Interview mit dem Trainer der 2. Mannschaft des OFC

Zaki Tammaoui: „Tendenz zeigt nach oben“

Trainer Zaki Tammaoui gibt seinen Spielern klare Anweisungen. - Foto: Scheiber

Offenbach - Die zweite Mannschaft der Offenbacher Kickers steckt mitten im Abstiegskampf der Fußball-Verbandsliga Süd. Trainer Zaki Tammaoui soll den OFC zum Klassenerhalt führen. Im Interview spricht der 35-jährige Marokkaner über die Ausbildung von Talenten und den Sinn eines Reserveteams. Von Daniel Schmitt 

Herr Tammoui, Ihre Mannschaft überwintert auf einem Abstiegsplatz. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den ersten Saisonteil zurück?
Natürlich können wir mit dem 14. Platz nicht zufrieden sein, die Entwicklung der Mannschaft ist aber in Ordnung. Die Tendenz zeigt nach oben, in der Endphase des Jahres haben wir den Anschluss geschafft. Daran wollen wir anknüpfen.

Trotzdem dürfte es ein Kampf bis zum letzten Spieltag werden. Oder?

Ja, davon müssen wir ausgehen. Es wird eine ganz enge Kiste.

Vor der Saison waren Sie als Trainer eigentlich nur für die U16 vorgesehen, Ende September tauschten Sie dann den Posten mit dem damaligen U21-Coach Kevin Hubrath. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Kevin hat gute Arbeit geleistet, an ihm lag es sicher nicht. Aber natürlich war die Punktezahl am Saisonanfang nicht optimal. Der Verein wollte das Problem intern lösen, also wurde ich gefragt, ob ich es mir zutraue. Und das mache ich.

Im Gegensatz zu Hubrath hatten Sie vorher schon einmal eine Herrenmannschaft trainiert. Ein Vorteil?

Bei der SG Seckbach lief es ganz gut, das stimmt. Wir haben das Team in vier Jahren von der A-Klasse in die Gruppenliga geführt. Ob es ein Vorteil ist, das will und kann ich nicht beurteilen.

Warum folgte der Schritt in die Jugendabteilung der Kickers?

Ich wollte schon immer junge Spieler ausbilden und kenne Petr Ruman sehr gut. Als der Kontakt zum OFC entstand, war Petr noch Trainer der zweiten Mannschaft und wollte mich dazuholen. Außerdem ist der OFC eine Herzensangelegenheit für mich. Ich habe hier selbst im Jugend- und Amateurbereich schöne Jahre verbracht.

Sie sprechen es an: Immerhin sieben Partien in der Regional- und 71 in der Oberliga absolvierten Sie für den OFC. Schnüren Sie noch ab und an selbst die Fußballschuhe im Training?

Eher weniger. Manchmal spiele ich noch zum Aufwärmen mit, danach aber nicht mehr. Ich beobachte sehr viel das Geschehen von Außen.

Als welchen Trainertyp würden Sie sich selbst bezeichnen?

Ich spreche viel mit meinen Spielern und mache auch mal einen Scherz. Trotzdem will ich auch einen gewissen Abstand zwischen mich und die Mannschaft bringen. Manchmal muss man eben auch ein harter Hund sein. Die Mischung sollte passen.

Der Verein hat in einer schwierigen Situation auf ihre Erfahrung gebaut. Wie wichtig ist diese im Fußball?

Im Fußball macht es immer Sinn, Erfahrung zu haben.

Der OFC setzt aber auf das Konzept einer U21. Halten Sie das für richtig?

So ein Konzept kann funktionieren, dafür muss die Qualität der jungen Spieler aber sehr, sehr hoch sein. Allgemein ist es schon sinnvoll, ein bis zwei erfahrene Spieler im Kader zu haben.

Gibt es demnach noch Veränderungen im Kader?

Wir werden auch in Zukunft viele ganz junge Spieler im Kader haben. Eventuell kommen aber zwei Neue, die den Altersschnitt sprengen.

Fehlt Ihren jungen Spieler die von Ihnen angesprochene „sehr, sehr hohe“ Qualität?

Die Qualität unserer Jungen ist hoch, ab und an sind sie aber noch zu grün hinter den Ohren.

In der Wintervorbereitung durften mehrere Spieler aus Ihrem Kader bei den Profis mittrainieren. Welchen Effekt erhoffen Sie sich davon?

Ich finde es gut, dass sie oben reinschnuppern. Es wird die Jungs pushen. Sie sehen gleichzeitig aber auch, was ihnen noch fehlt. Denn eines ist auch klar: Der Weg zu den Profis führt nur über die zweite Mannschaft.

Andere Klubs wie die Eintracht und der FSV Frankfurt haben kein Reserveteam mehr. Auch beim OFC soll zumindest schon einmal darüber nachgedacht worden sein. Wie stehen Sie dazu?

Die Zweite ist enorm wichtig, sie ist ein wichtiges Sprungbrett für die jungen Spieler aus der A-Jugend. Mit 18 oder 19 Jahren ist ein Spieler noch lange nicht fertig ausgebildet. Er muss in dieser Phase vor allem eines machen: Spielen, spielen, spielen. Er braucht den Wettkampf. Das können wir ihnen mit einer zweiten Mannschaft bieten. Außerdem können länger verletzte Profis in der Reserve wieder langsam herangeführt werden.

Trauen Sie Spielern aus ihrem Kader den Sprung in die Regionalliga zu?

Wir haben sehr gute Jungs, die das Talent für die Regionalliga besitzen. Mit Robin Scheu haben wir ja auch einen Mann, der schon öfters oben zum Einsatz kam. Andere Spieler wie Jan-Hendrik Marx, Lukas Friedrich oder Kay Michel sind noch nicht ganz so weit wie Robin, der Entwicklungsschritt kann aber kommen. In den nächsten zwei oder drei Jahren werden wir sehen, bei wem es klappt.

Quelle: op-online.de

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