„Wenige Erfahrungen“

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In Mexiko-Stadt sieht man derzeit viele Bewohner mit Athemschutzmasken.

Welt - Bund und Länder sehen sich gut gerüstet, sollte die Schweinegrippe in Deutschland ausbrechen. Es herrscht erhöhte Alarmbereitschaft, der sechsstufige Pandemie-Plan ist angelaufen.

Zunächst galt Stufe 3, wie der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater, gestern erklärte. Man nehme die Lage ernst und beobachte die Situation. Für Panik bestehe aber kein Anlass. Krisenstäbe würden erst bei der Stufe 4 des Plans eingesetzt, wenn sich in Deutschland ein Verdachtsfall bestätigt habe. Mit dem Nationalen Pandemieplan soll die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern im Fall einer sich weltweit verbreitenden Krankheit geregelt werden. Doch es gibt Zweifel an dessen Wirksamkeit. Kritiker befürchten etwa, dass bei Ausbruch einer Pandemie jeder Stadt- und Landkreis, zumindest aber jedes Bundesland doch selbst entscheidet, weil eine zentrale Koordinationsstelle fehlt. Das Hauptaugenmerk richtet sich derzeit auf die Flughäfen - vor allem die internationalen Drehkreuze, über die sich Erreger in alle Welt verbreiten können.

Die Gesundheitsbehörden sind bundesweit in Alarmbereitschaft, Kliniken sind angewiesen, verstärkt auf Grippesymptome bei Reisenden aus Mittelamerika zu achten. „Für uns ist Wachsamkeit und die schnelle Abklärung von Verdachtsfällen oberstes Gebot“,betonte etwa die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann.

Bisher konnte die Schweinegrippe nur von Schwein zu Schwein weitergegeben werden.

Dass es Fälle der Schweinegrippe in Deutschland geben wird, halten Experten nahezu für sicher. Fraglich ist vor allem das Ausmaß. In begrenztem Umfang haben die Bundesländer für diesen Fall Bestände von Grippemitteln wie Tamiflu und Relenza angelegt. Allerdings sind die Unterschiede bei den Beständen sehr unterschiedlich, wie eine Länderumfrage der Nachrichtenagentur Associated Press ergab. In Niedersachsen sind laut Sozialministerium lediglich für 11,5 Prozent der Bevölkerung an mehreren geheimen Stellen Grippemittel eingelagert worden, in Hamburg nur für 11,2 Prozent, in Sachsen-Anhalt waren es früheren Angaben zufolge sogar noch weniger. In Nordrhein-Westfalen sollen die Bestände Ministeriumsangaben zufolge dagegen für rund 30 Prozent der Menschen reichen. Der Mittelwert über alle Länder liegt bei etwa 20 Prozent - so viel sind es auch in Hessen.

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Ob das im Ernstfall ausreicht, ist jedoch fraglich. Ebenso sind Klinikplätze sowie Beatmungsgeräte begrenzt. Experten hatten deswegen schon während der Diskussion um die Vogelgrippe vor vier Jahren gewarnt, dass Deutschland bei einer Pandemie in 16 Kleinstaaten zerfallen könne. Schließlich sei für die Länder, die besser vorgesorgt haben, nicht einzusehen, dass sie von ihren eigenen Ressourcen abgeben sollten, wenn diese möglicherweise kurz darauf knapp werden könnten.

Die Schweinegrippe ist jetzt so gefährlich, da der Erreger mutiert ist und auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Im Kampf gegen einen möglichen Ausbruch der Vogelgrippe war deswegen eine Nationale Pandemiekommission angedacht, um eine bundesweite Koordination zu sichern. Diese Kommission wurde dann aber doch nicht eingerichtet. Das Bundesgesundheitsministerium begründete den Verzicht im Jahr 2006 damit, dass andere Gremien der Zusammenarbeit bestünden und auch die Weltgesundheitsorganisation eine solche Kommission nicht mehr empfehle. „Die Pläne für den Fall einer Pandemie reichen vom Bund über die Länder bis hin zu den Kommunen“,erklärte nun etwa auch der Sprecher des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums, Ulrich Lensing. Allerdings hat es in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten keine Pandemie gegeben.

Und so gilt trotz aller Pläne und Planungen, was der SPD-Politiker und Initiator des „Grünbuchs Öffentliche Sicherheit“, Gerold Reichenbach, gestern anmerkte: „Das Problem ist: Es gibt nur wenig Erfahrungen, wie wir mit einem derartig beschleunigten Infektionsgeschehen umzugehen haben.“

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