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Test von CBD-Produkten: Experten warnen - „Keines der Mittel sicher“

CBD-Produkte im Test: Stiftung Warentest untersucht 17 Produkte und kommt zu einem kritischen Schluss. (Symbolbild)Ein Mann träufelt CBD-Öl im CBD-Café „Canna“ in einen Cappuccino.
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CBD-Produkte im Test: Stiftung Warentest untersucht 17 Produkte und kommt zu einem kritischen Schluss. (Symbolbild)

In Deutschland werden CBD-Produkte beliebter. Sie sollen verschiedene positive Wirkungen haben. Ein Test zeigt: Die Mittel sind nicht unbedenklich.

  • CBD-Produkte sind derzeit in Mode.
  • Stiftung Warentest* hat 17 Produkte mit dem aus der Hanfpflanze gewonnenen Mittel untersucht.
  • In einigen Produkten wurde ein erhöhter THC-Gehalt entdeckt.

Kassel – Das aus der Hanfpflanze gewonnen Mittel, liegt derzeit voll im Trend. Kein Wunder – werden dem Cannabidiol (kurz CBD) reichlich positive Wirkungen zugeschrieben. Es soll gegen Schlafstörungen helfen, für Ausgeglichenheit sorgen und sogar gegen einige Krankheiten helfen können.

In den USA ist der Markt bereits groß. Nach Recherchen des „Tagesspiegels“ könnte das Geschäft mit dem Cannabidiol bis zum Jahr 2025 auf 16,8 Milliarden US-Dollar ansteigen. Und auch in Deutschland greifen immer mehr Menschen zu CBD-Öl, Kapseln und Konsorten. Nach einer Umfrage von Stiftung Warentest nutzt mehr als jeder Zehnte derartige Produkte. Doch halten die Mittel was sie versprechen? Stiftung Warentest hat einige Produkte unter die Lupe genommen und zieht nach ihren Tests ein kritisches Fazit.

Stiftung Warentest: CBD-Produkte – Können die Mittel wie Medikamente wirken?

Insgesamt 17 CBD-Produkte wurden getestet. Darunter Kapseln und Öle zum Einnehmen (14), Aromaöl zum Auftragen auf das Kopfkissen (2) oder für den Verdampfer (1). Basis der Produkte ist, laut Stiftung Warentest, oft Öl aus Hanfsamen, angereichert mit Hanf-Extrakten.

Die Produkte wurden von Mai bis Juli 2020 in Online-Shops, Online-Apotheken und in Drogerien gekauft. Auch bei einem Reformhaus und in einer Bio-Handelskette kauften die Mitarbeiter von Stiftung Warentest ein*. Wichtig war den Experten zum einen die erhofften positiven Effekte zu überprüfen und zum anderen den tatsächlichen THC-Gehalt der Produkte zu untersuchen. Bei den Produkten im Test handelte es sich um:

  • Canobo (Pur Cannabisöl mit 2,75 Prozent CBD)
  • Duowell (Bio CBD 5 Prozent Vollextrakt in Hanföl)
  • Hempamed (CBD Softgel Kapseln 5 Milligramm)
  • Natcan (Nature Elements Vollsprektrum Hemp Caps 25 Milligramm)
  • Canea (CBD 10 Prozent Premium Hanf-Öl)
  • Cantitat M (CBD Akut Tropfen standard 10 Prozent)
  • CBD Vital (5 Naturextrakt Vollspektrum)
  • Dr. Loges (CBD-Loges Cannabis-Öl)
  • GreenDoc (Hanf Aroma-extrakt mit natürlichem Hanfsamen-Öl 5 Prozent)
  • Healthy-Herbs (CBD Hanföl 10 Prozent)
  • Hempamed (CBD 5 Prozent)
  • Medihemp (Bio Hanf Complete CBD-reiches Vollextrakt 5)
  • Reformhaus (Hanfpulver Kapseln Cannabis Sativa)
  • Vaay (Liposomale Vollspektrum Hanfextrakt Kapseln/20)
  • Alpinols Zero (Bio CBD-Öl THC-frei)
  • Nutree (CBD Öl 5 Prozent Aroma-Öl aus Hanfextrakt)

Stiftung Warentest: Enthalten CBD-Produkte auch THC?

Cannabidiol könne wie ein Arzneimittel wirken, deshalb sei es keinesfalls harmlos. So erklärt Pharmazeutin Birgit Schindler gegenüber Stiftung Warentest: „CBD beein­flusst auf komplexe Weise verschiedene Nervenboten­stoffe und Körperfunk­tionen“. Beispielsweise könne damit eine „Überregung von Nerven verhindert“ werden.

Doch auch das Gegenteil ist möglich. So können CBD-Produkte auch reizbar machen. Unklar sei beispielsweise, wie sich eine längere Einnahme auf die Organe auswirken kann. Auch zur Wechselwirkung mit anderen Medikamenten gebe es noch keine klare Studienlage. Stiftung Warentest rät daher Menschen die Arzneien einnehmen und Schwangeren sowie stillenden Müttern von der Einnahme von CBD ab.

NameTetrahydrocannabinol
KurzformTHC
Unbedenkliche Menge laut EfsaNicht mehr als ein Mikrogramm pro Pro Kilogramm Körpergewicht und Tag
Quelle: Stiftung Warentest

Zusammenfassend erklärt Stiftung Warentest zur Nutzung von CBD-Produkten: „Aus diesen Gründen halten wir keines der geprüften CBD-Mittel zum Einnehmen für sicher.“ Das hat jedoch noch einen weiteren Grund. Denn neben Wechselwirkung und Auswirkung bei längerfristigem Konsum fielen auch einige der Produkte im Test mit einem zu hohen THC-Gehalt auf.

So enthielten vier Mittel zum Einnehmen erhöhte Mengen an Tetrahydrocannabinol. Dabei handelt es sich um den psychogenen Stoff aus der Hanfpflanze der Auswirkungen wie verminderte Reaktionsfähigkeit haben kann. Dasselbe gilt laut Stiftung Warentest auch für eines der Aromaöle im Test, falls dieses versehentlich eingenommen wird.

Video: Verkaufszahlen von CBD steigen während der Corona-Pandemie

Stiftung Warentest untersucht CBD-Produkte aus der Hanf-Pflanze: THC-Gehalt problematisch

Generell enthielten alle CBD-Produkte im Test zumindest Spuren von THC. Doch die Öle von Canobo und Duowell und die Kapseln von Hempamed und Natcan enthielten wesentlich mehr, als von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) für unbedenklich gehalten wird. Bei diesen vier Produkten könne nicht ausgeschlossen werden, dass psychomotorische Effekte nach dem Verzehr auftreten. Doch die Wirkungen sind von den medizinischen THC-Dosen oder von einem Joint weit entfernt.

„Wer hofft, high zu werden, liegt falsch“, schließt Stiftung Warentest. Insgesamt lägen für keines der Produkte ausreichende wissenschaftliche Belege vor, was die jeweiligen Eigenschaften angehe, weshalb die Experten die CBD-Artikel als nicht sinnvoll und nicht sicher kritisieren. (slo) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Nach einer Rückruf-Welle für Sesam-Produkte hat Stiftung Warentest weitere Produkte unter die Lupe genommen. In einigen wurde ein gefährlicher Stoff gefunden.

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