Acht Senioren halten Areal in Schuss und den Fußballverein am Leben / Arbeitsgruppe Alte Herren:„Normalerweise sagt man "die Pflegefälle" zu uns“

„Wir machen das aus Liebe zum FSV“

Sie halten das FSV-Gelände in Schuss und den Verein damit maßgeblich mit am Leben: die Arbeitsgruppe Alte Herren des Fußballsportvereins. Auf dem Foto fehlt Georg Palmy. - Foto: Jens Dörr

groß-zimmern - Wo ist er bloß hin, der Schlüssel? Sieben Mann überlegen, doch das Objekt bleibt erst einmal verschollen. Von Jens Dörr

Stilecht in der Spielerkabine findet es statt, das LA-Interview mit Rudi Göbel, Manfred Exner, Erhard Exner, Werner Wurtz, Franz Pleil, Hans-Joachim Reichstein und Helmut Seibert. Georg Palmy war verhindert. Mit Horst Schönig verstarb vor nicht allzu langer Zeit ein wichtiger Mitstreiter und guter Freund der Truppe.

Die Truppe, das sind also noch acht Mann, wenn Palmy wieder an Bord ist. Und ohne sie, die Truppe, würde Fußballspielen beim FSV Groß-Zimmern keinen Spaß mehr machen. Mehr noch: Der Kick mit dem runden Leder wäre ohne die genannten Personen kaum noch möglich beim Fußballsportverein. Denn sie - zwei unter und drei über 70, die anderen drei sogar über 80 Jahre alt - halten das Gelände an der Waldstraße in Schuss und den Verein mit seinen rund 400 Mitgliedern mit am Leben. Nur über den Namen ihrer Gemeinschaft (FSV-Senioren träfe es irgendwie wohl richtig, doch so lautet er nicht) sind sich die Männer zunächst nicht ganz im Klaren. „Normalerweise sagen sie die ,Pflegefälle’ zu uns“, witzelt einer. Und das mit dem „Pflegen“ passt auch in der Tat ganz gut.

Denn die ehemaligen Spieler des FSV - Georg Palmy war zudem als Schiedsrichter für den Fußballverein von der Gersprenz tätig - halten das Areal in Schuss, pflegen die Plätze, aber eben nicht nur. „Ein Großteil der Arbeit fällt auch um die Plätze herum an“, sagt Rudi Göbel und die anderen nicken zustimmend.

Am Vormittag des LA-Besuchs bleiben sie dem Hauptfeld notgedrungen fern - zu nass zum Mähen. Vier Aufsitzrasenmäher stehen dafür zur Verfügung, im Sommer wird das Gras sogar zweimal wöchentlich gekürzt. Zwei LKW-Ladungen werden dann zusammengetragen, mit dem Fahrzeug eines Vereinsmitglieds abtransportiert und auf einem Privatgelände entsorgt. Was viel Geld spart, denn die Grüne Tonne oder auch das Abladen in Semd ist nicht umsonst. Stichwort Geld: Von dem sparen die acht Männer dem Verein jede Menge, ein Platzwart schlüge für den nicht auf Rosen gebetteten FSV mächtig ins Kontor. Wobei sich die FSVler einig sind: „Einer allein, auch hauptamtlich, könnte das gar nicht schaffen.“ Mähen, Abstreuen, Müllentsorgung, Reparaturen - all das wäre auch mit einer 40-Stunden-Woche kaum zu bewerkstelligen.

Hinzu kommt das Beseitigen von Vandalismus, externem wie internem: Die Querstreben als Aluminium an den Toren mussten schon mehrfach wieder geschweißt werden, darüber ärgert sich das Oktett. Auch Müll werde bei Heimspielen von Junioren oder Aktiven nur allzu gerne liegen gelassen.

Seit zehn Jahren lassen sich die Männer davon allerdings nicht unterkriegen: „Wir machen das alles aus Liebe zum FSV“, sagen sie übereinstimmend. Und: „Wir machen es zu 110 Prozent ehrenamtlich.“ Der Zehn-Prozent-Aufschlag ergebe sich daraus, dass sie sogar ihr Bier noch selbst zahlen, uzen sie. Um gleich darauf hervorzuheben: Sehr wohl gebe es ab und an jemanden im Verein, der eine Runde springen lasse. Und mit dem aktuellen Vorstand arbeite man gut zusammen, finde dort immer ein offenes Ohr.

Den Vorstand sollte man auch ansprechen, wenn man sich vorstellen könne, ebenfalls - regelmäßig immer mittwochs oder auch nur hin und wieder - dem FSV Groß-Zimmern etwas Gutes zu tun. Zwei, drei rüstige weitere Rentner täten der Gruppe gut, sind sich die Männer einig. Der Spaß kommt bei ihnen auch nicht zu kurz, das spürt man bereits beim ersten Zusammentreffen.

Bleiben noch zwei Dinge zu klären: Wie heißen sie denn nun offiziell? Glück, dass in der Kabine interviewt wurde - dort hängt auf einem Zettel tatsächlich des Rätsels Lösung an der Wand: Arbeitsgruppe Alte Herren.

Und wo ist denn nun der Schlüssel? Unverhofft kommt oft: Als die Männer dem LA-Reporter in der Garage demolierte Tornetz-Heringe zeigen, taucht das Objekt dort urplötzlich wieder auf.

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