Es hätte so einfach sein können

Edeka verwirrt seine Kunden beim Einkaufen - und will von ihnen mehr als nur ihr Geld

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Edeka-Kunde vor Filiale: Einfach Bezahlen wäre wohl zu einfach gewesen. 

„Ware gegen Geld“ scheint beim Einkaufen eigentlich ein fairer Deal zu sein. Doch in einer Edeka-Filiale läuft das jetzt anders. Die Kunden sind verärgert.

Hamburg - Einkaufen sollte im Jahr 2019 eigentlich eine unkomplizierte Angelegenheit sein. Gerade das Bezahlen sollte in Zeiten von EC-Karte, kontaktlosem Zahlen und ApplePay gleichermaßen schnell wie bequem über die Bühne gehen. Doch eine deutsche Edeka-Filiale hat jetzt unter Beweis gestellt, dass man dem Kunden den Einkauf auch richtig verleiden kann. Also: Richtig. Verleiden. Kann. 

Denn wie ein aktuelles Foto auf Twitter zeigt, hat eine Edeka-Filiale ein neues Schild direkt an die Kasse geklebt. Darauf zu lesen: Verhaltensregeln beim Bezahlen mit EC-Karte. Die aufgedruckten Richtlinien sind allerdings ganz offensichtlich so gar nicht mit dem Datenschutz vereinbar. Und sie rufen bei den Kunden wahlweise Irritation oder auch reichlich Ärger hervor. 

Edeka-Aufkleber sorgt bei Juristen für Verwunderung und bei Kunden für Ärger

Zuerst in seiner Edeka-Filiale beobachtet hat das ein Nutzer auf Twitter, der zugleich Volljurist ist. Und was er da sah, bei Edeka, kommentierte er mit den Worten: „Tränen in den Augen...‘“

„Wir bitten um Verständnis, dass ab sofort folgende Regelungen für Zahlungen mit EC-Karte gelten“, schreibt Edeka auf seinem großflächigen gelben Aufkleber. Um dann etwa aufzulisten, dass

  • ... Kartenzahlung erst ab zehn Euro möglich ist (rechts daneben steht ein Hinweis, dass es fünf seien)
  • ... dass bei Zahlungen ab 100 Euro der Personalausweis vorgelegt werden muss
  • ... und zudem das Edeka-Kassenpersonal die Adresse und das Geburtsdatum des Kunden notieren wird.

Da half es auch wenig, dass Edeka seine Kunden anschließend um Verständnis für diese Maßnahmen bittet. Hintergrund sei eine „ständig steigende Zahl von Betrugsfällen“ bei EC-Kartenzahlung, schreibt die Filiale - deren Standort bislang nicht bekannt ist. Dass dann auch noch Zahlungen über mehr als 200 Euro mit EC-Karte komplett ausgeschlossen wurde, fiel da schon gar nicht mehr ins Gewicht. 

Edeka will plötzlich Kundendaten, die der Laden gar nicht bräuchte

Korrekt ist, dass Unternehmen wie Edeka zunächst nicht wissen, wie die Kunden heißen oder wo sie wohnen. Das müssen sie aber auch nicht. Denn wenn im Falle einer EC-Karten-Zahlung per Unterschrift - nicht per PIN - das Konto des Kunden nicht gedeckt sein sollte, kann sich der Händler an die Bank wenden. Pauschal, wie im konkreten Edeka-Fall, von allen EC-Bezahlern Adresse und sein Geburtsdatum einzuholen, ist also unnötig, vergrault die Kunden - und ist nach Ansicht von Juristen auch schlicht unzulässig. 

Sind jetzt alle Edeka-Kunden von den skurrilen Regeln betroffen? Bei der Supermarkt-Kette gehören die meisten Filialen einer Zentrale - sondern sind selbstständige Kaufleute, die lediglich das Logo und die Vermarktung vom Konzern einkaufen. Deswegen sind sie in vielen Dingen frei, wozu auch die akzeptierten Zahlungsmittel und die damit verbundenen Regeln gehören.  

Beschwerde gegen die Bezahl-Praxis bei Edeka - kurz darauf tut sich etwas

Dennoch gab es offenbar bereits einen weiteren Fall, den ein Twitter-Nutzer nach eigenen Worten dann auch direkt bei Edeka gemeldet hat. Und wie er berichtet, ist der inhaltlich ähnliche Aufkleber bereits kurz darauf verschwunden. Was die Kunden über diese Vorkommnisse denken, kann man ebenfalls auf Twitter nachlesen: „Die Liste der Einschränkungen ist ja länger als die meisten AGBs...“ schreibt einer. Und der andere fragt ironisch: „Gelten eigentlich bei Vollmond an einem Donnerstag andere Regeln?“

Immerhin ist der prominent platzierte Edeka-Aufkleber gleich von einem weiteren darunter garniert. Der Aufdruck: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Das bezieht sich zwar auf die Kontrolle der Volljährigkeit beim Verkauf von alkoholischen Getränken - könnte aber in besagter Edeka-Filiale offenbar auch das generelle Geschäftsmotto sein. 

Zuletzt hatte Edeka schon an anderer Front für Ärger gesorgt - weil ein Produkt mit demselben Inhalt einmal zum normalen, einmal zum dreifachen Preis verkauft wurde. Und dann wurde der Supermarkt auch noch von der Lidl-Konkurrenz aufs Korn genommen - mit Spott und Sprüchen gegen Edeka

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