Chaos: Stromausfall legt halb Brasilien lahm

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Blackout in Sao Paulo

Rio de Janeiro - Am Dienstagabend brach in Brasilien das absolute Chaos aus. Schuld war ein gigantischer Stromausfall, der das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt lahm legte.

Ein Stromausfall hat in Brasilien Zigmillionen Menschen für mehr als zwei Stunden in absolute Dunkelheit gehüllt. In der Olympiastadt Rio de Janeiro, der Metropole São Paulo sowie zahlreichen weiteren Städten gingen am Dienstagabend (Ortszeit) die Lichter aus. Der U-Bahn-Verkehr kam zum Stillstand, im Straßenverkehr brach Chaos aus. Flughäfen hielten einen Notbetrieb aufrecht. Auch im Nachbarland Paraguay herrschte für 20 Minuten Finsternis.

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Von dem Stromausfall waren in Brasilien neun von 27 Bundesstaaten betroffen, wie Energieminister Edison Lobao erklärte. Allein in den beiden größten Städten des Landes, Rio und São Paulo, und deren Umland leben rund 30 Millionen Menschen. Die Hauptstadt Brasilia war von dem Stromausfall nicht betroffen. Ursache war nach Angaben der Behörden eine Störung im Überleitungssystem, die das Wasserkraftwerk Itaipu an der Grenze zu Paraguay stilllegte. Dadurch fiel mit einem Schlag eine Leistung von 17.000 Megawatt aus.

Zweitgrößtes Wasserkraftwerk der Welt

Itaipu ist nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt und deckt 20 Prozent des brasilianischen Strombedarfs. Laut Minister Lobao stand der Zusammenbruch des Leitungssystems möglicherweise in Zusammenhang mit einem Sturm in der Region, der zahlreiche Bäume entwurzelte.

Der Stromausfall ist für die aufstrebende Wirtschaftsmacht Brasilien mit ihren 190 Millionen Einwohnern ein peinlicher Zwischenfall - und eine schmerzliche Erinnerung daran, dass die Infrastruktur teils veraltet ist. 

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Um 00.37 Uhr am Mittwoch ging an der Copacabana in Rio das Licht wieder an. Die Menschen auf der Straße jubelten, Autofahrer reagierten mit einem Hupkonzert auf die Rückkehr des Stroms. “Es ist traurig zu erleben, dass eine so schöne Stadt eine solch prekäre Infrastruktur hat“, sagte der 22-jährige Student Igor Fernandes. “Das sollte nicht in einer Stadt passieren, die Olympische Spiele ausrichten wird.“

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Am Mittwochmorgen waren in Rio und São Paulo örtlichen Medienberichten zufolge jedoch immer noch zahlreiche Ampeln ausgefallen. Die Behörden rechneten demnach für den ganzen Tag mit Verkehrsbehinderungen. Der 35-jährige Grafikdesigner Paulo Viera, der unweit der Copacabana ein sich mangels Kühlung schnell erwärmendes Bier trank, sorgte sich ebenfalls um die langfristigen Folgen für seine Stadt. “Das Image Brasiliens und besonders von Rio ist wegen all der Gewalt schon schlecht genug“, sagt Viera. “Das brauchen wir nicht auch noch.“ Rio bekam vor einem Monat den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2016. Bis dahin muss die Stadt nicht nur massiv in die Infrastruktur investieren, sondern auch die Banden- und Drogenkriminalität eindämmen.

ap

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