brach ich das Spiel doch vorzeitig ab“, erzählt Alhamdi: „Einige haben gezittert und geweint.“

Andreas Magel, Jugendleiter des VfB, hat Kenntnis vom Spielabbruch und arbeitet mit E-Jugendtrainer Petros Yalouris, der später zum Spiel kam und die Eskalation nicht selbst miterlebte, an einer Stellungnahme für den Kreisrechtsausschuss. Yalouris dürfte darin auch beschreiben, dass laut Aussagen von Eltern ein Vater eines JFV-Spielers aufs Feld gestürmt sei und den foulenden Offenbacher „geschüttelt“ habe. „Es sind heftige Vorwürfe“, räumt Magel ein: „Aber dass es Schläge und Tritte gegeben haben soll, entzieht sich bislang meiner Kenntnis.“ Ein Treffen mit Spielern und Eltern soll für weitere Aufklärung sorgen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, kündigte der Jugendleiter Schritte an: „Dann werden wir mit aller Konsequenz dagegen vorgehen. So etwas gehört nicht auf den Fußballplatz.“

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Alhamdi hat nach einer Aufarbeitung mit Eltern und Spielern Konsequenzen gezogen. Bei Heimspielen seines Teams dürfen künftig keine Eltern mehr in den Kabinentrakt. Zuschauer müssen einen Schutzabstand von 15 Metern zum Spielfeld akzeptieren. Das wird in der Fairplay-Liga bei G- und F-Jugendlichen mit Erfolg praktiziert. Dort regeln Spieler mit Trainern das Geschehen selbst. In der E-Jugend setzt der Fußballkreis Offenbach erstmals Schiedsrichter ein, meist sehr junge. Magel begrüßt das: „Wir sind froh, dass sich junge Schiedsrichter finden, die so ihre Erfahrungen sammeln können.“

Quelle: op-online.de

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