Amateurfußball

Türk. SV Seligenstadt: Nach zehn Abgängen gehen die Lichter aus

Da war die Welt noch in Ordnung beim Türk. SV Seligenstadt: 2019 wurde das Team Meister der Kreisliga C Offenbach 2.
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Da war die Welt noch in Ordnung beim Türk. SV Seligenstadt: 2019 wurde das Team Meister der Kreisliga C Offenbach 2.

Der Fußball-B-Ligist Türk. SV Seligenstadt meldet sich vom Spielbetrieb ab. Zur Saison 2022/23 ist der dann bereits vierte Neustart geplant.

Seligenstadt – Im Sommer 2019 war die Welt noch in Ordnung beim Türkischen Sportverein Seligenstadt. Drei Jahre nach dem Neustart in der untersten Spielklasse, der Kreisliga C, war dem Fußballteam unter der Führung von Trainer Bayram Tunc die Meisterschaft und der Aufstieg in die B-Liga gelungen.

Dieser Aufstieg sollte nur der Anfang sein. Mit mehreren höherklassig erfahrenen Spielern sollte auch in der B-Liga für Aufsehen gesorgt werden. Nach sieben Siegen, fünf Remis und ebenso vielen Niederlagen stand der Türk. SV immerhin auf Rang acht, als die Saison 2019/20 pandemiebedingt zunächst unter- und dann abgebrochen wurde. Sogar noch besser lief der Start in die Spielzeit 2020/21 mit sechs Spielen ohne Niederlage, die Rang zwei bedeuteten, als es dann aber im November vergangenen Jahres zunächst zur neuerlichen pandemiebedingten Saisonunterbrechung und schließlich zum Abbruch kam.

Nun aber sind die Lichter komplett ausgegangen beim Türk. SV Seligenstadt, zur neuen Saison hat sich der Verein vom Spielbetrieb abgemeldet. „Wir haben keine Mannschaft mehr. Zehn Spieler haben uns kurzfristig vor dem Ende der Wechselperiode am 1. Juli verlassen, jetzt reicht es nicht mehr, um eine Saison durchzuziehen“, sagt Erdinc Özbek, der zuletzt noch im Vorstand aktiv war. Bereits zum Jahreswechsel war Trainer Bayram Tunc (mittlerweile Türk Gücü Hanau) zurückgetreten, aus gesundheitlichen Gründen, wie er sagt: „Ich musste mich einer schweren Knieoperation unterziehen, danach vier Monate Reha. Damals hieß es ja noch, dass die Saison vielleicht im März doch fortgesetzt werden sollte. Das konnte ich nicht leisten.“ Mit ihm zog sich auch sein Vater, Präsident und Mäzen zurück.

Geradezu das Herz brechen diese Vorgänge Ergün Kumcu und Orhan Demir, die in den Jahren 2015 und 2016 maßgeblich den damals schon dritten Neustart des 1990 gegründeten Vereins betrieben hatten, endlich etwas Nachhaltiges aufbauen und sogar Jugendmannschaften gründen wollten. „Dass jetzt wieder alles zusammenbricht, ist extrem bitter“, sagt Kumcu, „aus meiner Sicht sind auch Versprechen gebrochen worden. Das war leider alles heiße Luft.“

Demir hat sich als Reaktion für ein neuerliches Engagement entschieden. „Ich werde andere Sponsoren finden und kenne auch genug Spieler, die kommen werden, aber für diese Saison hat die Zeit nicht gereicht“, sagt er. Für die Saison 2022/23 plant er aber einen neuerlichen Neustart beim Türk. SV Seligenstadt. Es würde der Vierte.

In den ersten 13 Jahren nach der Gründung 1990 spielte der Türk. SV mal mehr, mal weniger erfolgreich meist in der untersten Spielklasse, damals die Kreisliga B. Nach der Meisterschaft 2003 und dem Aufstieg in die A-Liga kam es am 21. September 2003 zum schwarzen Sonntag der Vereinsgeschichte. Im Derby beim SV Zellhausen kam es zu Schlägereien, Spielabbruch und Polizeieinsatz, worauf die Vereinsführung die Mannschaft umgehend abmeldete.

Nach einem Jahr Pause folgten fünf weitere Spielzeiten in der B- und C-Liga, ehe es in der Winterpause 2010/11 zum zweiten Rückzug kam. Und in der Saison 2014/2015 wurde der Verein nach dreimaligem Nichtantreten den Verbandsstatuten entsprechend vom Spielbetrieb ausgeschlossen und zum Abstieg gezwungen, woraufhin es schon damals ein Jahr bis zur Neugründung einer spielfähigen Mannschaft 2016 gedauert hatte. (Von Stefan Moritz)

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