Noch 100 Tage: Atemloser Dreikampf um Olympia 2018

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Katarina Witt ist Vorsitzende des Münchner Olympia-Bewerbungskuratoriums.

München- Für das Wintermärchen 2018 ist den Münchner Olympiaplanern kein Weg zu weit. Sogar in Neukaledonien präsentieren Witt & Co. das Konzept für das olympische Großprojekt. Das ist der Stand 100 Tage vor der Vergabe.

Sogar im idyllischen Südpazifik ging die Münchner Bewerbungsgesellschaft auf Stimmenfang für ihr Wintermärchen 2018. Knapp 17 000 Flugkilometer von der Isarmetropole entfernt, bogen die deutschen Olympiaplaner in Neukaledoniens Hauptstadt Nouméa auf die Zielgerade des Bewerbungsmarathons ein. An diesem Montag sind es noch 100 Tage bis zur Vergabe der Winterspiele 2018 am 6. Juli in Durban.

"Jetzt beginnt der Endspurt. Die Stimmung ist hervorragend. Wir wollen es wissen", sagte Aufsichtsratschef Michael Vesper der Nachrichtenagentur dpa. Doch Unklarheiten bleiben: Der Grundstücksstreit mit einigen Bauern und das Bürgerbegehren der Olympiagegner am geplanten Ski-Standort in Garmisch-Partenkirchen bereiten den Spitzenfunktionären weiterhin Unbehagen.

Deutschlands Ober-Olympier Thomas Bach weiß schon gar nicht mehr, wie oft er für das bayerische Großprojekt um die Welt geflogen ist. Auch im exotischen Neukaledonien schwärmten Katarina Witt, Bach und Bewerbungschef Bernhard Schwank vor den Nationalen Olympischen Komitees Ozeaniens von den "freundlichen Spielen". Die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Witt kam nach offiziellen Terminen in Marrakesch und Barcelona angejettet. Die Notwendigkeit der globalen Dienstreisen und der finanzielle Aufwand dürften demnächst auch im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ernsthaft diskutiert werden.

Eine Woche vor dem finalen Votum im südafrikanischen Durban kommt auch noch ein Auftritt in Togo dazu, wo die bayerische Landeshauptstadt, der südkoreanische Favorit Pyeongchang und der französische Außenseiter Annecy ihre Konzepte den Nationalen Olympischen Komitees Afrikas vorstellen wollen. Davor liegen die Präsentation beim internationalen Sportkongress "SportAccord" am 7. April in London und das wichtige technische Briefing vom 17. bis 19. Mai in Lausanne. Dort sind alle IOC-Mitglieder eingeladen, um sich über die Kandidaturen zu informieren und Fragen zu stellen.

"Die Präsentationen müssen genauso perfekt weiterlaufen wie bisher. Vor allem in Lausanne müssen wir den guten Eindruck vertiefen, den wir vor der Evaluierungskommission gemacht haben", forderte Vesper. Bis zum Termin in Lausanne hoffen die Münchner auch in den Verhandlungen mit ein paar Landwirten, die bisher ihren Grund für Olympia nicht zur Verfügung stellen wollen, einen großen Schritt weiter zu sein. "Es gibt keine Verhandlungen", behauptet der Münchner Rechtsanwalt Lorenz Seitz, der 63 Grundstücksbesitzer vertritt.

In die Auseinandersetzung zwischen Olympia-Befürwortern und der Opposition soll noch vor Durban ein Bürgerentscheid für Klarheit sorgen. Im Rathaus von Garmisch laufen die Vorbereitungen für das Bürgervotum auf Hochtouren. "Wir setzen auf einen positiven Bürgerentscheid", sagte Vesper. Und auf Eisbärin Giovanna. Der Publikumsliebling des Münchner Tierparks Hellabrunn wurde in der Vorwoche als offizieller Olympia-Botschafter vorgestellt.

Von Sven Busch, dpa

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