TVG will Europacup-Schmach tilgen

Großwallstadt - Der siebenmalige deutsche Handball-Meister TV Großwallstadt pendelt seit Jahren zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die erste Europacup-Teilnahme seit 2007 bietet beste Gelegenheit, das Image des Bundesligisten unter dem neuen Coach Michael Biegler aufzupolieren.

Die erste Europapokal-Teilnahme seit 2007 weckt Hoffnungen und schlimme Erinnerungen beim Handball-Bundesligisten TV Großwallstadt zugleich. „Die Erstrundenpleite damals gegen das ukrainische Team Juschne hängt immer noch im Hinterkopf. Das wird man so schnell nicht wieder los. Wenn wir wieder in der Auftaktrunde ausscheiden würden, wäre das schon extrem blamabel“, mahnt der TVG-Aufsichtsratsvorsitzende Georg Ballmann vor dem EHF-Cup-Auftakt gegen Hafnarfjördur Reykjavik (Samstag, 19.00 Uhr) in der Elsenfeld-Arena.

Die Isländer sind schon ein renommierter Gegner und der EHF-Cup ist nicht einfach so abzutun. Die haben sich gut entwickelt und vier Eckpfeiler aus der Nationalmannschaft in einem homogenen Team mit Erfahrung, Jugendstil und Struktur. Aber wir wollen unbedingt eine Runde weiter“, sagt Coach Michael Biegler. „Wir wollen auf drei Hochzeiten tanzen und in allen Kategorien Bestmögliches erreichen.“

Verletzungspech nach gelungenem Bundesliga-Auftakt

Unter der Arbeit des 49-jährigen Diplomsportlehrers beeindruckte der Tabellenachte der Vorjahressaison mit 12:4 Punkten zum Bundesliga-Auftakt. Aber seitdem das Verletzungspech die kontinuierliche Arbeit behindert, haben Niederlagen wie gegen den HSV, Kiel oder die Rhein-Neckar Löwen auch deutlich gemacht, dass das Potenzial noch nicht reicht, um in der Bundesliga oben anzugreifen. Die Frage nach der Standortbestimmung, so Ballmann, stelle sich aber erst im Dezember.

Nationalspieler Stefan Kneer hat sich jüngst einen Bandscheibenvorfall zugezogen und kann auf keinen Fall gegen die Isländer spielen. Regisseur Oliver Köhrmann ist seit Anfang November ebenfalls außer Gefechtm, Csaba Szücs (Prellung) und Jens Tiedkte (Muskelprobleme) können nicht trainieren. Das Trio soll aber die Zähne zusammenbeißen und spielen. „Selbst wenn die Verletzungen wieder aufbrechen sollten“, betonte Ballmann.

Chance, internationale Erfahrung zu sammeln

Ich bin ja durchaus froh, dass wir erst das Heimspiel haben, obwohl viele glauben, das sei eher negativ. Hoffentlich kann sich unser Personalstand bis zum Rückspiel am 28. November erholen“, ergänzte Biegler. „EC-Spiele bieten die Chance, internationale Erfahrung zu sammeln. Das bringt alle unheimlich viel weiter. Sie sollen lernen. Aber wir können durch die Abwesenheit der Verletzten kaum Fehler gemeinschaftlich aufzuarbeiten“, erklärte Biegler.

Der ehemalige Co-Trainer der DHB-Auswahl war erst im Januar vom SC Magdeburg zum TVG gekommen und hat erstmals die gesamte Vorbereitung geplant. „Die Spieler müssen sich ihr eigenes Vertrauen im Europacup wieder holen, das ist die beste Gelegenheit“, meinte der Coach, der sich aus Mangel an Personal zu Wochenbeginn kurzfristig mit dem Zweitligisten HSG Rhein-Main Frankfurt zum gemeinsamen Training verabredete.

Unterm Strich wird beim Europacup nicht draufgelegt

Unternehmer Ballmann hat das Auf- und Ab des siebenmaligen deutschen Handball-Meisters Großwallstadt an vorderster Front über Jahrzehnte verfolgt. Die Dominanz des TVG mit dem Superjahr 1980 als deutscher Meister, Europacupsieger der Landesmeister, DHB-Pokalsieger und Supercupsieger ist Geschichte. Ballmann gelingt es aber immer wieder, in der Region um Aschaffenburg und dem Hinterland am Main für Sponsoren Reize zu setzen und damit Finanzmittel für den Club zu gerieren. „Jedenfalls legen wir unterm Strich beim Europacup nicht drauf“, meinte der oberste Chefkontrolleur des TVG. In den Sponsorenverträgen seien entsprechende Passagen verankert.

Rainer Fülscher, dpa

Quelle: op-online.de

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