Drastische Maßnahme

Corona-Hammer: Spanien will öffentliches Rauchverbot einführen - Maßnahme auch in Deutschland möglich?

Die Regierung in Spanien macht Ernst im Kampf gegen Corona. Sie will ein Rauchverbot auch draußen an der frischen Luft verhängen. Einzelne Regionen sind bereits vorgeprescht.

  • Spanien gilt weiter als eines der am härtesten vom Coronavirus betroffenen Ländern.
  • Gesundheitsminister Salvador Illa kündigt eine drastische Maßnahme an.
  • Er will ein Rauchverbot verhängen - auch an der frischen Luft.

Madrid - Spanien galt und gilt weiter als Corona*-Hotspot in Europa. Zuletzt stiegen auch auf der iberischen Halbinsel die Fallzahlen wieder sprunghaft an. Aktuell (Stand: 20.8.) hat das Land mehr als 370.000 Corona*-Infizierte, fast 29.000 Spanier sind bereits am Virus verstorben. Jetzt prescht Gesundheitsminister Salvador Illa mit einer drastischen Maßnahme vor. Die dürfte Rauchern so gar nicht gefallen.

Der Minister folgt demnach dem Rat der „Kommission für öffentliche Gesundheit“ seines eigenen Ministeriums und will im ganzen Land ein bedingtes Rauchverbot durchsetzen. Die Kommission warnt in einem Gutachten von Anfang Juli vor der erhöhten Ansteckungsgefahr. Beim Ausatmen des Rauchs aus der Lunge oder aus der Mundhöhle könnten viele Mikrotröpfchen mit dem Coronavirus* freigesetzt werden, „die hochinfektiös sind“, wie es im Experten-Gutachten heißt: „Daher sollte der Konsum in gemeinschaftlichen Umfeldern vermieden werden.“ Das heißt: Nicht nur drinnen, sondern auch an der frischen Luft könnte das Rauchen zeitnah verboten werden.

Coronavirus: Rauchverbot in Spanien? Rauchen laut Experten „hochinfektiös“

Schon in der letzten Wochen sind die Regierungen in Galicien und auf der Kanarischen Inseln mit einem Rauchverbot vorgeprescht. Die beiden Touristenregionen beschlossen, dass Raucher ihre Masken auf Straßen und Restaurant-Terrassen nicht mehr abnehmen dürfen. Mit der Einschränkung, dass der Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann. Sollte dieser Mindestabstand eingehalten werden, dürfe geraucht werden. Diese Ausnahme soll auch bei der Maßnahme des Gesundheitsministers gelten.

Carlos Jiménez gilt als Vorkämpfer des neuen Rauchverbots in Spanien. Der Präsident der spanischen Gesellschaft für Lungenheilkunde und Thoraxchirurgie erklärt in einem Interview mit dem Spiegel seine Intention: „Wenn ein Raucher exhaliert, gelangen viel mehr Tröpfchen in die Umwelt, als wenn ein Mensch normal ausatmet. Und: die Raucher tragen dabei keine Maske.“ Anders als in Deutschland muss in Spanien auch draußen im öffentlichen Raum fast überall ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Corona: Spanien macht Ernst und will Rauchen verbieten - auch in Deutschland möglich?

Bislang sind Forscher der Meinung, dass das Risiko in Innenräumen wesentlich höher als draußen an der frischen Luft sei. Dort könnten sich die Partikel schneller verflüchtigen. Aus diesem Grund zeigt sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem Spiegel gegenüber zurückhaltend: „Es gibt bislang keine Studien, die eine besondere Infektionsgefahr durch Zigaretten untermauern.“ Das Nachrichtenmagazin hat auch den Virologen Jonas Schmidt vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut dazu befragt. Zwar würden beim Ausatmen „viele Tröpfchen in die Umgebung geblasen, die das Virus übertragen können. Ich glaube nicht, dass das Verbot in Spanien entscheidend sein wird, um die Ausbreitung des Virus* einzudämmen.“ In Deutschland dürfte eine solche Maßnahme demnach nicht angedacht sein.

Auch deshalb dürfte die Regierung in Spanien kein generelles Rauchverbot durchsetzen wollen. Denn die Gefahr, dass ein Gericht die Maßnahme kippt, wäre schlicht zu groß. Von den Beschwerden der großen Tabakkonzerne ganz zu schweigen. Die Einschränkung, dass nur bei einem Abstand von weniger als zwei Metern das Rauchen auch draußen verboten sei, macht dies noch einmal recht deutlich.

Corona trifft Spanien derzeit mit voller Wucht, insbesondere die Region Madrid ist betroffen. Auf Mallorca spielen sich unwirkliche Helikopter-Szenen ab. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © María José López/dpa/EUROPA PRESS

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