Nach vier Monaten wieder erkrankt

Corona-Albtraum: Mann nach Spanien-Urlaub zum zweiten Mal infiziert - jedoch mit anderer Virus-Variante

Ein Mann aus Hongkong hat sich nachweislich zweimal mit dem Coronavirus angesteckt, berichten Forscher. Es wäre der erste dokumentierte Fall einer Zweitinfektion - Reinfektion.

Hongkong - Bei vielen Virusinfektionen gilt, wer sich einmal infiziert hat, ist einige Zeit vor dem Erreger geschützt. Der Körper hat sein Abwehrsystem gegen das Virus aktiviert. Bei dem Coronavirus gingen Forscher bisher davon aus, dass eine überstandene Infektion gewisse Zeit vor Covid-19 schützt. Dass der Mensch eine zweite Attacke abwehren kann. Doch das Coronavirus ist neu. Die ersten Corona-Fälle traten in Deutschland im Januar auf. Langzeitstudien, wie bei Masern oder Windpocken fehlen.

Coronavirus: Immunität nur von kurzer Dauer?

Wie das Immunsystem auf das Coronavirus Sars-CoV-2 reagiert, versucht die Wissenschaft beispielsweise mit Antikörpertests bei Covid-19-Genesenen herauszufinden. Es gibt unglaublich viele Studien. Einige Ergebnisse dazu sind zunächst ernüchternd. Bluttests der ersten Corona-Patienten in Deutschland, die Ende Januar in der Klinik Schwabing* behandelt wurden, zeigten ein deutliches Absinken der Anzahl von sogenannten neutralisierenden Antikörpern im Blut, berichtete Clemens Wendtner, Chefarzt der dortigen Klinik für Infektiologie.

Österreichische Forscher haben herausgefunden, dass einige genesene Corona-Patienten Antikörper entwickeln, die das Eindringen des Virus in den Körper sogar leichter machen würde und das Coronavirus dann besser an die Zellen andocken konnte. Doch unser Immunsystem ist sehr komplex. Es sind eben nicht nur Antikörper, die Erreger abwehren. Noch ist unklar, ob eine Immunität dauerhaft ist, oder nur für eine bestimmte Zeit.

Was sind Antikörper gegen das Coronavirus?

Das Coronavirus Sars-CoV-2* verschafft sich über Eiweiße - bestimmte Proteine - Zugang in die menschliche Zelle. Bei einer Infektion bildet der Körper dann spezielle Abwehrstoffe - Eiweißmoleküle - gegen das Virus.

Menschen überstehen eine Virusinfektion, weil ihr Immunsystem neutralisierende Antikörper gegen die Erreger bildet. Diese finden sich dann im Blutplasma. Bislang geht die Wissenschaft davon aus, dass Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus einen Schutz haben. Wie lange und wie sicher dieser Schutz ist, muss noch weiter erforscht werden. 

Coronavirus: 33-Jähriger zweites Mal infiziert

Ein Mann (33) aus Hongkong hat sich offenbar zweimal mit dem Coronavirus infiziert. Ein Forschungsteam der Universität Hongkong hat nach eigenen Angaben erstmals eine Zweitinfektion mit dem Coronavirus dokumentiert.

Im März kam der 33-Jährige in Hongkong mit Halsschmerzen, Husten, Fieber und Kopfschmerzen ins Krankenhaus. Dort wurde der IT-Fachmann positiv auf das Coronavirus getestet. Der Covid-19-Patient erholte sich schnell. Der junge Mann habe nur „leichte“ Symptome gehabt und wurde im April aus der Klinik entlassen. Nach seiner Gesundung wurde er dann zweimal negativ auf das Virus getestet. Nach einem Urlaub in Spanien ließ sich der Mann bei seiner Einreise in Hongkong wieder auf Corona testen. Rund viereinhalb Monate nach seiner ersten Infektion erhielt der Mann erneut ein positives Testergebnis.

Beim zweiten Mal hatte der Mann keine Krankheitssymptome - er sei völlig asymptomatisch gewesen. Der Fallbericht der Hongkonger Wissenschaftler kursierte in mehreren Medien. Eine Journalistin der „South China Morning Post“ twitterte Auszüge davon. Die Studie wurde demnach vom US-Fachblatt „Clinical Infectious Diseases“ zur Veröffentlichung angenommen und soll demnächst erscheinen. Wie der „Spiegel“ berichtet, konnte das Fachmagazin das auf Nachfrage jedoch nicht bestätigen.

Coronavirus: Zweitinfektion nach Ansicht der Forscher möglich

Der Fall zeige, dass nur wenige Monate nach einer ersten Infektion eine erneute Infektion mit dem Virus möglich sei, erklärte das Institut für Mikrobiologie der Universität Hongkong am Montag. Gen-Analysen zeigten, dass die Infektionen im April und August von zwei verschiedenen Virusstämmen ausgelöst wurden. Die Virusstämme seien „deutlich anders“ gewesen. Das würde einem Wiederaufflammen der ersten Infektion widersprechen. Patienten, die sich von Covid-19 erholt haben, sollten Masken tragen und auf soziale Distanz achten, empfehlen die Forscher in ihrer Mitteilung.

Allerdings war die Informationslage am Montagnachmittag (später Abend Hongkonger Zeit) dünn, weil eine Presseerklärung der Uniklinik wohl nur an wenige Journalisten gemailt worden war. Maria van Kerkhove, Covid-19-Beauftragte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nahm in einer Pressekonferenz Bezug zu der Presseerklärung und sagte: „So wie wir die Pressemitteilung verstehen, könnte das ein Beispiel für eine Reinfektion sein.“

Corona-Schock: Auch Patienten in Europa zweimal mit Corona infiziert

Auch in Europa sollen sich zwei genesene Covid-19-Patienten wieder mit dem Coronavirus angesteckt haben. Das berichtet der niederländische Rundfunksender NOS und beruft sich auf die Aussage der Virologin Marion Koopmanns. Zweimal soll sich demnach ein älterer Patient mit einem geschwächten Immunsystem infiziert haben. Bei dem betroffenen Patienten habe eine genetische Analyse ergeben, dass es sich um einen anderen Coronavirus-Typ handle. „Sars-CoV-2-Infektionen haben alle einen unterschiedlichen Fingerabdruck, einen genetischen Code“, sagte Koopmans. Ein weiterer Fall einer Zweitinfektion wird zudem aus Belgien am Dienstag (25. August) berichtet. Bei der Patientin handle es sich um eine Frau in Leuven, die nach drei Monaten erneut positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde. Das Coronavirus sei auch hier zu beiden Zeiten genetisch bestimmt worden und tatsächlich ein Unterschied festgestellt worden.

Eine Gen-Analyse des Virus sei nach Einschätzung der Experten wichtig. Nur so lasse sich feststellen, ob sich die Virus-Fälle unterscheiden und eine zweite Infektion vorliegt. Menschen könnten nämlich noch lange nach einer Infektion genetisches Material des Virus im Körper haben, erklärte Koopmanns gegenüber NOS. Bei Tests lassen sich Teile des Viren-Erbguts - sogenannte RNA (Ribonukleinsäure) finden. Erst wenn ein Unterschied im genetischen Code vorliegt, sprechen Wissenschaftler von einer Reinfektion - einer Wiederinfektion. Ob eine Zweitinfektion eine Ausnahme bleibt oder häufiger bei Patienten vorkommt, müssten weitere Beobachtungen zeigen. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Mediziner suchen mit Hochdruck nach einem Medikament oder einem Mittel gegen Covid-19. Vielversprechend schien eine sogenannte Antikörper-Therapie. Eine erste klinische Studie zu einer Antikörper-Therapie haben Mediziner aus China nun im Fachmagazin „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) veröffentlicht. 

Eine neue Studie aus Schweden macht nun Hoffnung, dass man nach einer Corona-Infektion doch längerfristig immun sein könnte - auch ohne Antikörper im Blut.

Rubriklistenbild: © Miguel Candela/dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare