Amateur-Fußball

„Unser Vorteil sind weniger Zuschauer“

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Kreisfußballwart Jörg Wagner

Der Offenbacher Kreisfußballwart Jörg Wagner hat sich Fragen zum Thema Rassismus im Amateurfußball gestellt.

Offenbach – Der 51 Jahre alte Froschhausener erklärt, warum Rassismus hier nicht so stark vorhanden sei wie andernorts, die Vorteile des Amateurfußballs gegenüber dem Profifußball und Maßnahmen zur aktiven Bekämpfung rassistischer Vorurteile.

Herr Wagner, zuletzt sorgten gleich mehrere Fälle von Rassismus im Profifußball für Aufsehen. Gab es rassistische Vorfälle auch auf Amateurebene im Fußballkreis Offenbach?

Nein, da ist mir nichts Gravierendes bekannt.

Heißt das, im Fußballkreis Offenbach ist Rassismus kein Thema?

Das würde ich so nicht sagen. Bei uns wird ja aus fast jedem Spiel wegen der vielen von verschiedenen Nationalitäten geprägten Vereine ein Länderspiel gemacht, wenn ein türkischer Klub gegen einen deutschen spielt oder ein spanischer gegen einen italienischen. Da ist dann schon immer eine gewisse Voreingenommenheit vorhanden. Aber Rassismus ist bei uns auch deshalb nicht so verbreitet, weil im Grunde in jeder Mannschaft Spieler mit Migrationshintergrund spielen, ohne die die Teams gar nicht spielfähig wären.

Im Profifußball gibt es einen Drei-Stufen-Plan, der bei rassistischen Vorfällen angewendet werden soll: Lautsprecherdurchsage, Spielunterbrechung, Spielabbruch. Gibt es entsprechende Anweisungen auch für die Schiedsrichter im Amateurberreich?

Die Schiedsrichter sollen auf jeden Fall einschreiten, wenn sie rassistische Beleidigungen hören. Auch Spielabbrüche sind möglich, wenn die Vorfälle so gravierend wären, dass das Spiel nicht geregelt fortgesetzt werden kann. Aber im Gegensatz zum Profifußball haben wir natürlich den Vorteil, dass wir bei weitem nicht so viele Zuschauer haben.

Sehen Sie Möglichkeiten, als Fußballkreis zur Bekämpfung von Rassismus beizutragen?

Wir tragen die Werte des Hessischen Fußball-Verbandes, der Rassismus und Diskriminierung in jeder Form entschieden ablehnt, bei jeder Gelegenheit nach außen. Beispielsweise richtet sich unsere Einführung des Trainerpasses, das damit verbundene bessere Kennenlernen der Trainer aller unserer Vereine, nicht nur gegen Gewalt, sondern natürlich auch gegen Rassismus und Vorurteile. Unsere Aufgabe und Verpflichtung dabei ist uns vollauf bewusst. Auch alle Vereine im Kreis teilen diese Werte.

Das Gespräch führte Stefan Moritz

Quelle: op-online.de

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